Über den richtigen Umgang mit jugendlichen Straftätern

Im Vordergrund des Fotos ist eine Hand zu sehen, die ein ausgeklapptes Messer hält. Im Hintergrund verschwommen ein Junge vor einer graffitibesprühten Wand.

Über den richtigen Umgang mit jugendlichen Straftätern

  • BDK wirbt für schnellere Strafverfahren
  • Kriminologe Feltes gegen Sanktionen
  • Kriminelle Karrieren von Jugendlichen ausbremsen

Die Tat sorgt für Entsetzen: Zwei 14-jährige Intensivtäter der sogenannten "Gucci"-Bande sollen in Wuppertal beinahe einen Rentner umgebracht haben. Das Opfer schwebt nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Freitag (24.05.2019) in Lebensgefahr und wird Ärzten zufolge bleibende Schäden behalten. Das wirft nicht zuletzt die Frage auf, wie mit jugendlichen Straftätern umgegangen werden soll, um ihre kriminellen Karrieren zu unterbrechen.

Aus Sicht von Hans Hülsbeck vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in NRW müsste es schnellere Strafverfahren geben. Die Strafe sollte möglichst unmittelbar nach der Tat erfolgen, sagte Hülsbeck dem WDR. Der Jugendliche müsse merken, dass sein strafbares Handeln Folgen hat.

Zu wenige Häuser des Jugendrechts

Hülsbeck verwies auch auf die Häuser des Jugendrechts, die im Jugendstrafverfahren zuständig sind. In diesen Häusern arbeiten Jugendhilfe und Jugendgerichtshilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft Hand in Hand. "Die Kollegen dort leisten hervorragende Arbeit", betonte Hülsbeck.

Häuser des Jugendrechts verfolgen das Ziel, straffällig gewordene Kinder, Jugendliche und Heranwachsende mit intern abgestimmten Maßnahmen zu begleiten und dabei die individuelle Lebenssituation des jungen Menschen zu berücksichtigen. So soll eine weitere Straffälligkeit vermieden werden. Allerdings gibt es aus Hülsbecks Sicht zu wenige Häuser des Jugendrechts. Auch fehlten genügend geschulte Jugendsachbearbeiter.

"Wegsperren bringt nichts"

Dagegen bringt es nach Ansicht des Bochumer Kriminologe Prof. Thomas Feltes nichts, einen straffällig gewordenen 14-Jährigen wegzusperren. "Nach allem, was wir wissen, hat das negative Auswirkungen", sagte Feltes dem WDR. Bei ersten Straftaten eines 14-Jährigen sollte man mit Sanktionen zurückhaltend sein. Sinnvoller sei es, für den Jugendlichen einen Erziehungshelfer zu bestellen. Generell sollten aus Sicht von Feltes die Jugendämter stärker in die Pflicht genommen werden, damit erste Straftaten nicht der Anfang einer kriminellen Karriere würden.

Gewaltfreie Erziehung reduziert Jugendgewalt

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 16.10.2018 06:04 Min. Verfügbar bis 16.10.2023 WDR 5

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Stand: 24.05.2019, 18:25

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