Notfall-App ohne Netz? Test auf Truppenübungsplatz

Optimal für den smarter-Praxistest: Der Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn, ein Gelände ohne Mobilfunknetz.

Notfall-App ohne Netz? Test auf Truppenübungsplatz

Was tun, wenn im Katastrophen-Fall das Internet ausfällt? Das wurde auf dem Truppenübungsplatz Senne getestet. Heute wurden die Ergebnisse vorgestellt. Ein Interview:

WDR: Auf dem Truppenübungsplatz bei Paderborn haben Sie eine Notfall-App getestet, die auch funktionieren soll, wenn das Netz ausfällt. Was kam beim Test raus?

Dr. Jutta Helmerichs

Jutta Helmerichs vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz

Jutta Helmerichs (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn): Das war ein Test mit 125 teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger, die keine Vorerfahrung im Bereich Katastrophenübung hatten. Sie haben die App in verschiedenen Szenarien ausprobiert. Das Ergebnis ist eine hohe Akzeptanz. Die Teilnehmenden haben uns rückgemeldet, dass sie die Bedienbarkeit und Menüführung positiv fanden. Sie fanden auch die verfügbaren Funktionen für eine mögliche Katastrophensituation passend. 70 Prozent haben auch angegeben, dass sie sich die App auf ihr Handy laden würden, um für eine Katastrophen-Situation gewappnet zu sein.

WDR: Wie steht es mit der Technik?

Helmerichs: Die technische Machbarkeit der "Smarter"-App ist bei diesem Feldversuch ebenfalls gezeigt worden. Es ist also technisch machbar, trotz Netzausfall weiter über Handys zu kommunizieren.

WDR: Was muss bis zur Marktreife noch geschehen?

Helmerichs: Das ist noch ein längerer Weg. Hier müssen Wissenschaft, Politik und die Handyanbieter weiter zusammenarbeiten. Vor allem brauchen wir jetzt im politischen Raum die Gespräche darüber, dass die Förderung der Selbsthilfe-Fähigkeit ein Gut ist, das es zu unterstützen lohnt.

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WDR 2 | 06.09.2017 | 01:56 Min.

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WDR: Welche Schwierigkeiten gibt es noch?

Helmerichs: Es muss Geld in die Hand genommen werden, um diesen Weg gemeinsam zu gehen. Es muss gleichzeitig eine Übereinstimmung da sein, dass die verschiedenen Akteure die Machbarkeit in die Marktreife umsetzen.

Die technische Frage ist gelöst. Auch die datenrechtliche Hürde ist juristisch keine große Hürde – dabei geht es um die Sicherheitsabfrage, ob die Handy-Besitzer untereinander tatsächlich verbunden werden wollen. Es geht darum, die Relevanz dieses Themas zu bewerben.

WDR: Gibt es dabei Probleme?

Helmerichs: Das ist immer ein bisschen schwierig. Deutschland ist ein katastrophenarmes Land, daher können sich die meisten politisch Verantwortlichen die Anlässen nicht vorstellen. Hier müssen wir die Politik noch stärker an den Tisch bekommen.

WDR: Wie realistisch ist ein Netzausfall?

Helmerichs: Wir haben mit dem Klimawandel natürlich auch zunehmend mit klimabedingten Katastrophen-Situationen zu tun. Denken Sie an zunehmenden Hochwasser- und Starkregen-Ereignisse. Was auch zu einem Netzausfall führen kann, ist die Cyber-Kriminalität.

Das Interview führte Dominik Reinle.

Stand: 30.01.2018, 14:54