Karnevalssession eröffnet: 11.11. zwischen jeckem Feiern und Corona-Sorge

Stand: 12.11.2021, 06:32 Uhr

Nachdem die Eröffnung der Karnevalssession im vergangenen Jahr quasi ausfiel, wollten die Jecken am 11.11. Straßen und Kneipen in NRW zurück erobern. Corona machte dieses Unterfangen aber nicht ganz leicht.

Von Jörn Kießler

Die Kölner Polizei war bis in die frühen Morgenstunden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Zahl der Strafanzeigen und Festnahmen war jedoch deutlich geringer als zum Karnevalsauftakt vor der Corona-Pandemie. Besucher der Feierzonen kritisierten, dass die 2G-Kontrollen nicht streng genug gewesen und zeitweise nur stichprobenartig durchgeführt worden seien.

In der Düsseldorfer Altstadt blieb es laut Polizei bis zum Abend friedlich. Bei den Kontrollen in den Kneipen gab es laut Ordnungsamt kaum Verstöße gegen die Corona-Regeln. Auch aus anderen NRW-Städten hieß es, der Karnevalsauftakt sei ruhig verlaufen, so etwa in Rietberg, Essen, Neuss und Bonn. Die meisten Narren hätten die Kontrollen der Corona-Auflagen begrüßt.

Es wurde wieder gefeiert am Elften im Elften

Dass die Sessionseröffnung so glatt gehen würde, hätte wohl manch einer nicht vermutet, als um 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit in den Karnevalshochburgen offiziell eingeläutet wurde und die Jecken die Straßen von Köln, Düsseldorf, Bonn und Co. eroberten

Es war der Moment, den viele Karnevalisten seit dem vergangenen Jahr kaum erwarten konnten. Damals war die Sessionseröffnung, so wie man sie eigentlich kennt, ausgefallen: Kein Bühnenprogramm, keine Umzüge und keine Schlüsselübergaben an den Rathäusern.

Das sollte dieses Jahr anders werden – trotz steigender Coronazahlen und einer Sieben-Tage-Inzidenz, die laut RKI in NRW derzeit bei 154,3 liegt. Dazu kommt, dass ausgerechnet in den Karnevalshochburgen die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner besonders hoch ist.

Eine NRW-Karte zeigt die Sieben-Tage-Inzidenzen am 11.11. in den Karnevalshochburgen Köln (212,5), Düsseldorf (178,9), Aachen (175,3) und Bonn (120,4). | Bildquelle: WDR

In Köln wurde am 11.11. ein Wert von 212,5 verzeichnet, in Düsseldorf 178,9 und in Aachen 175,3. Nur in Bonn lag die Inzidenz mit 120,4 unter dem Landesdurchschnitt.

Kölner Prinz positiv getestet

Prinz Sven I. (Sven Oleff), Bauer Gereon (Gereon Glasemacher) und Jungfrau Gerdemie (Dr. Bjoern Braun). | Bildquelle: WDR/ddp/Jens Krick

Am Abend vor der Sessionseröffnung sorgte noch eine Nachricht aus Köln für einen echten Stimmungsdämpfer: Sven Oleff, designierter Prinz im Kölner Dreigestirn, hat sich mit Corona infiziert und konnte nicht an den Feiern zum 11.11. teilnehmen. Bauer Gereon Glasemacher und Jungfrau Björn Braun wurden zwar negativ getestet, teilte das Festkomitee mit. Weil sich das Dreigestirn aber mehrmals getroffen habe, fielen auch sie zum Sessionsauftakt aus.

"Ich muss nicht betonen, wie traurig ich bin, nicht mit den kölschen Jecken in die Session starten zu können", erklärte Sven Oleff. "Aber Sicherheit geht vor - auch und gerade im Karneval. Deswegen mein Appell an alle Kölner: Lasst Euch impfen!"

Aber nicht nur in Köln mussten die Jecken umdisponieren. Auch die Stadt Kaarst sagte das Hoppeditz-Erwachen heute Morgen kurzfristig ab. "Für die Kaarster Jecken tut es mir wirklich leid. Aber wir müssen immer im Sinne der gesamten Stadt entscheiden", sagte Bürgermeisterin Ursula Baum. "Trotz 2G gibt es beim Schunkeln und Singen keine Garantien."

Ausgelassene Stimmung vor allem in Köln

Hunderte Jecken drängten sich am Kölner Heumarkt. | Bildquelle: WDR/Jan Knoff

Diese Bedenken gab es in Köln offenbar weniger. Trotz Coronamaßnahmen, Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen feierten tausende Jecken den Karnevalsauftakt. Zur traditionellen Eröffnung der Kölner Karnevalssession am Heumarkt war es vor der Bühne rappelvoll.

