RS-Virus: Volle Kliniken in NRW wegen Infektionswelle bei Kindern

RS-Virus: Volle Kliniken in NRW wegen Infektionswelle bei Kindern

Platzprobleme in den Kinderkliniken in NRW: Das sogenannte RS-Virus sorgt bei Säuglingen und Kindern für Atemwegserkrankungen. Grund sind offenbar weniger trainierte Immunsysteme.

Mehrere Infekte pro Jahr - bei Kindern ist das nicht ungewöhnlich. Doch in der Pandemie mit Homeschooling und zeitweise geschlossenen Kitas, mit Masken, Kontaktbeschränkungen und Abständen wurde nicht nur das Coronavirus zurückgedrängt: Auch andere Krankheiten traten seltener auf als üblich. Das RKI verzeichnete etwa sehr niedrige Zahlen anderer akuter Atemwegsinfektionen.

Nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen hat sich das mittlerweile geändert. Kinderkliniken kämpfen aktuell mit einer heftigen Infektionswelle. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder, die unter schweren bronchialen Infekten leiden. Teilweise müssen sie stationär behandelt werden. Das stellt die Kinderkliniken in NRW vor Platz- und Personalprobleme.

"Maximal ausgelastet"

"Aktuell ist die Belegung in der Kinderklinik des Uniklinikums Düsseldorf deutlich höher als sonst zu diesem frühen Zeitpunkt üblich", sagte Kliniksprecher Jörn Grabert am Dienstag dem WDR. "Wir sind zum Teil maximal ausgelastet."

Die DRK-Kinderklinik in Siegen hat derzeit so viele Säuglinge mit schweren Atemwegserkrankungen wie sonst erst im Januar. Vor allem das RS-Virus mache den Kindern zu schaffen, teilte die Klinik dem WDR mit. Derzeit würden 20 Kinder stationär behandelt, zwei davon intensiv. Auch die Uniklinik RWTH Aachen verzeichnet seit einigen Wochen vermehrt Einweisungen von Ein- bis Vierjährigen mit dem RS-Virus.

Netzwerke federn Engpässe ab

Im Kinderklinikum in Dortmund werden derzeit 21 Kinder und Säuglinge versorgt. Sie bekommen Sauerstoff, einige von ihnen müssen künstlich beatmet werden. Im Klinikum in Datteln mussten bereits weniger schlimm erkrankte Patienten wegen der Bettenknappheit abgewiesen werden.

Im Münsterland sei es seit Wochen schwer, in der Nähe des Wohnortes Krankenhausplätze zu finden, sagte Professor Heymut Omran von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum Münster. Das könne zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Um mögliche Engpässe aufzufangen, gibt es in NRW medizinische Netzwerke. So können die Kinder im Notfall auch in weiter entfernte Kliniken gebracht werden. Das ist derzeit in Detmold der Fall: Die Kinderabteilung des Klinikums Lippe hat bereits Patienten aus Nachbarkreisen aufgenommen, weil es hier noch freie Plätze gibt. Die Kinder werden nun auf der Intensivstation behandelt.

Keine ausreichende Immunität

Eine Zunahme der Fälle mit RSV-Infektionen beobachtet die Kinderklinik in Sankt Augustin schon seit August. "Üblicherweise treten diese Infektionen in den Wintermonaten von November bis maximal April auf", sagte Professor Gerd Horneff dem WDR. "In normalen Wintern müssen deshalb circa 200 Kinder in der Kinderklinik Sankt Augustin stationär aufgenommen werden."

In diesem Jahr seien es von August bis Oktober bislang über 100 Kinder. "Wahrscheinlich hat die Schließung von Schulen und Kindergärten im Vorjahr auch solche Atemwegsinfektionen verhindert und dabei auch verhindert, dass Kinder eine ausreichende Immunität erwerben."

Normaler Erreger mit Gefahrenpotenzial

Mit dem RS-Virus ist nicht zu spaßen. "Die RSV-Infektion führt zu einer gefürchteten Erkrankung der Bronchien und der Lunge, die mit Fieber und schwerer Atemnot einhergeht", sagte Professor Horneff. Allerdings erkranken nicht alle Kinder gleich schwer.

"Das RS-Virus ist ein normaler Erkältungserreger", so der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske. "Die Gefährdung dadurch ist nicht vergleichbar mit der durch Corona oder Grippe." Zu den Gruppen, für die das Virus ein Risiko darstelle, gehörten extrem Frühgeborene und vorerkrankte Neugeborene. Sie könnten zur Vorbeugung mit einer Antikörper-Gabe behandelt werden.

Stand: 19.10.2021, 16:06

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