Karnevalssession eröffnet: 11.11. zwischen jeckem Feiern und Corona-Sorge

Karnevalssession eröffnet: 11.11. zwischen jeckem Feiern und Corona-Sorge

Von Jörn Kießler

Nachdem die Eröffnung der Karnevalssession im vergangenen Jahr quasi ausfiel, wollten die Jecken am 11.11. Straßen und Kneipen in NRW zurück erobern. Corona machte dieses Unterfangen aber nicht ganz leicht.

Die Kölner Polizei war bis in die frühen Morgenstunden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Zahl der Strafanzeigen und Festnahmen war jedoch deutlich geringer als zum Karnevalsauftakt vor der Corona-Pandemie. Besucher der Feierzonen kritisierten, dass die 2G-Kontrollen nicht streng genug gewesen und zeitweise nur stichprobenartig durchgeführt worden seien.

In der Düsseldorfer Altstadt blieb es laut Polizei bis zum Abend friedlich. Bei den Kontrollen in den Kneipen gab es laut Ordnungsamt kaum Verstöße gegen die Corona-Regeln. Auch aus anderen NRW-Städten hieß es, der Karnevalsauftakt sei ruhig verlaufen, so etwa in Rietberg, Essen, Neuss und Bonn. Die meisten Narren hätten die Kontrollen der Corona-Auflagen begrüßt.

Es wurde wieder gefeiert am Elften im Elften

Dass die Sessionseröffnung so glatt gehen würde, hätte wohl manch einer nicht vermutet, als um 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit in den Karnevalshochburgen offiziell eingeläutet wurde und die Jecken die Straßen von Köln, Düsseldorf, Bonn und Co. eroberten

Karneval trotz Corona: Köln startet in die fünfte Jahreszeit

Mit 2G-Regel und Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt starten die Kölner Jecken in die neue Karnevalssession.

Jecken feiern den Auftakt der Karnevalssession auf dem Heumarkt.

Tausende Jecken haben in Köln den Auftakt der Karnevalssession gefeiert. Vor der Hauptbühne am Heumarkt versammelten sich hunderte Verkleidete, um bei kölschen Karnevalsliedern in die fünfte Jahreszeit zu starten.

Tausende Jecken haben in Köln den Auftakt der Karnevalssession gefeiert. Vor der Hauptbühne am Heumarkt versammelten sich hunderte Verkleidete, um bei kölschen Karnevalsliedern in die fünfte Jahreszeit zu starten.

Es war der Moment, auf den tausende Kölner Jecken gewartet haben. Denn trotz Inzidenzen, die höher liegen als im vergangenen Jahr, soll in diesem Jahr wieder gefeiert werden.

Und das es wurde auch. Zur traditionellen Sessionseröffnung am Heumarkt drängten sich hunderte Jecken dicht an dicht vor der Bühne.

Und bekamen trotz winterlicher Temperaturen ordentlich von den Karnevalsbands eingeheizt.

Um dafür trotz Pandemie einen zumindest einigermaßen verantwortungsvollen Rahmen zu bieten, hatten die Stadt und das Festkomitee Kölner Karneval beschlossen, die Karnevalshotspots Altstadt und Zülpicher Viertel abzusperren und dort nur Genesenen und Geimpften den Zugang zu gestatten.

Ohne Impf- oder Genesenen-Nachweis, wie ihn dieser Jeck vorzeigt, ging also nicht viel.

Auch an den Kölner Kneipen wurde die 2G-Regel kontrolliert – so wie hier am Gaffel-Brauhaus nahe dem Dom.

Der Andrang wurde dadurch jedoch nicht gemindert. Schon vor neun Uhr hatte sich dort eine Schlange gebildet, die bis um den Block ging.

Gleichzeitig setzten viele Jecken, so wie diese als Clown verkleidete Karnevalistin, weiterhin auf individuellen Schutz für sich, aber auch ihre Mitmenschen und trugen Masken.

Oder beobachteten das bunte Treiben aus sicherer Entfernung vom Balkon aus. Natürlich trotzdem verkleidet

Andere ließen auch ohne Maske ihren Karnevalsgefühlen freien Lauf und sangen und schunkelten, was das Zeug hielt.

Auch auf der Zülpicher Straße wurde ausgelassen gefeiert - und trotz Corona gebützt.

An Abstandsregeln war ohnehin nicht zu denken.

