Zum 100. Geburtstag: Sechs verblüffende Fakten über Joseph Beuys

Joseph Beuys, Scheveningen, Holland, 1976

Zum 100. Geburtstag: Sechs verblüffende Fakten über Joseph Beuys

Von Thomas Köster

Wer waren die ersten Beuys-Banausen? Was konnte Beuys wohl genauso gut wie Kunst? Womit würde er heute noch jeden Grünen vergraulen? Wir verraten Ihnen sechs Dinge, die Sie so vermutlich noch nicht wussten.​

 

Was? Sie haben zu Joseph Beuys schon alles gelesen? Sie kennen Beuys so gut wie seine Anglerwestentasche? Dann passen Sie mal auf! Wir zaubern sechs Fakten aus dem Künstler-Hut, die Ihnen vielleicht trotzdem neu sein dürften.

Fakt 1: Die ersten Beuys-Banausen waren Schweine

In den Augen von Banausen konnte Beuys-Kunst immer wieder schon mal weg.

Spuren der zerstörten Fettecke in der Kunstakademie Düsseldorf

Fetteckenreste, 1986

1973 schruppten zwei Damen Beuys‘ Babybadewanne blitzeblank. Später kam ein fettecken-entsorgender Hausmeister der Kunstakademie Düsseldorf dazu. Die Geschichten kennt man.

Aber wer weiß schon, dass die ersten Beuys-Banausen kluge Schweine waren? Bei einer Ausstellung auf einem Hof fraßen sie ausgerechnet das Objekt "Der Metzgerladen". Fluxus-Künstler Beuys fand den Racheakt "besonders schön". Geschlachtet wurden die Banausen trotzdem.

Fakt 2: Beuys war ein romantischer Poet

"Wir wollen Sonne statt Reagan / ohne Rüstung leben! / Ob West, ob Ost, / auf Raketen muss Rost!". Das sang Beuys 1982 in der WDR-Show "Bananas". Gedichtet hatte ein Werbetexter. Neben Anflügen von rheinischem Dadaismus ("Ja ja ja – ne ne ne") neigte Beuys poetisch eher zur kryptischen Romantik: "Das Geheimnis der Knospe zarter Hülle / Zart und leise deckt dich das Lilienkelchblatt ein." DAS war Beuys als Dichter.

Fakt 3: Die Angst des Profs vor Frauenpower

Joseph Beuys, fotografiert von Michael Ruetz, 1971

Beuys rauchte gern

Klar: Beuys war eine coole Socke. Aber er konnte auch ängstlich sein. Etwa 1975, bei einer Messerwerferinnen-Performance seiner Schülerin Katharina Sieverding. Auch Beuys trat vor die Scheibe. Immerhin war er vor dem Abi mal mit einem Wanderzirkus durchgebrannt.

Laut Sieverding sei ihm die Zigarette vor lauter Schlottern aus der Hand gefallen.

Fakt 4: Ökologischer Asket? Mitnichten!

Heute gilt Beuys als genügsamer Naturschützer. Dabei war seine ökologische Anglerweste keineswegs rein! Beuys trug echten Pelz und fuhr eine benzinfressende Bentley-Limousine,

Für seine Soloschau im Guggenheim ließ er sich 1979 auf Museumskosten einfliegen, kutschierte mit Chauffeur im Cadillac durch New York und bestand auf Kaviar. Asketisch geht echt anders.

Fakt 5: Beuys' Eichen waren nicht (nur) für Kassel

Basaltsteine auf dem Friedrichsplatz vor dem Museum Fridericianum in Kassel für das Projekt 7000 Eichen von Joseph Beuys.

Basalt (noch ohne Bäume)

"7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" auf der documenta 7 im Jahr 1982 ist Beuys‘ berühmteste Aktion: Die Pflanzung der Bäume mit Basaltstele sollte Kassel zur Skulptur machen.

Aber auch in NRW stehen von Beuys gepflanzte Stele-Baum-Ensembles. In Köln drei Linden vor der Kirche St. Gereon, in Düsseldorf eine Eiche auf dem Horion-Platz. Viel Spaß beim Suchen.

Fakt 6: Beuys konnte mehr als Kunst

Stimmt! Beuys konnte toll Klavier spielen. Und exquisit kochen! Freunde schwärmen bis heute von seinem Gespür für Gewürze und neue Kreationen.

Dabei wurde durchaus auch die Kunst verköstigt. So sammelte er alle heilen Fische auf, die ein Künstlerkollege auf die Bühne gekippt hatte, um sie mit dem Motorrad zu überfahren. Und auch der tote Hase, dem Beuys 1965 die Bilder erklärte, landete im Topf. Vielleicht hatte er die Bilder ja nicht verstanden.

Stand: 12.05.2021, 07:24

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