Menschenmassen am 11.11.2021 auf Zülpicher Straße in Köln. | Bildquelle: WDR/Jan Knoff

Und auch auf der Zülpicher Straße drängten sich Feierwütige bereits am Vormittag dicht an dicht. Ein Anblick, der in Zeiten einer weltweiten Pandemie bei so manch einem nur Unverständnis auslöste. Am Nachmittag wurden es sogar noch mehr Jecken, sodass die Stadt die Zugänge zur Zülpicher Straße gegen 15 Uhr vorübergehend schließen musste.

Lauterbach rät zum Feiern in unter freiem Himmel

Umso überraschender riet Epidemiologe und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) auf Twitter lediglich vom Feiern in Innenräumen ab: "Diesmal feiern wir Karneval draussen."

Oberbürgermeister rufen zu Vorsicht auf

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker | Bildquelle: WDR/Jan Knoff

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte bereits am Morgen gegenüber der dpa erklärt: "Uns allen ist bewusst, dass es keine absolute Sicherheit geben kann." Jeder und jede müsse am Ende für sich entscheiden, ob und wie der 11.11. begangen werden solle.

"Persönlich empfehle ich ein Feiern an der frischen Luft." Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Köln

Gleichzeitig verteidigte die Kölner Oberbürgermeisterin die Entscheidung, den Karnevalsauftakt trotz hoher Inzidenzen stattfinden zu lassen. "Was wäre denn, wenn wir gesagt hätten: Wir machen das wie im vorigen Jahr, es wird kein Karneval gefeiert", sagte Reker am Donnerstag. "Ich bin der festen Überzeugung, das wäre uns in diesem Jahr nicht gelungen." Es gebe sehr viele Menschen, die sich den 11.11. nicht mehr einfach verbieten lassen würden, weil er in Köln zum Brauchtum gehöre.

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) rief in dem wöchentlich auf YouTube erscheinenden Format "Corona aktuell" die Jecken dazu auf, auf sich und alle anderen aufzupassen. Der Sessionsauftakt wurde auch in der Landeshauptstadt heftig gefeiert: Auf dem Düsseldorfer Marktplatz vor dem Rathaus tummelten sich zahlreiche Jecken, die das Hoppeditz-Erwachen miterleben wollen.

Land verschärft Corona-Regeln pünktlich zu Karneval

Grundsätzlich gilt seit Mittwoch die neuen Corona-Schutzverordnung. Darin ist festgelegt, dass jeder, der an "Karnevalsveranstaltungen und vergleichbaren Brauchtumsveranstaltungen mit Mitsingen, Schunkeln oder Tanzen in Innenräumen" teilnehmen will und nicht geimpft oder genesen ist, einen höchstens 24 Stunden alten PCR-Test oder maximal sechs Stunden alten, offiziell bestätigten Schnelltest nachweisen können muss.

Zudem hatten Städte wie Köln, Düsseldorf oder Bonn in diesem Jahr strengen Sicherheitskonzepte entwickelt, nach denen gefeiert werden sollte. Deren Einhaltung sollte nach Aussagen der Städte und Veranstalter auch genau kontrolliert werden.

Manch einem Wirt reichten diese Vorkehrungen jedoch nicht aus. In Köln kündigten mehrere Kneipenbetreiber bereits im Vorfeld an, am 11.11. nicht zu öffnen. Die Gefahr, dass sich Mitarbeiter und Gäste mit Covid-19 infizieren könnten, sei zu hoch.

Corona im Karneval allgegenwärtig

Dass das Coronavirus in diesem Jahr den Karneval in NRW weiterhin fest im Griff hat, zeigt sich auch an den Mottos der Karnevalsvereine.

In Köln hofft man unter den Slogan "Alles hät sing Zick" (Alles hat seine Zeit) darauf, dass endlich wieder gefeiert werden kann. In der Landeshauptstadt will man nicht nur Karneval feiern, das Comitee Düsseldorfer Carneval hat direkt das Motto "Wir feiern das Leben" herausgegeben.

Das Bonner Motto klingt mit "Jeck jeht net weg" fast ein bisschen trotzig. Und die Aachener Jecken stellten ihr Motto "Vür hant et fiere net verliert" (Wir haben das Feiern nicht verlernt) sogar schon am vergangenen Sonntag unter Beweis – mit einer vorgezogenen Sessionseröffnung unter 3G-Auflagen.