"Für viele ist mein Jüdisch-Sein ein sensibles Thema"

"Für viele ist mein Jüdisch-Sein ein sensibles Thema"

Von Estella Mazur

Seit 1.700 Jahren gibt es Jüdisches Leben in NRW. Trotzdem: Öffentlich ist das kaum zu spüren, vieles läuft in den jüdischen Communitys. Die 18-jährige Sonya Mulik aus Köln erzählt, wie sie ihre Religion lebt.

Kein Schweinefleisch, regelmäßiger Besuch in der Synagoge und jeden Freitagabend Shabbat mit der Familie. Das gehört für die 18-Jährige Sonya Mulik aus Köln fest zu ihrem Alltag. Nicht immer einfach für die Schülerin. "Es nervt schon manchmal, dass ich dann nichts mit Freunden machen kann. Aber Freitagabend ist Familienzeit, das gehört dazu und stärkt unsere Familie." Streng genommen dürfen sie keine elektrischen Geräte benutzen. Ihre Familie guckt aber trotzdem Fernsehen oder nutzt das Handy.

Ein 18 jähriges Mädchen gestikuliert, wärend sie redet. im Hintergrund ist die Kölner Synagoge

Sonia Mulik aus Köln will einen offeneren Umgang mit jüdischem Leben

Etwa 200.000 Jüdinnen und Juden leben heute in Deutschland. Die meisten von ihnen kommen aus der ehemaligen Sowjetunion. So wie Sonya. Die 18-Jährige wurde in Moskau geboren und lebt seit sechs Jahren in Köln.

"Kippa auf der Straße leider selten"

Ihr ist es wichtig, in der Gemeinde aktiv zu sein. Innerhalb der Community blüht das jüdische Leben: Reisen, Jugendzentren und Gesangswettbewerbe. "Aber außerhalb der Gemeinde findet es leider kaum statt. Daher freue ich mich jedes Mal, wenn ich zum Beispiel einen Mann sehe, der keine Angst hat, auf der Straße Kippa zu tragen. Aber das ist leider sehr selten."

"Für viele Menschen ist mein Jüdisch-Sein ein sensibles Thema. Dabei freue ich mich, wenn ich etwas darüber erzählen kann." Obwohl sie in ihrem Alltag Antisemitismus noch nie erlebt hat, war das Attentat von Halle ein Schock für sie.

Angst nach Attentat von Halle

2019 versucht der Rechtsextremist Stephan B in Halle an der Saale schwer bewaffnet in eine Synagoge zu gelangen. Es ist da gerade Jom Kippur, Versöhnungsfest. Eines der größten Feste im Judentum. "Wir haben davon mitbekommen als wir in der Kölner Synagoge waren. Alle waren schockiert. Eigentlich sind wir nicht ängstlich, aber meine Eltern wollten daraufhin, dass ich erst mal zu Hause bleibe und meinen Davidstern verstecke."

Kölner Synagoge in der Roonstraße.

Synagogen wie diese in Köln brauchen Polizeischutz

Polizeischutz und Security in Synagogen und jüdischen Einrichtungen sind für die 18-Jährige Normalität. Trotzdem schüchtere sie das nicht ein. Im Gegenteil. Sie plant weiterhin in Köln zu leben. Für die Zukunft wünscht sie sich jüdisch zu heiraten und ihre Kinder jüdisch zu erziehen: "Wir Juden haben so viel Verfolgung überlebt, da fühle ich mich verpflichtet meine Kultur weiterzugeben."

Stand: 21.02.2021, 20:05

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