Verfrühte Erkältungswelle: Vor allem Kinder sind häufiger krank

Verfrühte Erkältungswelle: Vor allem Kinder sind häufiger krank

Viele Kinder holen aktuell Erkältungen nach, die sie aufgrund der Corona-Maßnahmen gar nicht erst bekommen haben. Das führt zu einer Welle an Atemwegserkrankungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen für alle Eltern im Westen.

Die Corona-Maßnahmen haben im vergangenen Jahr viele Erkältungen verhindert. Durch Lockdown, Masken, Abstands- und Hygieneregeln hatten Erkältungserreger und Grippeviren kaum eine Chance. Jetzt sind sie zurück. Das Robert Koch-Institut (RKI) registriert ungewöhnlich viele Atemwegsinfektionen – vor allem bei Kindern. Dazu hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was sind das für Infektionen?

Nicht Corona, sondern sogenannte Respiratorische Synzytial-Viren (RSV) führen vor allem bei Kleinkindern zu schweren Atemwegsinfekten. Für Ein- bis Vierjährige registriert das RKI auffallend viele Krankenhauseinweisungen. Waren es in den Jahren vor der Pandemie im September rund 60 bis 70 Fälle pro Woche, sind es aktuell doppelt so viele. Mediziner rechnen damit, dass die Zahlen weiter steigen. Gleichzeitig fehlen den Kinderkliniken freie Betten und die eigentliche Grippewelle stehe noch bevor.

"Noch nie waren es so früh so viele Infektionen." Axel Gerschlauer,
Kinder- und Jugendarzt
Kinderarzt Axel Gerschlauer im Skypegespräch

Kinderarzt Axel Gerschlauer

Auch andere Atemwegserkrankungen würden vermehrt auftreten, sagt der Bonner Kinder- und Jugendarzt und Sprecher des Berufsverbandes Nordrhein, Axel Gerschlauer: "Wir haben wahnsinnig hohe Fallzahlen, seit Mitte August schon." Etwas Vergleichbares habe er in seinen 15 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt. "Noch nie waren es so früh so viele Infektionen", sagt er. Bei den Kindern habe die Erkältungswelle etwa sechs Wochen früher als üblich eingesetzt. Mediziner sprechen von einem Nachholeffekt durch Corona.

Wie hängt das mit Corona zusammen?

Pandemiebedingt hat es im letzten Jahr kaum Erkältungen gegeben. Kitas und Schulen waren über Wochen zu, die typische Erkältungswelle ist ausgeblieben. Dadurch bedingt wurde unser Immunsystem nicht gefordert. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen macht sich das jetzt bemerkbar, sagt Gerschlauer: "Anders als bei Erwachsenen muss sich das Immunsystem von Kindern noch entwickeln. Wird das Immunsystem nicht gefordert, nimmt der Schutz ab." Dadurch hätten RSV und andere Erreger gerade leichtes Spiel. Für die Gesundheit der Kinder sei es deshalb wichtig, dass es unter allen Umständen keinen Lockdown mehr im Bildungssystem gibt. Gerschlauer ist sich sicher: "Kita- und Schulschließungen greifen die psychische und physische Gesundheit der Kinder an."

Wie sollten Eltern mit Infekten umgehen?

Corona hat uns vorsichtig werden lassen. Doch nicht jeder Infekt ist Grund genug, die Kleinsten direkt zu Hause zu lassen. Kinder- und Jugendarzt Axel Gerschlauer sagt: "Wenn kein Fieber im Spiel ist und der Allgemeinzustand es zulässt, dürfen und sollten Kinder weiter zur Schule und in die Kita gehen." Er rät dazu, sich die Symptome genau anzuschauen und das Kind einen Tag zu Hause zu lassen. Wenn kein Fieber dazu kommt, können die Kinder in den meisten Fällen auch mit einem banalen Infekt in die Schule oder Betreuung gehen. Das Schulministerium hat dafür eigens ein Schaubild als Entscheidungshilfe für die Eltern entwickelt.

Stand: 03.10.2021, 18:05

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