Jugendschutz im Internet: Niemand fragt nach dem Alter

Mädchen blickt auf den Bildschirm eines Laptops

Jugendschutz im Internet: Niemand fragt nach dem Alter

Von Matthias Wurms

  • Praktisch alle Kinder ab elf Jahren nutzen regelmäßig Smartphone oder Tablet
  • Mehr als die Hälfte hat schlechte Erfahrungen gemacht
  • Gut 80 Prozent der Eltern halten Altersprüfung für unzureichend

Das Kinderhilfswerk fordert nach der Auswertung einer aktuellen Umfrage strengere Zugangskontrollen im Internet. Der Kinder- und Jugendschutz dürfe die Nutzer nicht behindern, müsse sie aber gleichzeitig schützen, so Präsident Thomas Krüger. Dafür bräuchten Eltern und Kinder mehr Unterstützung. Den Eltern sei vor allem wichtig, dass sie selbst nicht viel tun müssten. Funktionierende Jugendschutzeinstellungen oder eine verständliche, einheitliche Alterskennzeichnung werden als hilfreicher eingeschätzt als Angebote, die mehr Eigeninitiative erfordern wie Beratungs- und Beschwerdestellen oder Schulungen zur Medienerziehung.

Anbieter sollen besser kontrollieren

Auch Familienministerin Franziska Giffey will die Anbieter stärker in die Pflicht nehmen. Sie sollen kontrollieren, wer bestimmte Inhalte oder Funktionen nutzt. So könnte es etwa zur Vorschrift werden, dass Eltern die Chatfunktion einer Seite freischalten müssen. Viele Banken oder auch Streamingdienste nutzen auch bereits besondere Verfahren, um Identität und Alter zu überprüfen. Giffey hatte ein neues Jugendmedienschutzgesetz schon für Ende vergangenen Jahres angekündigt. Noch liegt der Entwurf aber bei den anderen Ressorts zur Abstimmung.

Ständig online – Wann wird es gefährlich? Planet Wissen 06.05.2020 58:50 Min. UT Verfügbar bis 07.06.2024 WDR

Mobbing ist das größte Problem

Es geht aber nicht nur um Gefahren, die von Anbietern ausgehen, sondern auch um Übergriffe durch andere Nutzer. Die meisten Eltern nennen Mobbing als das größte Problem. Auch so genannte Challenges, sind oft gefährlich. Dabei wird zum Beispiel zu einer Mutprobe aufgefordert, die man dann ins Netz stellen soll. Immer wieder verunglücken Jugendliche – auch tödlich.

Cybermobbing - Was tun? Planet Schule 01.02.2019 29:32 Min. Verfügbar bis 01.02.2024 WDR

Entsprechend werden vor allem Messengerdienste wie WhatsApp von Eltern kritisch gesehen. Die können jedoch oft nur wenig tun. Mobbing ist meist subtil. Manchmal genügt es, wenn ein Kind aus der gemeinsamen Chatgruppe ausgeschlossen wird. Deshalb fordern Experten auch Eltern, Lehrer und Mitschüler auf, wachsam zu sein und früh Alarm zu schlagen, wenn etwas schiefläuft.

Schutz-Programme helfen nur wenig

Auch spezielle Schutz-Programme sind nur eingeschränkt nützlich. Spähprogramme können zwar den Eltern verraten, was ihre Kinder mit dem Smartphone machen. Das kritisieren aber viele als übergriffig, denn auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Filterprogramme wiederum beschränken den Zugang zum Netz oft zu stark und sind von Kennern leicht zu umgehen.

Abhängig vom Smartphone Servicezeit 08.01.2020 05:27 Min. Verfügbar bis 08.01.2021 WDR Von Sigrid Lauff

Letztendlich ist der Umgang mit Smartphones und modernen Medien Erziehungssache. Alle Experten empfehlen Eltern, ihre Kinder im Netz zu begleiten, sich mit ihnen auszutauschen und über die Gefahren und Möglichkeiten zu sprechen. Auch Beschränkungen können helfen. Einige Schulen in NRW haben Smartphones auf dem Schulhof verboten. Sie stellen fest, dass die Kinder und Jugendlichen dadurch wieder mehr zusammen spielen.

Stand: 13.01.2020, 17:15

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