Ärzte unsicher: Schweigepflicht bei Kindesmissbrauch?

Kind hält sich die Arme schützend vor das Gesicht

Ärzte unsicher: Schweigepflicht bei Kindesmissbrauch?

  • Verschleierung durch ständige Ärztewechsel
  • Ärzteverband fordert Lockerung der Schweigepflicht
  • CDU in NRW stellt Maßnahmenpaket vor

2019 wurden laut der polizeilichen Kriminalstatistik rund 16 Prozent mehr Kinder in NRW körperlich, seelisch und sexuell missbraucht, die Dunkelziffer des Missbrauchs schätzen Experten aber weitaus höher ein.

Manchmal schöpfen Kinderärzte Verdacht - etwa weil sich ihre Patienten auffällig verhalten oder regelmäßig blaue Flecken haben. Falls die Ärzte vermuten, dass die Eltern selbst die Täter sind, sollten sie eigentlich Jugendamt oder Polizei verständigen - doch davor schrecken sie häufig zurück.

Ärzte fürchten Klagen

Viele Kinderärzte sind unsicher, inwieweit sie ihre Schweigepflicht im Ernstfall brechen dürfen. Das hört Christiane Thiele, Landesverbandsvorsitzende im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein und Kinderärztin in Viersen häufig von ihren Kollegen. "Wir dürfen die Schweigepflicht schon brechen, aber es ist gesetzlich weich formuliert." Außerdem hätten ihre Kollegen auch Angst vor Klagen, weil andere bereits verklagt wurden nachdem sie einen falschen Verdacht geäußert hatten.

Einfache, klare und verbindliche Formulierungen fehlen

Vor drei Wochen brachte Thiele das Thema in den Ausschuss Kinderschutz im NRW-Landtag ein. Am Freitag (24.07.2020) hat die CDU mit ersten Vorschlägen reagiert: Zukünftig soll sicher gestellt werden, dass Kinderärzte bei Anzeichen von Misshandlungen rechtssicher die Polizei verständigen können. Auch das Vertuschen durch ständige Artztwechsel soll zukünftig verhindert werden - durch eine Datenbank, auf die alle Kinderärzte Zugriff haben. Letzter Punkt: In bundesweiten Kompetenzzentren sollen sich Kinderärzte anonym eine zweite Meinung bei Spezialisten einholen können.

Bessere Unterstützung für Kinderärzte

Thiele begrüßt die Ideen, einiges gäbe es auch schon, aber eben nicht rechtssicher. Ein Duisburger Kinderarzt hatte die ehrenamtlich betreute Seite www.Riskid.de 2005 gegründet. Dort können Ärzte Namen von Kindern einstellen, bei denen ein Verdacht besteht, damit ein anderer Arzt mit dem gleichen Patienten und dem gleichen Verdacht Kontakt zu ihm aufnehmen kann.

Aber diesen Austausch über eine ehrenamtliche Datenbank trauen sich noch lange nicht alle Kinderärzte in NRW.

Stand: 24.07.2020, 18:34

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