Wohin steuert Kardinal Woelki das Erzbistum Köln?

Wohin steuert Kardinal Woelki das Erzbistum Köln?

Von Johanna Holzhauer

  • Kardinal Woelki war Hoffnungsträger im Erzbistum Köln
  • Viele Gläubige von Woelkis Entscheidungen enttäuscht
  • Weniger ökumenische Zusammenarbeit

Bei Amtsantritt wurde Kardinal Woelki noch als hoffnungsvoller Neuanfang für Köln gefeiert. Doch inzwischen sind viele Gläubige im Erzbistum von Woelki enttäuscht.

Ein ehemals vorhandener Geist des Miteinanders im Erzbistum habe sich inzwischen verflüchtigt, klagt Hannelore Bartscherer, die 20 Jahre dem Katholikenrat vorstand. Inzwischen herrsche große Ratlosigkeit, wie es weitergehen soll.

Alles auf Priester ausgerichtet

Woelkis Entscheidung beispielsweise, alle Kölner Innenstadtgemeinden zusammenzufahren, wurde im Vorfeld nicht kommuniziert, was viele Proteste auslöste. Anstatt Laien, also nichtgeweihten Gläubigen, Verantwortung für die Leitung von Gemeinden zu übertragen, bleibt nach dem Willen des Kardinals alles auf Priester zentriert.

Weniger ökumenische Kooperation

Verbittert und enttäuscht sind viele Laien und Priester auch über die jüngste Aktion von Woelki: In einem Brief wandte sich Woelki zusammen mit sechs weiteren Bischöfen an den Vatikan.

Sie prostestierten damit gegen den Beschluss der deutschen Bischofkonferenz, unter Umständen auch evangelische Ehepartner zur Kommunion zuzulassen. Zudem boykottiert Woelki als einziger NRW-Bischof ein evangelisch-katholisches Kooperationsmodell beim Religionsunterricht.

Woelki sorgt für Ernüchterung

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Gibt es mit dem Kardinal also eine Rückkehr zur Anti-Ökumene des letzten Jahrhunderts? Es sieht danach aus. Dies verbittert viele katholische Gemeinden im Erzbistum, die seit langem schon sehr eng mit ihren evangelischen Nachbargemeinden kooperieren.

Markus Hofmann wird Woelkis Stellvertreter

Dass Kardinal Woelki seinen bisherigen "Steuermann" Generalvikar Dominik Meiering zum 1. Mai ablöst, ist ebenfalls ein Indiz, dass es an der Spitze des Bistums und in der Verwaltung mit den mehr als 600 Mitarbeitern, keinesfalls "rundläuft".

Jetzt engagiert Woelki Markus Hofmann als seinen Stellvertreter an der Spitze des Erzbistums. Hofmann steht der extrem konservativen, geheimbündlerischen Bewegung Opus Dei nahe. Als Woelki nach Köln kam, hatte er Hofmann noch als damaligen Leiter des Erzbischöflichen Priesterseminars entlassen.

Hofmann gilt als kantig, aber auch als durchaus kompromissbereit und erfahren in Führungspositionen. Woelki dürfte mit ihm inhaltlich sicher in allen wesentlichen kirchenpolitischen Fragen übereinstimmen. Aber wird er auch das Vertrauen der Gläubigen in seiner Erzdiözese zurückgewinnen können?

Stand: 27.04.2018, 10:00