Hohe Zahl von Infektionen bei Kindern: Wohl Folge von Corona-Maßnahmen

Stand: 05.07.2022, 16:00 Uhr

Deutschlandweit müssen gerade deutlich mehr Kinder als gewöhnlich wegen einer Infektion behandelt werden. Grund dafür sind offenbar die Folgen der Corona-Maßnahmen.

In ganz Deutschland werden zurzeit ungewöhnlich viele Infektionen bei Kindern diagnostiziert - viele Magen-Darm-Infekte, aber nicht nur diese. "Wir haben auch viele Kinder mit Atemwegsinfekten, Rhinoviren und Adenoviren, die alten Corona-Viren - das geht durch das ganze Portfolio der Viren", sagte Professor Dominik Schneider, Direktor der Kinderklinik Dortmund dem WDR.

Hohe Infektionszahlen in allen Bundesländern

Leiter der Kinderklinik Professor Dominik Schneider im AKS-Interview

Dominik Schneider.

Die große Infektionswelle sei ungewöhnlich für die Jahreszeit. Während im Sommer in Dortmund etwa 60 bis 70 kleine Patienten auf den Stationen lägen, seien es jetzt 90 bis 100. "Wir haben von der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin eine Taskforce, die das Infektionsgeschehen überwacht. Und wir sehen eigentlich in allen Bundesländern eine hohe Infektionstätigkeit", so Schneider.

Die Abstandsregeln und die Corona-Maßnahmen - zum Beispiel Kita-Schließungen - der letzten zwei Jahre sind offenbar die Ursache für so häufige Infektionen. "Ich glaube, dass das Infektionen sind, die einige kleine Kinder jetzt nachholen, weil sie noch keinen Kontakt zu diesen Viren hatten und nun eine Immunität aufbauen müssen. Und so kommt es zu einer Häufung von Infektionen", so Schneider.

Schon letztes Jahr hohe Infektionszahlen

Schon im vergangenen Sommer und Herbst hatten Ärzte eine für diese Jahreszeiten hohe Infektionszahl bei Kindern festgestellt. Das Robert Koch-Institut hatte etwa von einem starken Anstieg der Krankenhaus-Einweisungen wegen Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) bei Ein- bis Vierjährigen berichtet - weltweit die häufigste Virenart, mit der sich Kleinkinder anstecken.

Jörg Dötsch, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln.

Jörg Dötsch.

Noch kann man in Dortmund die hohen Patientenzahlen stemmen, doch wie es im Herbst aussieht, kann keiner vorhersagen. Professor Jörg Dötsch, DGKJ-Präsident und Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung warnt vor einer starken saisonalen Infektionswelle und damit einer hohen Belastung oder gar Überlastung der Kinderkliniken kommenden Herbst. "Hier müssen wir dringend vorausschauend und auch ganz konkret planen!", sagt Dötsch.

Unter anderem empfiehlt der Expertenrat die Intensivierung der Impfangebote an Schulen und Unterstützung der Kinderkliniken durch pflegeentlastende Berufsgruppen. Im letzten Jahr war es teilweise schwierig, Kinder in Kliniken stationär unterzubringen, weil auch in Kinderkrankenhäusern das Personal oft knapp ist. 

Über dieses Thema berichtete der WDR in der "Aktuellen Stunde" am 4.07.2022.

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