Das Kabinett Wüst: Diese Ministerinnen und Minister regieren NRW

Stand: 29.06.2022, 19:17 Uhr

Mit der Vereidigung des Kabinetts im Landtag ist die neue Regierung komplett. Und das sind die Ministerinnen und Minister von CDU und Grünen. Eine Mischung aus Bekanntem und Neuem.

Von Sabine Tenta

Das Regierungsteam von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) ist komplett. Am Mittwoch hat der alte und neue Regierungschef die Ministerinnen und Minister vorgestellt, die für die CDU antreten. Der grüne Koalitionspartner hatte sein Personal bereits am Wochenende benannt. Und das ist die neue Regierung, die als "Kabinett Wüst II" antritt:

Karl-Josef Laumann (CDU): Arbeit, Gesundheit und Soziales

Karl-Josef Laumann

Karl-Josef Laumann (CDU)

Nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie gehört Laumann zu den bekanntesten CDU-Ministern der alten Regierung. Der 1957 in Riesenbeck im Münsterland geborene Maschinenschlosser ist einer der profiliertesten Köpfe der Landes-CDU. Dass er sein Ministerium behalten wird, galt als gesetzt. Er agiert pragmatisch und ist so etwas wie das soziale Gewissen der NRW-CDU. Der Spross einer Bauernfamilie ist seiner Heimat treu geblieben und füllt Begriffe wie "bodenständig" und "volksnah" mit der ganzen Statur aus. Staatssekretär im Ministerium ist Matthias Heidmeier.

Herbert Reul (CDU): Inneres

Reul Herbert

Herbert Reul (CDU)

Als Armin Laschet 2017 den Europaabgeordneten Herbert Reul in sein Kabinett berief und ihm den Schleudersessel des Innenministers anvertraute, löste dies in Düsseldorf ein gewisses Erstaunen aus. Aber Reul hat sich schnell in die ihm bis dahin eher fremde Materie eingearbeitet und mit seinem entschiedenen Vorgehen gegen Pädokriminalität viel Anerkennung verdient. Umstrittener - auch beim neuen Koalitionspartner, den Grünen - war sein Kampf gegen die "Clankriminalität" und die Verschärfung des Polizeigesetzes. Der 1952 in Langenfeld geborene Politiker ist ein Freund der klaren und einfachen Worte. Auch das machte ihn zum Zugpferd im CDU-Wahlkampf. Zur Staatssekretärin steigt die bisherige Leiterin der Polizei in NRW, Daniela Lesmeister, auf.

Marcus Optendrenk: Finanzen

Marcus Optendrenk, CDU

Marcus Optendrenk (CDU)

Mit Marcus Optendrenk rückt ein ausgewiesener Finanzpolitiker der CDU in die erste Reihe vor. Er war bereits Büroleiter im Finanzministerium. Mit dem 1969 in Nettetal geborenen Politiker geht Wüst auf Nummer sicher in fiskalisch herausfordernden Zeiten. Dirk Günnewig wird Staatssekretär im Finanzministerium.

Dorothee Feller (CDU): Schule und Bildung

Dorothee Feller, CDU, Ministerin für Schule und Bildung, NRW

Dorothee Feller (CDU)

Das Schulministerium gehört zu den komplexesten Ressorts, die es in der Landespolitik gibt. Wüst vertraut dieses schwierige Amt der bisherigen Präsidentin des Regierungsbezirks Münster an. Sie hatte den Koalitionsvertrag mitverhandelt. Wüst schätzt an ihr, dass sie "sehr professionell mit großen Verwaltungssystemen umgehen kann". Als Staatssekretär steht ihr Urban Mauer zur Seite.

Ina Scharrenbach (CDU): Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung

Ina Scharrenbach

Ina Scharrenbach (CDU)

Die 1976 in Unna geborene Christdemokratin leitete in der letzten Legislaturperiode bereits das Haus mit vielen Zuständigkeiten. Es hat sich nur wenig am Zuschnitt geändert. Neu ist die Digitalisierung, abgegeben hat sie die Gleichstellung an Josefine Paul. Die gelernte Bankkauffrau und studierte Betriebswirtin hat sich in NRW profiliert und wurde 2018 auch in den Bundesvorstand der CDU gewählt. Als Bauministerin zeichnete sie für die umstrittene Räumung des Hambacher Forst im September 2018 verantwortlich. Staatssekretäre werden Daniel Sieveke und Josef Hovenjürgen.

Silke Gorißen (CDU): Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Silke Gorißen

Silke Gorißen (CDU)

Silke Gorißen ist ein neues Gesicht im Kabinett. Die 1971 in Kleve geborene CDU-Politikerin war erst 2020 zur Landrätin des Kreises Kleve gewählt worden. Gorißen ist Volljurstin und eine der Überraschungen im neuen Wüst-Team. Ihr zur Seite als Staatssekretär wird Martin Berges tätig sein.

