Investigativ-Journalistin Löffler zum Fall von Ex-"Bild"-Chef: "Die Recherche geht weiter"

Investigativ-Journalistin Löffler zum Fall von Ex-"Bild"-Chef: "Die Recherche geht weiter"

Die Investigativ-Journalistin Juliane Löffler hat zusammen mit Kolleg:innen den Machtmissbrauch von Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt aufgedeckt. In der "Aktuellen Stunde" sagte sie: "Die Recherche geht weiter."

Julian Reichelt war ein mächtiger Medien-Mann, Chefredakteur der "Bild"-Zeitung. Und dann der tiefe Sturz: Reichelt soll seine Macht ausgenutzt und Sex mit jüngeren Frauen in seiner Redaktion gehabt haben. Jetzt wurde er von seinen Aufgaben entbunden. Zu Fall brachten ihn unter anderem Recherchen eines Teams von "Ippen Investigativ". Die Investigativ-Journalistin Juliane Löffler, Mitglied dieses Teams, sprach in der "Aktuellen Stunde" über ihre Arbeit.

WDR: Wie ist es Ihnen während der Recherchen ergangen? Haben Sie gedacht: Wow, das kann ja alles gar nicht wahr sein, waren Sie überrascht?

Juliane Löffler: Ich habe ja schon viel um sexualisierte Gewalt recherchiert, um die es in diesem Fall nicht geht, aber auch zum Thema Machtmissbrauch. Es gibt bestimmte Mechanismen, die man immer wieder erkennt. In dem Fall bin ich natürlich auch in dieses "Bild"-Universum eingetaucht und fand es in der Tat erstaunlich. Viele Dinge, die ich da gehört habe, waren nicht nur aufregend und spannend, sondern diese Recherche war wirklich ein großer Kraftakt. Nicht nur für mich, sondern für alle beteiligten Quellen.

WDR: Man könnte ja auch denken: Das passt auch irgendwie zu dem, wie die "Bild"-Zeitung arbeitet, zu der Art der Berichterstattung, zum Frauenbild, das wir da sehen, oder?

Löffler: Also, die "Bild" ist sicherlich kein Medium, das dafür bekannt ist, explizit frauenfreundlich zu sein. Es wird ja auch getitelt mit Headlines wie, dass Vergewaltigung oder Missbrauch als Sexskandale bezeichnet werden. Ich glaube, es ist auch kein Geheimnis, dass im Haus schon so ein Sexismus vorherrscht.

Aber man muss auch sagen, dass es nicht so ist, dass Frauen nicht auch aufsteigen können und nicht auch sehr prominente Positionen innerhalb der "Bild" besetzen können. Aber das, was ich in den Recherchen gehört habe, ist eben dass es dort eine Kultur gibt, in der Frauen als Dekoration dort sitzen, in der sie nach ihrer – Zitat – "Fuckability" beurteilt werden. Das deutet natürlich schon darauf hin, dass Frauen sich bei Axel Springer nicht unbedingt immer gleichbehandelt fühlen.

WDR: Es gab ja schon ein internes Verfahren gegen Julian Reichelt. Das hat er überstanden. Sind das denn jetzt wirklich neue Vorwürfe - oder hat der Springer Verlag auch einfach nicht richtig reagiert, als er Julian Reichelt im Amt gelassen hatte im Frühjahr?

Löffler: Also, der Verlag hatte ja in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass Presserecherchen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse hervorgebracht haben, das steht dann in Zusammenhang mit unserer Recherche. Aber es ist eben auch herausgekommen, dass Reichelt nach dem Compliance-Verfahren Berufliches und Privates nicht klar getrennt hat. Das war ja im "Spiegel" nachzulesen. Da soll es tatsächlich eine weitere sexuelle Beziehung zwischen Reichelt und einer ihm unterstellten Mitarbeiterin gegeben haben. Das sind ja nun in der Tat neue Erkenntnisse.

WDR: Ich nehme an, das war heute einer der aufregenderen Tag in Ihrem Journalistinnen-Leben - geht denn die Recherche weiter?

Löffler: Ja. Die Recherche geht weiter. Mein Postfach ist sehr voll, und es gibt nicht nur sehr viele Presseanfragen, die ich versuche zu beantworten. Sondern es gibt natürlich auch viele neue Hinweise, denen wir weiter nachgehen. Wir recherchieren hier weiter. Personen können sich weiter bei uns und bei mir melden. Natürlich gehen wir diesen Hinweisen weiter nach.

Zwischenruf: Fragwürdige Unternehmenskultur

WDR 3 Resonanzen 18.10.2021 03:16 Min. Verfügbar bis 18.10.2022 WDR 3


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Die Fragen stellte Susanne Wieseler. Verschriftlichung: Sabine Meuter.

Stand: 19.10.2021, 20:45

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