Alkoholkonsum von Minderjährigen: Was Eltern tun können

Einige Jugendliche trinken alkoholhaltige Getränke

Alkoholkonsum von Minderjährigen: Was Eltern tun können

  • 10 Jahre Jugendkampagne "Alkohol? Kenn dein Limit"
  • Was können Eltern tun, wenn Minderjährige trinken?
  • Interview mit Sozialpädagogin Deike Kranz

Die Jugend-Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit" von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) feiert am Dienstag (19.11.2019) ihren 10. Geburtstag. Zum Jubiläum kommt auch eine breite Experten-Riege zu einer Fachtagung in Berlin zusammen.

Doch was können eigentlich Eltern zuhause tun, wenn der minderjährige Nachwuchs den Vollrausch sucht? Ein Gespräch mit der Sozialpädagogin Deike Kranz.

WDR: Wie sollten Eltern reagieren, wenn der minderjährige Sohn oder die Tochter zum ersten Mal betrunken nach Hause kommt?

Deike Kranz: Erst einmal Ruhe bewahren und sich um das Kind kümmern. Es bringt wenig, in der Situation schon mit elterlichen Ratschlägen zu kommen. Am nächsten Tag sollten Eltern das in Ruhe mit ihrem Kind besprechen.

Deike Kranz

Deike Kranz ist Sozialpädagogin und arbeitet als Beraterin in der Ginko-Stiftung in Mülheim. Die Fachstelle zur Suchtvorbeugung koordiniert für die Kommune Aufklärungs-Projekte - zum Beispiel in Schulen - und bietet Sprechstunden für Ratsuchende aber auch Elternabende an.

Jugendliche grenzen sich gerne ab, aber Eltern sollten einfach dran bleiben am Thema. Zum Beispiel sagen, dass da eine große Sorge war. Das kann auch ein Gesprächsöffner sein. Eltern sollten ihre Kinder ernst nehmen und nach Hintergründen fragen. Oft steckt hinter so einem riskanten Einzelkonsum der Wunsch, erwachsen zu werden oder dazuzugehören.

WDR: Was können Eltern denn schon im Vorfeld überhaupt präventiv leisten?

Deike Kranz: Es lohnt sich immer, nicht nur allein auf den Jugendlichen zu gucken, sondern die Familie als Gesamtkonzept zu betrachten. Das Gefühl, dazuzugehören, kann hier gestärkt werden. Es ist gut, wenn Jugendliche merken, dass sie etwas besonders gut können, worauf sie stolz sind und, dass sie auch das Recht haben, selbst Entscheidungen zu treffen.

Eltern können sich in ihrer Normalität auch mal selbst hinterfragen. Ich hatte schon Jugendliche in der Beratung, die sagen, sie wussten gar nicht, dass das Bier zum Abendbrot gar nicht dazu gehört, bis sie mal in einer anderen Familie zu Abend gegessen haben.

WDR: Wenn Eltern unsicher sind, ob ihr Kind tatsächlich regelmäßig Alkohol konsumiert oder etwa suchtgefährdet ist - was tun?

Deike Kranz: Einfach jemanden fragen, der sich damit auskennt. Das Jugendalter ist ganz schön kompliziert und wir alle machen auf unserem Lebensweg etwas zum ersten Mal. Eltern sollten keine Scheu haben, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die gibt es in NRW in jeder größeren Stadt und auch in den Landkreisen.

Das Interview führte Katja Goebel.

Stand: 19.11.2019, 06:00

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