So gehen NRW-Kommunen gegen Kanadagänse vor

Kanadagans mit Küken auf einer Wiese

So gehen NRW-Kommunen gegen Kanadagänse vor

Von Nina Giaramita

  • Kanadagänse breiten in sich in NRW-Kommunen aus
  • Naturschützer gegen Jagd auf Tiere
  • "Gänsemanagement" in Düsseldorf zeigt Erfolge

Mit einem derartigen Widerstand hatte die Stadt Herne nicht gerechnet: Die Kommune gab kürzlich bekannt, dass an mehreren Gewässern in Parks und Gärten Kanadagänse bejagt werden sollen – kurz darauf ging der Proteststurm los. Ehrenamtliche Tierschützer gründeten eine Bürgerinitiative, verteilten Flyer in den Parks und schrieben Protestbriefe.

Herne hat das Vorhaben nun vorerst gestoppt. Jetzt sollen Naturschutzverbände die Möglichkeit bekommen; innerhalb weniger Wochen konkrete Alternativ-Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Gänse vorzuschlagen. Denn laut Stadtverwaltung dürfen die Tiere sich nicht weiter vermehren.

Kot in den Gewässern

Problematisch sei vor allem, dass die Gänse überall ihre Hinterlassenschaften verbreiten. Der "übermäßige Koteintrag" beeinträchtige massiv die Wasserqualität der Teiche.

Der Stadtsprecherin zufolge mussten in den Sommermonaten die Fische aus den Teichen geholt werden. Der Sauerstoffgehalt in den Gewässern war zu gering.

Naturschützer sind skeptisch

Der NABU NRW steht den Argumenten der Stadt skeptisch gegenüber. Die Naturschützer setzen sich schon seit vielen Jahren dafür ein, dass die Kanadagänse unter Naturschutz gestellt und nicht mehr gejagt werden.

Vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz werden die Wasservögel jedoch als invasive Tierarten eingestuft – und damit als potenziell schädlich.

"Hängen gebliebene" Wintergäste

Die Tiere gibt es in NRW tatsächlich erst seit den 1970er Jahren. Es sind sozusagen "hängen gebliebene" Wintergäste aus Skandinavien, die sich hier inzwischen immer weiter ausbreiten. Vor allem im Ruhrgebiet sind die Gänse anzutreffen, außerdem im Raum Münster und im Rheinland.

Kanadagänse am Dortmunder Phönixsee Planet Wissen 18.09.2019 03:01 Min. Verfügbar bis 18.09.2024 WDR

Gänsemanagement in Düsseldorf

In Düsseldorf beispielsweise hat sich die Anzahl der Tiere in wenigen Jahren verdreifacht. Um der Lage Herr zu werden, wurde im vorigen Jahr eine Biologin für das sogenannte "Gänsemanagement" beauftragt. Diese hat im Auftrag der Stadt den Gänsenestern jeweils einige Eier entnommen.

Dann wurde noch ein weiterer Trick angewandt: Die städtischen Mitarbeiter richteten an den Gewässern zusätzliche Brutplätze für Höckerschwäne her - die Tiere gelten als natürliche Konkurrenten und dulden in ihrem Umkreis keine Nester von Gänsen.

Zahl der Gänse sinkt

Diese Methoden finden beim NABU NRW eher Zuspruch. "Alles ist besser, als zu schießen", so der stellvertretende Landesvorsitzende Heinz Kowalski. Tatsächlich konnte die Zahl der Gänse so behutsam gesenkt werden.

Stand: 14.09.2019, 06:00

Aktuelle TV-Sendungen