Karfreitagsverbote - Kulturgut oder Bevormundung?

Leidender Jesus am Kreuz. Saint John Kathedrale in Den Bosch, Niederlande

Karfreitagsverbote - Kulturgut oder Bevormundung?

  • Debatte um Feiertagsgesetz
  • Stiller Feiertag für Kirche schützenswert
  • Initiativen kämpfen gegen Verbote

Umziehen, Tanzen, Zirkus oder Flohmarkt - was für manche nach perfekten Aktivitäten für ein langes Wochenende klingt, hat eine Gemeinsamkeit: Es ist an Karfreitag verboten.

Karfreitag ist ein stiller Feiertag. So schreibt es das Feiertagsgesetz vor. Auch für die Kirchen in NRW ist der Tag ein schützenswertes Kulturgut. Er solle "als Raum des Gedenkens" geschützt werden, heißt es in einer Erklärung der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Karfreitag: Mehr als nur Tanzverbot

Karfreitag sorgt für lange Gesichter - meist bei Jugendlichen, deren Clubs dicht machen. Dabei gibt es auch andere Betroffene: Briefmarkensammler zum Beispiel. Ein Überblick.

Technoparty in Köln

Alle Jahre wieder sorgen die stillen Feiertage für Ärger. Besonders unbeliebt unter Jugendlichen ist das ganztägige Tanzverbot an Karfreitag (19.04.2019), das erst am frühen Samstagmorgen endet. Dabei hätten auch andere Bevölkerungsschichten Grund zum Klagen und Jammern.

Alle Jahre wieder sorgen die stillen Feiertage für Ärger. Besonders unbeliebt unter Jugendlichen ist das ganztägige Tanzverbot an Karfreitag (19.04.2019), das erst am frühen Samstagmorgen endet. Dabei hätten auch andere Bevölkerungsschichten Grund zum Klagen und Jammern.

Briefmarkensammler zum Beispiel. Sie können ihrem Hobby höchstens zuhause nachgehen: Tauschbörsen sind - wie viele andere profane Veranstaltungen - verboten.

Nicht nur Diskos haben Zwangspause. Sogar Spielhallen, die selbst an Heiligabend keinen Zocker abweisen, sind geschlossen.

Sauberkeit und Fleiß - vielleicht keine Kardinaltugenden, aber dennoch Eigenschaften, die in jeder Religionsgemeinschaft gern gesehen sind. Am Karfreitag allerdings nicht. Wer sich beim profanen Autowaschen erwischen lässt, dem droht ein Ordnungsgeld.

Dagegen ist eine der traditionell wichtigsten Karfreitagsregeln in Vergessenheit geraten: das Fleischverbot - Katholiken sollen damit das Mitleiden mit Jesus ausdrücken. Ob angesichts des sommerlichen Osterwetters der Wille bei allen stark genug ist?

Die Museen bleiben offen. Auch wenn einige Exponate - wie hier in der Bonner Bundeskunsthalle - selbst hartgesottenen Atheisten die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte.

Dann gibt es noch den Sport - wohlgemerkt den aktiven Teil. Selbst Schwimmen gehen ist erlaubt. Anderen dabei zusehen aber nicht. Denn Sportveranstaltungen mit Publikum sind tabu.

Zum Glück haben die Zoos in NRW am Karfreitag geöffnet: Unterhaltung? Tanz? Das gibt es hier ganzjährig.

Index mit 700 Filmen

Seit Jahren gibt es daher immer wieder Debatten. Denn nicht nur öffentliche Tanz- und Sportveranstaltungen oder Konzerte sind verboten, auch im Kino ist nicht alles erlaubt.

Einige Hundert Filme dürfen laut Gesetz nicht gezeigt werden. Darunter Horrorfilme wie "Saw IV" oder "A Nightmare on Elm Street" - aber auch Komödien, wie die Religionssatire "Das Leben des Brian" stehen auf dem Index.

Kirchliche Bevormundung?

Für die Kirche ein schützenswertes Gut - für Andere ein Ärgernis. Seit Jahren gibt es in NRW Initiativen, die gegen das Feiertagsgesetz vorgehen. Die Kritik: Man fühle sich durch die staatlichen Verbote kirchlich bevormundet.

Kirche kritisiert Karfreitags-Disco

00:38 Min. Verfügbar bis 18.04.2020

Ein Bochumer Verein versucht beispielsweise seit Jahren, mit Provokationen gegen das Feiertagsgesetz vorzugehen. In diesen Jahr veranstaltet er mit einer Ausnahmegenehmigung eine Disco in Bochum. Eigentlich sind solche Tanzveranstaltungen auch nicht gestattet.

Stand: 18.04.2019, 14:34

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