Streunende Katzen in NRW: Kennzeichnung soll Leid lindern

Hund und Katze

Streunende Katzen in NRW: Kennzeichnung soll Leid lindern

Von Susanne Schnabel

  • Kennzeichnung und Registrierung von Katzen und Hunden gefordert
  • Experten informieren bei Fachtagung in Berlin
  • Probleme duch die Zustände in Deutschland

Deutschland ist eines der wenigen Länder der EU, in denen Hunde und Katzen nicht registriert und gekennzeichnet werden müssen. Kein Zustand, finden Experten, die am Mittwoch (06.11.2019) in Berlin tagen.

Dr. Hans-Friedrich Willimzik

Netzwerkleiter Hans-Friedrich Willimzik

"Eine zu geringe Rückvermittlung entlaufener Tiere, hohe Kosten für Tierheime, Risiken für die öffentliche Gesundheit und unsägliches Leid beim Handel mit Welpen" - Hans-Friedrich Willimzik nennt nur einige der Probleme.

Die entstünden, weil es in Deutschland keine Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen gibt. Mit weiteren Experten engagiert sich der Tierschutzbeauftragte des Saarlandes und Leiter des Netzwerks K&R seit 2016 für Lösungen.

Das Netzwerk "Kennzeichnung und Registrierung"

Das Netzwerk "Kennzeichnung und Registrierung (K&R)" ist ein interdisziplinärer Arbeitskreis von Experten unter der Leitung des Landesbeauftragten für Tierschutz des Saarlandes, Dr. Hans-Friedrich Willimzik. Ziel ist die Einführung einer Rechtspflicht zur Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen in Deutschland. Die gravierenden Probleme, wie beispielsweise der illegale Welpenhandel, die stetige Zunahme von Straßenkatzen sowie überfüllte Tierheime, können nach Überzeugung des Netzwerkes nur mit einer eindeutigen europaweit und national vollständigen Rückverfolgbarkeit von Tierhaltern und Heimtieren gelöst werden.

Nur Deutschland und Finnland ohne Regelung

"Leider ignoriert die Bundespolitik unsere Bemühungen. Deutschland hat neben Finnland noch keine nationale Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht, sondern 16 unterschiedliche Landesgesetze", so Willimzik.

EU-Politiker haben bereits 2016 die Einführung grenzüberschreitender Systeme zur Registrierung von Haustieren beschlossen. Auch die Verbraucherschutzministerkonferenz forderte von der Bundesregierung die Umsetzung. Passiert ist nichts.

Zu hohe Kosten?

Gekennzeichneter Hund

Bisher entscheiden Tierbesitzer über die Registrierung

Stellungnahme der CDU/CSU zur Europawahl 2019: "Die verpflichtende Erfassung jedes Hundes und jeder Katze in der EU dürfte mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden sein und den entstehenden Kosten für Staat und Tierhalter kein überzeugender Mehrwert gegenüberstehen."

Kosten und Aufwand für ein solches System seien verschwindend gering, sagt Willimzik. "Und dass der Datenschutz gewährleistet wird, ist selbstverständlich."

Problem der Streuner langfristig lösen

In Deutschland gibt es laut Schätzungen des Tierschutzbundes rund zwei Millionen frei lebende Katzen. "Das sind Nachkommen von nicht kastrierten Hauskatzen oder ausgesetzten Tieren. Viele von ihnen sind krank, unternährt oder verletzt", so der Verein.

"Sie sind nicht mehr in der Lage, sich und ihre Nachkommen vollständig alleine zu versorgen." Bislang gilt in insgesamt 149 Städten und Gemeinden in NRW Kastrationspflicht, aber das reiche nicht.

Streunende Hunde gebe es indes nicht, sagt Ralf Unna aus Köln, Vizepräsident des NRW-Landestierschutzverbandes. Die Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht hält er für sinnvoll.

"Zusätzlich sollten frei lebende Katzen äußerlich sichtbar gekennzeichnet werden", so der Tierarzt. "Eine Kerbe im Ohr hilft, die Tiere schon aus der Ferne als kastriertes Tier von anderen unkastrierten Katzen zu unterscheiden."

Hunde und Katzen: Argumente zur Registrierung und Kennzeichnung

Katze und Hund

Das Netzwerk "Kennzeichnung und Registrierung (K&R)" setzt sich für eine bundesweite Pflicht der Halter zur Kennzeichnung und Registrierung ihrer Hunde und Katzen ein. Auch das ist Thema bei einer Expertentagung am Mittwoch (06.11.2019) in Berlin.

Das Netzwerk "Kennzeichnung und Registrierung (K&R)" setzt sich für eine bundesweite Pflicht der Halter zur Kennzeichnung und Registrierung ihrer Hunde und Katzen ein. Auch das ist Thema bei einer Expertentagung am Mittwoch (06.11.2019) in Berlin.

Hat ein Hund eine übertragbare Krankheit, kann er laut Netzwerk K&R im Falle einer bundesweiten Kennzeichnung und Registrierung zuverlässig als Quelle des Ausbruchs der Krankheit zurückverfolgt werden. So würde das Ansteckungsrisiko für andere Hunde gebannt.

Für Straßenkatzen gilt das ebenfalls - die ansteckenden Katzenkrankheiten werden reduziert. Ein zweiter Effekt ist, dass jeder Hund und jede Katze beim Tierarzt gekennzeichnet werden muss, so dass als Nebeneffekt die medizinisch notwendige Grundversorgung und damit die Gesundheit der Tiere insgesamt verbessert wird.

Tierbesitzer und verloren gegangene Katzen und Hunde finden schneller zueinander. Die Rückverfolgungsmöglichkeit wird den für die Fundtiere belastenden Transport und den Aufenthalt im Tierheim reduzieren.

Wer Böses im Sinn hat, dürfte Probleme bekommen: Mit einer bundeseinheitlichen Kennzeichnung und Registrierung wird der Halter, der ein Tier aussetzt, rasch auffindbar sein. "Dann überlegt man sich gut, ob man ein Tier aussetzt oder überhaupt anschafft", sagt Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Leiter des Netzwerkes K&R.

Willimzik: "Die erhöhte direkte Rückführung der Fundtiere wird Tierheime erheblich entlasten, die ihre Kapazitäten für weitere schutzbedürftige Tiere einsetzen können."

Mehr Transparenz in Rechtsfragen: Da sämtliche Halter die Zugehörigkeit zu ihrem Hund und ihrer Katze dokumentieren müssen, kann ein Halter zuverlässig für Schäden, die sein Haustier verursacht hat, zur Rechenschaft gezogen werden. Umgekehrt muss sich ein Halter, der sein Tier vernachlässigt, misshandelt oder aussetzt, schneller vor dem Gesetz verantworten.

Die obligatorische Kennzeichnung und Registrierung hilft dem Käufer, die Herkunft seines Tieres bei einem Verkaufsangebot festzustellen. "Das ist daher auch eine fundamentale und nachhaltige Maßnahme zur Bekämpfung des illegalen Welpen- bzw. Kittenhandels", sagt Hans-Friedrich Willimzik.

Durch verbesserte Kontrolle von Hund und Halter können sogenannte Beißvorfälle aufgeklärt, gegebenenfalls sanktioniert und auf Dauer vermindert werden.

Stand: 06.11.2019, 06:00

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen