Tausende Kita-Plätze fehlen, wenige Eltern klagen

Tausende Kita-Plätze fehlen, wenige Eltern klagen

Von Karin Bensch, Christopher Ophoven, Dominik Reinle, Peter Schneider

  • In NRW fehlen weiterhin Tausende Plätze für Kinderbetreuung
  • Nur wenige Klagen trotz Rechtsanspruchs auf U3-Plätze
  • Ausbau der Angebote benötigt Zeit

In vielen Städten und Gemeinden in NRW ist Kinderbetreuung Mangelware. In Wuppertal zum Beispiel fehlen mehr als 1.000 Kita-Plätze. In Bonn gibt es rund 1.800 Betreuungsplätze zu wenig.

In Essen fehlen sogar knapp 3.000 Kita-Plätze und Plätze in der Tagespflege. Die Stadt hat darum für Freitag (10.05.2019) zu einem Kita-Gipfel eingeladen. Ziel ist ein "Masterplan" für den Ausbau von Betreuungsplätzen.

Bisherige Versäumnisse

Es sei versäumt worden, frühzeitig neue Kitas zu bauen und für ausreichend Personal zu sorgen, kritisiert Katja Wegner-Hens vom Landeselternbeirat der Kindertageseinrichtungen. "Man hat viel zu spät erkannt, dass die Geburtenrate ansteigt."

Auch die Folgen der geänderten Rechtslage seien nicht bedacht worden. Seit August 2013 haben Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Knapp 140 Verfahren

In NRW sind die meisten Eltern jedoch nicht klagefreudig. Nach WDR-Recherchen sind derzeit nur knapp 140 Verfahren bei den Verwaltungsgerichten und dem Oberverwaltungsgericht in Münster anhängig.

Die meisten Klagen gibt es demnach im Ruhrgebiet und im Rheinland. In Essen sind derzeit knapp 70, in Köln gut 50 Verfahren anhängig. Zum Vergleich: In Leipzig waren es im vergangenen Jahr über 2.500 Verfahren.

Mangel schwer bezifferbar

Wie viele Plätze insgesamt für das neue Kindergartenjahr 2019/2020 fehlen, lässt sich derzeit nicht beziffern. Weder das NRW-Familienministerium noch die Landesjugendämter können aktuelle Zahlen liefern. Die Platzvergabe ist Sache der Kommunen.

Doch auch eine WDR-Anfrage bei den zehn größten Städten lieferte keine vergleichbaren Daten. Der Tenor: Erst kurz vor Beginn des Kindergartenjahres im August stehe fest, wie viele Plätze fehlen. Der Vergabeprozess sei noch in vollem Gange.

Wo klaffen Lücken?

Wie groß allein der Mangel an U3-Plätzen ist, zeigt ein Blick auf eine Erhebung des Deutschen Jugendinstituts von 2013. Der damals festgestellte Bedarf, der aufgrund einer gestiegenen Geburtenrate und Zuwanderung Expertenschätzungen zufolge weiter gestiegen ist, wurde auch im Kindergartenjahr 2018/2019 an vielen Orten nicht erreicht:

Wie ist die Versorgung in meiner Region?

Wenn Sie wissen wollen, wie es in Ihrer Region mit der Kinderbetreuung aussieht, wählen Sie hier den entsprechenden Jugendamtsbezirk aus:

Ausbau braucht Geduld

Die zehn größten NRW-Städte teilten dem WDR mit, ihre Betreuungsangebote weiter ausbauen zu wollen. Das benötige allerdings Zeit. Schwierig sei etwa die Suche nach geeigneten Grundstücken.

Zudem sei die Baubranche mit anderen Aufträgen ausgelastet. Und wegen des Fachkräftemangels fehle geeignetes Personal.

Stand: 10.05.2019, 06:00

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