Missbrauch durch Geistliche: Staatsanwälte ermitteln in NRW

Missbrauch durch Geistliche: Staatsanwälte ermitteln in NRW

Von Ingo Neumayer

  • Missbrauch durch Geistliche: Staatsanwaltschaften aktiv
  • NRW-Ermittler sind in Kontakt mit Bistümern
  • Viele Fälle verjährt, Beschuldigte verstorben

Es waren schockierende Zahlen, die die Deutsche Bischofskonferenz am 25. September 2018 vorstellte: 451 des Missbrauchs beschuldigte Geistliche, 935 Betroffene allein in NRW. Laut Landesjustizminister Peter Biesenbach (CDU) nahmen verschiedene Staatsanwaltschaften in Nordrhein-Westfalen die Missbrauchsstudie zum Anlass, die Einleitung von Ermittlungen zu überprüfen.

Sechs Juraprofessoren haben Anzeige wegen Kindesmissbrauchs im Bistum Münster erstattet, die von der Staatsanwaltschaft derzeit geprüft werden. Auch in Köln laufen Ermittlungen.

Diese seien allerdings schon vor der Anzeige durch die Professoren aufgenommen worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag (12.11.2018) dem WDR. Die Ermittler seien diesbezüglich in Kontakt mit dem Erzbistum Köln.

Akten und Unterlagen zur Verfügung

Auch in Paderborn hat die Staatsanwaltschaft Gespräche mit Vertretern des Erzbistums geführt. Es sei vereinbart worden, dass das Erzbistum den Ermittlern Akten und Unterlagen zur Verfügung stellt. Ob Ermittlungen aufgenommen würden, werde geprüft. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bezeichnete das Verhalten des Erzbistums gegenüber dem WDR als "kooperativ".

Im Bistum Essen wurde laut Staatsanwaltschaft noch kein förmliches Verfahren eingeleitet. Allerdings werde es "demnächst" ein Gespräch mit Bistumsvertretern geben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Aachener Staatsanwälte ermitteln seit 2010

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat seit 2010 eine Vereinbarung mit dem Bistum Aachen. Übergriffe, die dem Bistum bekannt würden, seien an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet worden.

Allerdings habe die Mehrheit der Fälle wegen Verjährung oder Tod nicht weiter verfolgt werden können. Lediglich in einem Fall sei ein Geistlicher wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe verurteilt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie habe man die dort erwähnten Fälle mit den bereits bekannten abgeglichen.

Schwerere Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern gelten als "Offizialdelikt", bei dessen Bekanntwerden die Staatsanwaltschaft zur Ermittlung verpflichtet ist. Sie kann dann auch ohne Strafanzeige tätig werden.

Stand: 12.11.2018, 13:12

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