In Nordrhein-Westfalen fehlen Kinderärzte

Eine Ärztin schaut einem Mädchen in den Mund (Foto: dpa)

In Nordrhein-Westfalen fehlen Kinderärzte

Von Nina Giaramita

  • In NRW werden immer mehr Kinder geboren
  • Viele Regionen leiden jedoch unter Kinderärztemangel
  • Bedarfsplanung wird reformiert

Es sind im Grunde gute Nachrichten: In NRW - und auch bundesweit - kommen wieder deutlich mehr Kinder zur Welt. Im Jahr 2016 brachten laut IT.NRW 15,6 Prozent mehr Frauen als noch vor fünf Jahren Kinder zur Welt. Damit setzt sich allmählich eine deutliche Trendumkehr bei der Geburtenrate durch.

Doch die Kinderarztpraxen im Land sind inzwischen oftmals überlastet. Immer öfter verhängen Kinderärzte für ihre Praxen einen Aufnahmestopp. Neugeborene werden noch versorgt; Kinder, die wenige Wochen älter sind, haben jedoch schon weit schlechtere Karten.

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WDR 2 | 09.11.2017 | 03:12 Min.

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"Vor dieser Entwicklung warnen wir schon seit mehreren Jahren", sagt Edwin Ackermann. Der Mediziner hat eine Praxis in Tönisvorst und gehört dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte an. Seine Praxis im Kreis Viersen besteht schon seit 30 Jahren.

Immer höherer Arbeitsaufwand

Im Verlauf der Jahrzehnte hat der Kinderarzt feststellen können, dass der Arbeitsaufwand immer höher wird: "Es gibt inzwischen deutlich mehr Vorsorgeuntersuchungen. Darüber hinaus kommen immer mehr Kinder mit sogenannten psychosozialen Krankheitsbildern wie einer Hyperaktivitätsstörung und anderen Verhaltensauffälligkeiten zu uns. Die Zeit fehlt uns natürlich an anderer Stelle", so Ackermann.

Mehr weibliche Kinderärzte

Nach Angaben des Verbandes gehen zudem rund 25 Prozent der Kinder- und Jugendärzte in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand. Als potentielle Nachfolger rücken vor allem Frauen nach - der Berufsstand hat sich "feminisiert", sagt der Verband der Kinder- und Jugendärzte.

Die Nachrückerinnen bevorzugten jedoch "kalkulierbare Arbeitszeiten", so Ackermann. "Die allermeisten wollen aus nachvollziehbaren Gründen keine 60-Stunden-Woche mehr durcharbeiten." So verteile sich aber immer mehr Arbeit auf immer weniger Köpfe.

Um die Lage zumindest etwas zu entschärfen, muss, so die einhellige Meinung der Mediziner, die gesetzliche Bedarfsplanung angepasst werden. Diese regelt, wie viele Ärzte es in einer Region gibt und wie sie verteilt sind; sie ist seit über 25 Jahren nicht mehr angepasst worden.

Bedarfsplan soll reformiert werden

Tatsächlich soll der Bedarfsplan bis 2019 reformiert werden. Ob dann jedoch eine spürbare Besserung eintritt, ist unklar.

Das zeigt das Beispiel im Kreis Kleve. Dort hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein aufgrund der Hilferufe einer Elterninitiative einen "Sonderbedarf" erkannt. Ein zusätzlicher Arzt dürfte sich dort nun ansiedeln, aber auch nach über einem Jahr Suche findet sich keiner.

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Stand: 01.12.2017, 10:02