Kardinal Rainer Maria Woelki

Kardinal Woelki tritt Dienst im Erzbistum Köln wieder an

Stand: 24.02.2022, 16:16 Uhr

Der Kölner Kardinal Woelki wird am kommenden Aschermittwoch seine Arbeit im Erzbistum Köln wieder aufnehmen. Das geht aus einem Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums hervor, der dem WDR vorliegt.

Von Christina Zühlke

In dem Brief schreibt der Kölner Weihbischof Rudolf Steinhäuser, der Kardinal Woelki während einer Auszeit vertritt, dass man nun die notwendige Klarheit habe: "Herr Kardinal Woelki wird seinen Dienst als Erzbischof am 02. März 2022, dem Aschermittwoch, wieder antreten."

"Keine Chance mehr für das Kölner Erzbistum"

Der Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller beobachtet die Situation im Erzbistum schon lange. Auch er kennt den Brief von Steinhäuser an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darin zeige sich die ganze Traurigkeit und Ausweglosigkeit, sagte Schüller dem WDR: „Die Quintessenz lautet: Kardinal Woelki kommt wieder, aber das Erzbistum Köln hat keine Chance mehr.“ Ein zutiefst traurig stimmender Text, sagt Schüller

Geplantes Treffen mit Mitarbeitern abgesagt

Steinhäuser entschuldigt sich in dem Brief dafür, dass er ein geplantes Treffen mit Mitarbeitern abgesagt habe, aber mit der Klarheit gäbe es nun keine gute Situation mehr für Gespräche. "Die unmittelbar bevorstehende Übergabe meiner Aufgabe hätte fast jede Äußerung meinerseits missverständlich erscheinen lassen und mich zum ,stummen Fisch' gemacht, der auf Ihre Gefühle und Meinungen nicht angemessen reagieren kann. Diese gemeinsame Ohnmachtserfahrung wollte ich uns gerne ersparen."

Rückkehr von Kardinal Woelki: "Arroganz der Macht"

Der Kölner Gemeindereferent Peter Otten sagte dem WDR, dass er kaum noch beschreiben könne, wie sich die Situation gerade anfühle. Der Brief klinge, als ob Weihbischof Steinhäuser und Kardinal Woelki nicht miteinander redeten. "Ich kann mir, ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie das am Aschermittwoch weitergehen soll." Da liege nun eine ganz große Bürde auf den Mitarbeitenden und dem gesamten Erzbistum.

Maria Mesrian von der Reformbewegung Maria 2.0 hat immer wieder mit Protestaktionen darauf aufmerksam gemacht, dass es so im Erzbistum nicht weitergehen könne. Vertrauen sei zerstört. Sie sagt dem WDR: "Dass Kardinal zurückkommt, zeigt die absolute Arroganz der Macht. Einfach darüber hinwegzugehen, was die Gläubigen denken, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denken." Kaum jemand im Bistum könne sich vorstellen, dass mit Woelki ein Neuanfang möglich sei.

Patrick Bauer fordert Offenheit

Patrick Bauer arbeitet als Gefängnisseelsorger im Erzbistum Köln. Er wurde als Junge jahrelang von einem Priester im Internat missbraucht und engagiert sich heute im Betroffenen-Beirat der Deutschen Bischofskonferenz. Er sieht in dem Brief das absolutistische Denken der Kirche. Niemand wisse, wie es jetzt weitergehen soll: "Der Erzbischof alleine entscheidet. Niemand anders darf davon erfahren. Keiner wird einbezogen. Und alle anderen müssen damit leben."

Bei Bischof Steinhäuser spüre er allerdings eine große Sympathie, weil er offen und ehrlich sage, wie er sich fühle. Diesen Mut und diese Offenheit fordert Patrick Bauer auch von anderen Verantwortlichen in der Kirche. Die ganze Vertuschung fuße doch darauf, dass Weihbischöfe und Personalchefs immer Angst gehabt hätten, einem Kardinal zu widersprechen. "Und das ist genau das Problem. Wir treten niemandem auf die Füße. Wir gehorchen dem, was der oberste Chef uns sagt. Der König, der Kaiser." Dieses Denken müsse aufhören, so Bauer im WDR.

Keine Menschenwürde im System

Karl Haucke, vom Betroffenen Rat der Bundesregierung erneuerte seine Kritik, dass nichts von dem, was der Kölner Kardinal tue oder sage zum Wohle von Betroffenen sei. Menschenwürde sei weder in der Denkweise des Kardinals noch in der Ethik seines Systems zu entdecken.

Betroffene brauchen Hilfe der Politik

Auch Matthias Katsch von der Betroffenen Initiative "Eckiger Tisch" sagte dem WDR, dass die Nachricht, dass Woelki bleibe, zeige, dass der Kirche die Meinung von Mitarbeitern und Gläubigen egal sei. "Das bedeutet, dass die Hoffnung auf Veränderung von Innen heraus auf sehr schwacher Grundlage steht." Für die Betroffenen bedeute das, dass sie Unterstützung von Außen brauchen, aus der Gesellschaft und der Politik, wenn es um Fragen wie Aufklärung und Entschädigung gehe.

Das Erzbistum Köln wollte sich auf WDR Anfrage nicht in einem Interview äußern. Schriftlich hieß es: „Uns liegen über die am Montag versendete Pressemitteilung hinaus keine Informationen vor, da Kardinal Woelki sich noch bis zum 2. März in Auszeit befindet.“

Viele Gläubige im Bistum hatten bis zuletzt gehofft, dass es einen Neustart an der Bistumsspitze geben würde. 

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