Am Nachmittag wurde es sogar so voll, dass die Stadt die Zugänge zur Zülpicher Straße zeitweise abriegeln musste, damit nicht noch mehr Jecken in diesen Bereich strömten.

Natürlich hatte auch die Polizei an diesem 11.11. auch wieder ein Auge auf die Feiernden, so wie diese drei Beamten vor dem Kölner Hauptbahnhof.

Die Jecken scheint das nicht zu stören – genauso wenig wie die niedrigen Temperaturen. In aufeinander abgestimmten Kostümen tummelten sich schon vor 11.11 Uhr zahlreiche Gruppen - wie diese Schwäne - in der Altstadt.

Vollkommen unbeeindruckt davon zeigen sich diese vier Jecken, die sich als Lutschbonons "Nimm4" verkleidet haben. Bei entsprechend guter Laune reicht offenbar auch ein Tutu, um richtig Straßenkarneval zu feiern.

Etwas besser gegen die Kälte geschützt waren diese vier Cruella de Vils aus dem Disneyfilm "101 Dalmatiner". Sie trugen zumindest Strumpfhosen unter ihren Röcken.

Man weiß nicht ob Zufall oder gewollt, aber diese Damen hatten sogar farblich zu ihren Kostümen passende Daunenjacken. Chapeau!

Mit noch mehr Klamottenschichten, Kölsch und Gottes Beistand feiert diese Gruppe "Nonnen" den Auftakt der Karnevalssession.

Auch dieses Bild hat Seltenheitswert, denn normalerweise wird der Karnevalsauftakt im "Wirtz" in der Kölner Südstadt ausgelassen gefeiert. Dieses Jahr hat sich der Kneipenwirt aber schweren Herzens dagegen entschieden. Um seine Gäste und Mitarbeiter nicht der Gefahr einer Coronainfektion auszusetzen, blieb das "Wirtz" zu.

Es war der Moment, den viele Karnevalisten seit dem vergangenen Jahr kaum erwarten konnten. Damals war die Sessionseröffnung, so wie man sie eigentlich kennt, ausgefallen: Kein Bühnenprogramm, keine Umzüge und keine Schlüsselübergaben an den Rathäusern.

Helau in der Pandemie: Düsseldorf feiert Hoppeditz-Erwachen

Trotz hoher Corona-Zahlen: Düsseldorf feiert das Leben und mit Hoppeditz-Erwachen vor allem den Beginn der fünften Jahrezeit.

Jecken beim Auftakt der Karnevalssession in Düsseldorf.

Auch in Düsseldorf wurde der 11.11. sehnlichst von den Jecken erwartet. Wie sehr sie sich auf Hoppeditz Erwachen gefreut haben, zeigt das Strahlen dieser Damen der Düsseldorfer Prinzengarde Blau-Weiss.

Auch in Düsseldorf wurde der 11.11. sehnlichst von den Jecken erwartet. Wie sehr sie sich auf Hoppeditz Erwachen gefreut haben, zeigt das Strahlen dieser Damen der Düsseldorfer Prinzengarde Blau-Weiss.

Aber auch die Unterrather Funken Blau-Gelb fanden ihren Weg in die Altstadt.

Genau wie diese drei "Dominosteine", die von den Augenzahlen auf ihren Kostümen her eigentlich gar nicht zusammen unterwegs sein dürften.

Belohnt wurden die Jecken mit herrlichem Sonnenschein vor der Kulisse des Rathauses. Das animierte unter anderem diese Gardisten zu einer spontanen Hebefigur.

Ohnehin ging es auf dem Marktplatz vor dem Rathaus wieder sehr traditionell zu. Dort tummelten sich hunderte Mitglieder der unterschiedlichen Karnevalsgarden. Hier die Karnevalsfreunde der katholischen Jugend.

Aber auch die Düsseldorfer Bürgerwehr, das älteste uniformierte Korps der Stadt, marschierte vor dem Rathaus auf.

Ebenfalls nicht fehlen durften die Karnevalsgesellschaft Regenbogen, hier der Präsident Andreas Mauska.

Aber auch ein paar Ritter und Burgfrauen verliefen sich zum Feiern in die Düsseldorfer Altstadt.

Und so wurde es voll und vor allem sehr bunt vor dem Rathaus.

Dieses Spektakel ließ sich natürlich auch nicht Oberbürgermeister Stephan Keller (r.) entgehen, der vom Balkon des Rathauses zuschaute.