Ina Brandes (CDU): Kultur und Wissenschaft

Ina Brandes

Ina Brandes (CDU)

Ina Brandes übernahm im Herbst 2021 das Verkehrsministerium von Wüst, das nun an die Grünen geht. Die 1977 in Dortmund geborene Brandes konnte sich im neuen Amt schnell profilieren und war darum im Vorfeld auch im engeren Kreis der Kandidatinnen für einen Ministerinnenposten. Sie studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Englische Philologie und war vor ihrem Eintritt ins Kabinett Wüst als Baumanagerin tätig. Als Kulturministerin löst sie die parteilose Isabell Pfeiffer-Poensgen ab. Staatssekretärin wird Gonca Türkeli-Dehnert, die bisherige Integrationsbeauftragte der Landesregierung.

Nathanael Liminski (CDU): Chef der Staatskanzlei und Minister für Europa- und Bundesangelengheiten und Medien

19.04.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Nathanael Liminski (CDU), Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, kommt zu einem Empfang der Ditib

Er bleibt der Chef der Staatskanzlei und wird von Wüst in höchsten Tönen als "der Beste für diese Aufgabe" gelobt. Nun steigt er in das Amt eines Ministers auf. 1985 in Bonn geboren, legte Liminski schnell eine steile Karriere hin. Armin Laschet machte das Polit-Talent nach seinem Wahlsieg 2017 zum Chef seiner Staatskanzlei. Liminski, dem der Ruf vorauseilte, ein "Überflieger" und "Frühvollendeter" zu sein, war eine wohl kaum zu überschätzende Stütze für Laschet. Und er war es auch für den neuen Ministerpräsidenten Wüst, der ihn als Staatskanzlei-Chef übernahm. In jüngeren Jahren profilierte sich Liminski als streng-konservativer Politiker und war wegen offen homophober Äußerungen umstritten. Ganz anders sind die aktuellen wertschätzenden Äußerungen Liminskis zu Homosexualität und Diversität. Im WDR sagte Liminski am Mittwoch: "Das, was ich damals als 20-Jähriger gesagt habe, würde ich heute so nicht mehr sagen." Seine Äußerungen hätten viele Menschen verletzt "und deswegen bedauere ich das". Die nun gestiegene Machtfülle Liminskis im neuen Kabinett zeigt sich auch darin, dass ihm drei Staatssekretäre zur Seite stehen: Markus Speich, Bernd Schulte und Andrea Milz.

Mona Neubaur (Grüne), stellvertretende Ministerpräsidentin: Wirtschaft, Industrie, Klima und Energie

Grünen-Spitzenkandidatin Mona Neubaur

Mona Neubaur (Grüne)

Neubaur, die als Spitzenkandidatin die Grünen zum Wahlerfolg führte, wird ein "Superministerium" leiten. Der Zuschnitt Wirtschaft, Industrie, Klima und Energie ist ein exaktes Spiegelbild des Habeck-Ministeriums in Berlin. Eine große Herausforderung für die ehemalige Landesvorsitzende der Grünen. Doch im Wahlkampf und in den anschließenden Koalitionsverhandlungen hat sie so überzeugt, dass sie mit viel Vorschusslorbeeren ins Amt startet. Und es ist ihr gelungen, Oliver Krischer nach Düsseldorf zu holen. Das "Superministerium" wird über zwei Staatssekretäre verfügen, Paul Höller und Silke Krebs.

Oliver Krischer (Grüne): Umwelt, Naturschutz und Verkehr

Oliver Krischer, Bündnis 90/ Die Gruenen, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft

Oliver Krischer

Der 52-jährige Krischer ist derzeit noch Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschafts- und Klimaministerium von Robert Habeck. Zuvor hatte der Bundestagsabgeordnete aus Düren sich in der Opposition als Umweltpolitiker profiliert. Krischer kann Attacke, das ist aus seinen Reden im Bundestag bekannt. Nun muss er ein Ministerium mit völlig neuem Zuschnitt leiten. Er studierte in Aachen Biologie, schloss dieses Studium jedoch nach eigenen Angaben nicht ab. Krischer wird von Staatssekretär Viktor Haase unterstützt.

Josefine Paul (Grüne): Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Integration und Flucht

Josefine Paul

Josefine Paul (Grüne)

Dass die bisherige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Josefine Paul aus Münster, das Ministerium des abgewählten FDP-Spitzenkandidaten Joachim Stamp erbt, war zu erwarten. Die 40-Jährige hatte sich im Fachausschuss profiliert und übernahm in einem geräuschlosen Wechsel im Oktober 2020 zusammen mit Verena Schäffer den Fraktionsvorsitz im Landtag. Paul studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie in Braunschweig und Münster. Lorenz Bahr-Hedemann wird Staatssekretär im Ministerium.

Benjamin Limbach (Grüne): Justiz

Benjamin Limbach hat die Arme verschränkt und lächelt in die Kamera

Benjamin Limbach

Ein neues Gesicht in der Landespolitik wird Benjamin Limbach sein. Der bisherige Präsident der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung ist Volljurist. Er kennt sich zudem auch in der Ministerialbürokratie aus. Der frühere Richter am Verwaltungsgericht Köln hatte bereits Leitungsaufgaben im NRW-Justizministerium inne. Er ist der Sohn von Jutta Limbach, der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts. Staatssekretärin im Justizministerium wird Daniela Brückner.

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