Beliebte Daten-Krake: 15 Jahre Google Maps

Eine Hand hält ein iPhone mit Google Maps auf dem Bildschirm

Beliebte Daten-Krake: 15 Jahre Google Maps

Von Jörn Seidel

  • Google Maps wird am Samstag 15 Jahre alt
  • Online-Kartendienst extrem beliebt
  • Datenschutzbedenken: So kann man sich schützen

Valérie und Gilles Lajeunesse halten einen Stadtplan in den Händen schauen suchend durch die Gegend. Die Franzosen sind für einen Kurzurlaub nach Köln gekommen. Das Ehepaar will gerade zum Farina-Duftmuseum - und bahnt sich seinen Weg mit jenem Faltplan vom Hotel.

Zeitalter von Google Maps

Es gibt sie also noch: Menschen, die im Zeitalter von Google Maps Karten aus Papier verwenden. Nicht ganz, widerspricht Gilles Lajeunesse. Im Hotel habe er tatsächlich schon Google Maps genutzt, um nach dem Museum zu suchen. "Aber mein Akku muss noch den ganzen Tag halten."

Am Samstag (08.02.2020) wird Google Maps 15 Jahre alt. Für Millionen Menschen weltweit ist der Online-Kartendienst trotz Datenschutzbedenken zu einem ständigen Begleiter im Alltag und auf Reisen geworden.

Auch für Gilles Lajeunesse. Beinahe täglich muss der Ingenieur über den Dächern von Paris Antennen kontrollieren und lässt sich dazu per Smartphone durch das verwinkelte Straßennetz navigieren.

Google weiß, wo man war

Dass auch Google Maps ihn kontrolliert, ist Lajeunesse bekannt. "Das kann durchaus Angst machen", sagt er.

Google Maps erstellt Bewegungsprofile, indem es speichert, zu welchen Zeiten man welche Orte aufsucht. "Man wird überwacht", meint Lajeunesse.

Aber der Komfort ist für viele verlockend: Die Software ist ständig zur Hand, kostenlos und leicht zu bedienen. Sie navigiert weitgehend zuverlässig und bietet nicht nur Routen für Autofahrer und Fußgänger, sondern auch für Rad- und Bahnfahrer.

Jörg Schieb über Navigationssysteme

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Medienschelte 08.02.2020 05:40 Min. Verfügbar bis 07.02.2021 WDR 5

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Streit über Street View

Darüber hinaus gibt es praktische Dienste wie Street View, der in Deutschland 2010 startete. Zuvor hatte ein öffentlicher Streit getobt - um nicht verpixelte Häuser und Gesichter.

Die Kritik an Google Maps ist auch heute noch groß. Die NRW-Datenschutzbeauftragte warnt: Mit solchen Diensten könnten Persönlichkeitsprofile erstellt werden. Je mehr Daten, desto größer die Gefahr, dass sie nicht "nur" für Werbezwecke verwendet, sondern missbraucht werden, sagte ein Sprecher dem WDR.

Tipps zum Datenschutz bei Google Maps

Persönliches Bewegungsprofil anzeigen lassen:

  1. Bei Google anmelden: Entweder im Browser unter google.de - oder in den (Konto-)Einstellungen des Smartphones. Android-Nutzer sind in der Regel schon angemeldet.
  2. Den Bereich "Google-Konto verwalten" öffnen
  3. Den Bereich "Datenschutz & Personalisierung" öffnen
  4. Unter "Aktivität und Zeitachse" den Bereich "Zeitachse" öffnen

So lässt sich der Standortverlauf ausschalten:

  1. Den Bereich "Google-Konto verwalten" öffnen
  2. "Privatsphärecheck machen" anwählen
  3. Dort den Standortverlauf auf "pausiert" stellen. Außerdem lassen sich dort weitere Privatsphäre-Einstellungen für Google-Dienste vornehmen.

Das empfielt die NRW-Datenschutzbeauftragte:

  • Die Landesdatenschutzbeauftragte empfiehlt ganz generell, genau hinzusehen, welchen Smartphone- und Tablet-Apps man welche Daten-Zugriffe gewährt. Je nach Hersteller lassen sie sich zumindest teilweise steuern.
  • Insbesondere bei Apps, bei denen nicht klar ist, was genau mit den personenbezogenen Daten beim Anbieter geschieht, sollten Nutzer gut überlegen, ob die App wirklich nötig ist, sagte ein Sprecher der Beauftragten dem WDR.
  • Seine Zusammenfassung: "Infos lesen, selbst entscheiden, Zugriffsrechte in den Einstellungen beschränken. Und im Zweifel: Finger weg."

Gastronomen: "Fluch und Segen"

Auch für Gastronomen und Hoteliers könne Google Maps "Fluch und Segen zugleich" sein, sagte ein Sprecher des Verbands Dehoga NRW. Sie würden zwar schneller aufgefunden, müssten aber nicht selten falsche Angaben - zum Beispiel zu Wartezeiten - mit viel Aufwand korrigieren lassen.

Wohlwissend um solche Bedenken macht sich das Ehepaar Lajeunesse in Köln die vielen Annehmlichkeiten von Google Maps gern zunutze. Manchmal allerdings tut es auch ein Stadtplan aus Papier.

Stand: 08.02.2020, 10:17

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