Von dort aus hatte er einen guten Blick auf das Erwachen des Hoppeditz, mit dessen alljährlichen Erscheinen die Karnevalssession in Düsseldorf eingeläutet wird.

Und Hoppeditz zeigte dann auch direkt einmal, was er von der persönlich vom Coronavirus hält.

Trotz dieser nicht unbedingt höflichen Umgangsformen wurde die Narrenfigur von Oberbürgermeister Keller freudig begrüßt.

Nach dem vergangenen Jahr, in dem der Straßen- und Kneipenkarneval quasi ausgefallen war, war der Empfang, den die Düsseldorfer Hoppeditz bereiteten ohnehin um so herzlicher.

Am Morgen hatte sich der Marktplatz vor dem Düsseldorfer Rathaus zunächst nur langsam gefüllt. Das war einerseits sicher den niedrigen Temperaturen geschuldet.

Andererseits aber auch den Einlasskontrollen. Denn auch in Düsseldorf gilt für die Sessionseröffnung die 2G-Regel. Nur Genesene und Geimpfte dürfen vor dem Rathaus mitfeiern.

In den Kneipen sind die Regeln dann noch einmal strenger, wie dieser mit Hinweisschildern plakatierte Eingang beweist.

Doch das konnte die Jecken nicht aus der Altstadt fern halten. Mit warmen Klamotten und guter Laune feierten sie trotz Corona-Beschränkungen.

Das sollte dieses Jahr anders werden – trotz steigender Coronazahlen und einer Sieben-Tage-Inzidenz, die laut RKI in NRW derzeit bei 154,3 liegt. Dazu kommt, dass ausgerechnet in den Karnevalshochburgen die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner besonders hoch ist.

Eine NRW-Karte zeigt die Sieben-Tage-Inzidenzen am 11.11.  in den Karnevalshochburgen Köln (212,5), Düsseldorf (178,9), Aachen (175,3) und Bonn (120,4).

In Köln wurde am 11.11. ein Wert von 212,5 verzeichnet, in Düsseldorf 178,9 und in Aachen 175,3. Nur in Bonn lag die Inzidenz mit 120,4 unter dem Landesdurchschnitt.

Kölner Prinz positiv getestet

Das Kölner Dreigestirn der Session 2021/2022

Prinz Sven I. (Sven Oleff), Bauer Gereon (Gereon Glasemacher) und Jungfrau Gerdemie (Dr. Bjoern Braun).

Am Abend vor der Sessionseröffnung sorgte noch eine Nachricht aus Köln für einen echten Stimmungsdämpfer: Sven Oleff, designierter Prinz im Kölner Dreigestirn, hat sich mit Corona infiziert und konnte nicht an den Feiern zum 11.11. teilnehmen. Bauer Gereon Glasemacher und Jungfrau Björn Braun wurden zwar negativ getestet, teilte das Festkomitee mit. Weil sich das Dreigestirn aber mehrmals getroffen habe, fielen auch sie zum Sessionsauftakt aus.

"Ich muss nicht betonen, wie traurig ich bin, nicht mit den kölschen Jecken in die Session starten zu können", erklärte Sven Oleff. "Aber Sicherheit geht vor - auch und gerade im Karneval. Deswegen mein Appell an alle Kölner: Lasst Euch impfen!"

Aber nicht nur in Köln mussten die Jecken umdisponieren. Auch die Stadt Kaarst sagte das Hoppeditz-Erwachen heute Morgen kurzfristig ab. "Für die Kaarster Jecken tut es mir wirklich leid. Aber wir müssen immer im Sinne der gesamten Stadt entscheiden", sagte Bürgermeisterin Ursula Baum. "Trotz 2G gibt es beim Schunkeln und Singen keine Garantien."

Ausgelassene Stimmung vor allem in Köln

Der Auftakt der Karnevalssession auf dem Heumarkt.

Hunderte Jecken drängten sich am Kölner Heumarkt.

Diese Bedenken gab es in Köln offenbar weniger. Trotz Coronamaßnahmen, Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen feierten tausende Jecken den Karnevalsauftakt. Zur traditionellen Eröffnung der Kölner Karnevalssession am Heumarkt war es vor der Bühne rappelvoll.

Karneval auf der Zülpicher

Menschenmassen am 11.11.2021 auf Zülpicher Straße in Köln.

