Warum manche Kinder unter 12 jetzt schon geimpft werden

Stand: 13.11.2021, 14:12 Uhr

In Wien startet ab Montag die Impfung von fünf- bis elfjährigen Kindern, obwohl die europäische Zulassung noch fehlt. Auch in NRW gibt es einen Kinderarzt, der vereinzelt Kinder impft.

Von Lena Sterz

Die Familien, die zu Kinderarzt Burkhard Lawrenz nach Arnsberg kommen, kommen von weit her, um sich einen Piks abzuholen. Aus der Nähe von Frankfurt und Düsseldorf seien Familien mit chronisch kranken Kindern zwischen fünf und elf Jahren zu ihm schon angereist, erzählt Lawrenz.

"Der erste unter Zwölfjährige, den ich gegen Corona geimpft habe, brauchte bei früheren Atemwegsinfekten schon mehrmals Sauerstoff. Die Eltern hatten große Angst, dass es bei einer Corona-Infektion noch schlimmer werden könnte," sagt Lawrenz. Die Eltern hatten den Jungen bis zur Impfung monatelang nicht zur Schule gelassen und vollständig abgeschirmt.

Es sind Einzelfälle, in denen Burkhard Lawrenz in seiner Praxis in Arnsberg impft, insgesamt nicht mehr als zehn Kinder bislang, aber jedes von ihnen bringt ein besonderes Schicksal mit. "Nächste Woche impfe ich zwei Geschwister zwischen fünf und elf Jahren, deren Mutter Brustkrebs hat. Die haben natürlich große Angst um ihre Mutter."

Durch die Chemotherapie ist nicht klar, wie gut die Impfung bei ihrer Mutter wirkt, deshalb hat sich die Familie entschieden, die Geschwister Off-Label impfen zu lassen. Kinderarzt Lawrenz aus Arnsberg impft Off-Label. Das gibt es in der Medizin häufiger, wenn Medikamente zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, für die sie eigentlich nicht erfunden oder zugelassen wurden.

Kinder- und Jugendärzteverband rät von Off-Label-Impfungen ab

Christiane Thiele, Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein, rät allen Kinder- und Jugendärzten von Off-Label-Impfungen ab. "Sowohl aus haftungsrechtlichen Gründen als auch aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Nachweis eines positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis zugunsten der Impfung so junger Kinder."

Als erste Region in der EU will Wien ab Montag mit der Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren beginnen. Geplant sind zunächst 200 Kinder-Impfungen pro Tag, die ab kommenden Montag in einer extra für Kinder eingerichteten Impfstraße durchgeführt werden sollen.

Zulassung wird zum Jahreswechsel erwartet

In Österreich ist auch noch kein Impfstoff offiziell für Fünf- bis Elfjährige zugelassen, auch hier gelten eigentlich die Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelagentur. Mit der Zulassung des Biontech-Impfstoffs wird zum Jahreswechsel gerechnet, auch in Deutschland.

Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne forderte heute mehr Tempo: "Ich appelliere an die Europäische Arzneimittelagentur, die Zulassung des Impfstoffs für Kinder mit hoher Priorität zu bearbeiten, und bitte die Ständige Impfkommission, zügig die Daten für diese Alterskohorte zu prüfen, damit es möglichst bald zu einer Entscheidung über eine mögliche Empfehlung kommen kann", sagte der SPD-Politiker und Vater von vier Kindern der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Fraglich ist, ob es dann schnell genug Impfstoff für alle Kinder geben wird - schon jetzt ist der Impfstoff für die Booster-Impfungen von älteren Menschen an vielen Orten knapp. Unter Zwölfjährige brauchen jedoch nur ein Drittel des Erwachsenen Impfstoffs von Biontech.

Ende der Maskenpflicht an Schulen: "Wieso nicht warten?" WDR 5 Morgenecho - Kommentar 29.10.2021 02:48 Min. Verfügbar bis 29.10.2022 WDR 5 Von Lena Sterz

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