Wie sind die Opferzahlen für NRW einzuordnen?

Symbolbild: Schatten von Personen neben einem Kreuz

Wie sind die Opferzahlen für NRW einzuordnen?

  • Bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vorgestellt
  • In NRW laut Kirchenangaben 935 Betroffene und 451 Beschuldigte
  • Das Bistum Köln meldet überraschend niedrige Zahlen
  • Ein Gespräch mit dem WDR-Religionsredakteur Theo Dierkes

WDR: Neben der bundesweiten Studie wurden heute auch Zahlen aus NRW vorgestellt. Wie bewerten Sie die?

Theodor Dierkes

Theodor Dierkes

Theodor Dierkes: Die fünf Bistümer im Land sprechen zusammen von 935 Betroffenen und von 451 des Missbrauchs beschuldigten Geistlichen. Diese Zahlen beziehen sich auf die Zeit von 1938 bis 2018.

Einige Zahlen aus NRW sind überraschend: Das Erzbistum Köln hat zum Beispiel erstaunlich wenig Fälle gemeldet.

WDR: Wie kommt das?

Dierkes: Köln, das zahlenmäßig größte Bistum in Deutschland, hat mit 87 Beschuldigten im Verhältnis die wenigsten möglichen Täter gemeldet. Ich glaube, dass in Köln weniger Daten angelegt worden sind und dass in Köln sehr lange wenig getan wurde.

Unter Kardinal Meissner hat sich das geändert, aber von Köln vermissen wir dennoch seit vielen Jahren konkretere Zahlen. Andere Bistümer sind da deutlich weiter. Kardinal Woelki hat nun eine eigene Studie angekündigt.

Die Zahlungen an die Opfer waren in Köln übrigens besonders gut, insgesamt rund 620.000 Euro.

WDR: Und wie sieht es in den anderen Bistümern aus?

Dierkes: Münster und Paderborn, beide nur geringfügig kleiner als Köln, melden deutlich höhere Zahlen: In Münster gibt es 138 Beschuldigte und in Paderborn 111. Und Münster hat auch an die Opfer am allermeisten bezahlt, nämlich fast eine Million Euro.

WDR: Das heißt die Zahlen zu den Beschuldigten sagen nichts über das Ausmaß des Missbrauchs aus, sondern über den Aufklärungswillen der Bistümer?

Dierkes: So kann man es sagen. Die Autoren der Studie betonen zudem, dass die Zahl von 3.677 Opfern bundesweit nur die allerunterste Grenze sei. Die Summe ist aus Meldungen von Opfern und Aktenstudien entstanden.

WDR: Was muss die katholische Kirche jetzt ändern?

Dierkes: Es muss in der Priesterausbildung deutlich mehr getan werden zum Umgang mit der eigenen Sexualität. Dazu gibt es bislang nur ein Wochenendseminar in der gesamten Ausbildung. Es muss eine klarere Überwachung in den Bistümern geben, auch von Externen. Und man braucht für die Betroffenen Anlaufstellen außerhalb der Kirche.

WDR: Wie haben die Opfer auf die Studie reagiert?

Dierkes: Der Opfer-Vertreter Matthias Katsch sagte, die Studie sei ein guter erster Schritt, aber nun müsse es weiter gehen. Die Betroffenen verlangen jetzt nicht nur eine Anerkennung ihres Leids, sondern eine wirkliche Entschädigung. Man könne nicht mit bundesweit insgesamt fünf Millionen Euro auskommen. Es müsse ähnlich hoch entschädigt werden wie in den USA.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Missbrauch in der Kirche: "Transparenz ist das A und O"

WDR 5 Mittagsecho 24.09.2018 05:00 Min. WDR 5

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Stand: 25.09.2018, 18:45

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