Und auch auf der Zülpicher Straße drängten sich Feierwütige bereits am Vormittag dicht an dicht. Ein Anblick, der in Zeiten einer weltweiten Pandemie bei so manch einem nur Unverständnis auslöste. Am Nachmittag wurden es sogar noch mehr Jecken, sodass die Stadt die Zugänge zur Zülpicher Straße gegen 15 Uhr vorübergehend schließen musste.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Lauterbach rät zum Feiern in unter freiem Himmel

Umso überraschender riet Epidemiologe und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) auf Twitter lediglich vom Feiern in Innenräumen ab: "Diesmal feiern wir Karneval draussen."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Oberbürgermeister rufen zu Vorsicht auf

Auftakt der Karnevalssession auf dem Heumarkt.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte bereits am Morgen gegenüber der dpa erklärt: "Uns allen ist bewusst, dass es keine absolute Sicherheit geben kann." Jeder und jede müsse am Ende für sich entscheiden, ob und wie der 11.11. begangen werden solle.

"Persönlich empfehle ich ein Feiern an der frischen Luft." Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Köln

Gleichzeitig verteidigte die Kölner Oberbürgermeisterin die Entscheidung, den Karnevalsauftakt trotz hoher Inzidenzen stattfinden zu lassen. "Was wäre denn, wenn wir gesagt hätten: Wir machen das wie im vorigen Jahr, es wird kein Karneval gefeiert", sagte Reker am Donnerstag. "Ich bin der festen Überzeugung, das wäre uns in diesem Jahr nicht gelungen." Es gebe sehr viele Menschen, die sich den 11.11. nicht mehr einfach verbieten lassen würden, weil er in Köln zum Brauchtum gehöre.

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) rief in dem wöchentlich auf YouTube erscheinenden Format "Corona aktuell" die Jecken dazu auf, auf sich und alle anderen aufzupassen. Der Sessionsauftakt wurde auch in der Landeshauptstadt heftig gefeiert: Auf dem Düsseldorfer Marktplatz vor dem Rathaus tummelten sich zahlreiche Jecken, die das Hoppeditz-Erwachen miterleben wollen.

Land verschärft Corona-Regeln pünktlich zu Karneval

Grundsätzlich gilt seit Mittwoch die neuen Corona-Schutzverordnung. Darin ist festgelegt, dass jeder, der an "Karnevalsveranstaltungen und vergleichbaren Brauchtumsveranstaltungen mit Mitsingen, Schunkeln oder Tanzen in Innenräumen" teilnehmen will und nicht geimpft oder genesen ist, einen höchstens 24 Stunden alten PCR-Test oder maximal sechs Stunden alten, offiziell bestätigten Schnelltest nachweisen können muss.

Zudem hatten Städte wie Köln, Düsseldorf oder Bonn in diesem Jahr strengen Sicherheitskonzepte entwickelt, nach denen gefeiert werden sollte. Deren Einhaltung sollte nach Aussagen der Städte und Veranstalter auch genau kontrolliert werden.

Manch einem Wirt reichten diese Vorkehrungen jedoch nicht aus. In Köln kündigten mehrere Kneipenbetreiber bereits im Vorfeld an, am 11.11. nicht zu öffnen. Die Gefahr, dass sich Mitarbeiter und Gäste mit Covid-19 infizieren könnten, sei zu hoch.

Corona im Karneval allgegenwärtig

Dass das Coronavirus in diesem Jahr den Karneval in NRW weiterhin fest im Griff hat, zeigt sich auch an den Mottos der Karnevalsvereine.

In Köln hofft man unter den Slogan "Alles hät sing Zick" (Alles hat seine Zeit) darauf, dass endlich wieder gefeiert werden kann. In der Landeshauptstadt will man nicht nur Karneval feiern, das Comitee Düsseldorfer Carneval hat direkt das Motto "Wir feiern das Leben" herausgegeben.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Das Bonner Motto klingt mit "Jeck jeht net weg" fast ein bisschen trotzig. Und die Aachener Jecken stellten ihr Motto "Vür hant et fiere net verliert" (Wir haben das Feiern nicht verlernt) sogar schon am vergangenen Sonntag unter Beweis – mit einer vorgezogenen Sessionseröffnung unter 3G-Auflagen.

Stand: 12.11.2021, 06:32

Aktuelle TV-Sendungen