Pro und Kontra: Karneval trotz Corona?

Pro und Kontra: Karneval trotz Corona?

Von Jörn Seidel

Drohen mit Karneval weitere Masseninfektionen? Was sind die wichtigsten Argumente für und gegen die Absage von Karnevalsveranstaltungen? Ein Pro und Kontra.

Schunkeln, singen, tanzen und sich gehen lassen - vieles, was Karneval ausmacht, ist in der Corona-Epidemie höchst problematisch. Drei Monate vor dem Auftakt der Session diskutieren Politiker und Jecken, ob Karneval abgesagt werden sollte. Ministerpräsident Armin Laschet sagte am Samstag in der Aktuellen Stunde, er könne sich derzeit zumindest keinen Sessions-Auftakt mit Veranstaltungen, Tanz und Bützchen vorstellen.

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Was sind die wichtigsten Argumente für oder gegen Karneval in Corona-Zeiten?

Pro Absage: Warum sollte Karneval ausfallen?

Sorgen machen den Karnevalsskeptikern vor allem der Straßenkarneval, Karnevalssitzungen und unkontrollierte Feiern, bei denen die Corona-Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden. Fließt viel Alkohol, werde schnell der Mindestabstand missachtet und die Maske abgelegt, so ein Argument.

Ein bekanntes Negativbeispiel ist die Kappensitzung Mitte Februar in Gangelt, ein Super-Spreader-Event, das den Kreis Heinsberg zu einem der ersten Corona-Hotspots in Deutschland machte. Bei Massenveranstaltungen wie den Rosenmontagszügen kommt hinzu: Infektionsketten können später nicht mehr nachvollzogen werden.

Ein weiteres Argument: Besonders wichtig ist jetzt, dass Kitas und Schulen offen bleiben und die Wirtschaft keinen weiteren Schaden nimmt. Daher müssen wir alle in weniger wichtigen Lebensbereichen - zum Beispiel bei Unterhaltung und Spaß - zurückstecken. Schon jetzt gehört zum Alltag, dass Einrichtungen vorübergehend schließen, weil sich Mitschüler oder Erzieher infiziert haben. Sind die Kinder in Quarantäne, müssen auch oft Eltern zu Hause bleiben. Außerdem drohen in Orten, die zu Hotspots werden, weitere Maßnahmen wie etwa im Kreis Gütersloh.^

Schon jetzt haben mehrere Karnevalsvereine ihre Veranstaltungen abgesagt - und liefern ein weiteres Argument: Das finanzielle Risiko ist für sie zu groß. Bei einer kurzfristigen Absage von Veranstaltungen wäre der Schaden immens.

Kontra Absage: Warum sollten Karnevalsfeiern stattfinden?

Für eine jetzige Absage von Karnevalsveranstaltungen sei es noch viel zu früh, lautet ein Gegenargument. Nach Aussage von Organisatoren liegen dem Landesgesundheitsministerium schon mehrere Veranstaltungskonzepte zum Infektionsschutz vor. Frühestens wenn diese geprüft seien, könne man entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht.

Dass die kommende Session anders sein wird als üblich, wissen auch die Karnevalsbefürworter. Sie versichern: Man wolle sicher und gesund feiern.

Zwar könnten Prunksitzungen mit Gruppen in großen Abständen merkwürdig anmuten - unvorstellbar seien sie aber nicht. Schon jetzt gibt es in Konzerthäusern in Köln und Dortmund Veranstaltungen mit Hunderten von Zuschauern.

Das vielleicht wichtigste Argument gegen eine Absage von Karnevalsveranstaltungen: Der Karneval selbst lässt sich gar nicht absagen. Wer feiern will, der feiert. Insofern könnten gut organisierte Veranstaltungen die Feiernden sogar schützen.

Tatsächlich sind auch die Karnevalsskeptiker in der Politik gesprächsbereit. Zumindest kleinere Feiern, sagen sie, seien absolut denkbar.

Übrigens: Schon 1991 wurden im ganzen Land wegen des Golf-Kriegs die großen Umzüge abgesagt. Trotzdem feierten die Menschen damals Karneval - nur eben anders als sonst.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen für Karnevalsabsage

Zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland befürworten wegen der Corona-Epidemie eine bundesweite Absage aller Karnevalsfeiern der kommenden Session. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. Befragt wurden am Donnerstag fast 1.200 Personen.

Jüngere Menschen im Alter von 18 bis 24 befürworten eine bundesweite Absage am häufigsten. Die 35- bis 44-Jährigen am seltensten. Menschen in den westdeutschen Bundesländern befürworten eine Absage häufiger als in Ostdeutschland.

Stand: 22.08.2020, 19:59

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