Jugendkriminalität außer Kontrolle? Fragen und Antworten

Ein Mann hält eine geballte Faust in die Kamera. Nur die Faust ist scharft zu sehen.

Jugendkriminalität außer Kontrolle? Fragen und Antworten

  • Berichte über schwere Jugendkriminalität
  • Gefühlte Zunahme der Fälle
  • Fragen und Antworten

Jugendliche in Essen und Dortmund schubsen Menschen auf Bahngleise, an einer Vergewaltigung in Mülheim sollen auch Zwölfjährige beteiligt gewesen sein. Werden Jugendliche immer krimineller? Drei Fragen, drei Antworten.

Wird das Problem der Jugendkriminalität immer größer?

Diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man die Medienberichte der vergangenen Wochen verfolgt. Tatsächlich meldet das Bundeskriminalamt in seinen Statistiken seit mehr als zehn Jahren einen stetigen Rückgang bei der Jugendkriminalität.

Hat vielleicht die Brutalität der Taten zugenommen?

Tatsächlich ist die Zahl der Körperverletzungen unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren gestiegen. Eine Zunahme gab es auch bei Sexualstraftaten. Solche Fälle finden in Zeiten von Social Media gewöhnlich ein viel größeres Medienecho als früher - auch wenn die Taten in anderen Bundesländern geschehen sind.

Sind härtere Strafen - auch für sehr junge Täter - die Lösung?

Das glauben zumindest der Deutsche Richterbund und die Deutsche Polizeigewerkschaft, die beide eine Herabsetzung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre fordern. Davon halten Kriminalpsychologen, wie Christian Lüdke aus Essen, allerdings nichts. Viel wichtiger als Strafen seien "erzieherische Maßnahmen, aber mit der gleichen Konsequenz wie eine Strafe umzusetzen, damit Jugendliche Regeln lernen, sich integrieren und sozialisieren".

Mit einer Haftstrafe könne man im Extremfall sogar eine kriminelle Karriere fördern, warnt Lüdke. Der Kriminalpsychologe plädiert gleichzeitig für eine strenge Behandlung von Intensivtätern. Nur direkte Maßnahmen helfe solchen Jugendlichen, ihre Handlungen zu überdenken.

Stand: 17.07.2019, 13:42

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