Briten in NRW: Zwischen Tränen und Pragmatismus

Big Ben und Flaggen

Briten in NRW: Zwischen Tränen und Pragmatismus

Von Nina Magoley / Stefan Fries

  • Johnson-Wahl: Brexit in greifbare Nähe gerückt
  • Briten in NRW verunsichert
  • Übergangsphase in Deutschland beachten

Als Daniel Geal am Freitagmorgen (13.12.2019) sein britisches Café in Köln-Nippes aufschließt, ist sein Heimatland Großbritannien nicht mehr dasselbe, wie noch am Abend zuvor. Die Briten haben endgültig für Boris Johnson und damit für den Brexit gestimmt.

Wie kommt die Entscheidung bei Briten in NRW an?

"90 Prozent meiner Landsleute hier in Deutschland ziehen heute Morgen lange Gesichter", sagt Geal. Er selber sehe das anders: "Das Referendum 2016 war doch eindeutig für den Brexit." Doch die Politiker hätten "alles versucht, den Brexit zu verhindern". Er habe mittlerweile "den Respekt vor der Regierung komplett verloren".

"Ich weiß, dass ich einen deutschen Pass jetzt schnell beantragen müsste", sagt Geal, der seit 2006 in Köln lebt. Die Entscheidung sei aber schwerwiegend und noch diskutiere er mit seiner deutschen Frau darüber.

Wahl in Großbritannien

Mit einem Briten verheiratet: Friederike Weiß

Bei ihnen zuhause seien am Wahlabend Tränen geflossen, sagt Friedrike Weiß, die in Köln mit einem Briten verheiratet ist. Es sei "ein komisches Gefühl", dass ihr Mann demnächst eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis beantragen müsse. "Auf einmal ist man ein 'anderer' Ausländer."

Christian Kemperdick, Halb-Engländer aus Köln, gehört zu denen, die nach der Wahl vor allem eins fühlen: Enttäuschung. "Die EU ist in England immer schlecht verkauft worden", sagt er. Nächste Woche steht für den Anwalt Verwandtenbesuch in England an. Dass er dafür in Zukunft ein Visum brauchen könnte, glaube er nicht.

Was ändert sich für Briten in NRW?

Gibt es kein Austrittsabkommen, plant die Bundesregierung eine Übergangszeit bis spätestens 31. Oktober 2020. Erst für die Zeit danach brauchen Briten einen Aufenthaltstitel.

Mit Austrittsabkommen gilt die Übergangsphase bis 31. Dezember 2020. Bis dahin würde Großbritannien weiterhin wie ein EU-Mitgliedsstaat behandelt – für Briten in Deutschland änderte sich nichts.

Briten, die sich einbürgern lassen wollen, dürfen ausnahmsweise die britische Staatsangehörigkeit behalten, wenn sie den Antrag rechtzeitig gestellt haben: Bei einem Austritt ohne Abkommen bis zum 31. Januar 2020, bei einem Austritt mit Abkommen bis zum 31. Dezember 2020.

Wie erklären sich NRW-Briten den Erfolg von Boris Johnson?

Unter anderem durch die wenig überzeugende Haltung seines Gegners Jeremy Corbyn, sagt der britische Politologe Anthony Glees: "Kein Mensch hat ihm geglaubt, was er alles versprochen hat." Sogar Labour-Stammwähler seien zu den Tories abgewandert.

Zudem habe der Durchschnittsbürger in Großbritannien zehn Jahre keine Gehaltserhöhung erlebt. Für diese "wirtschaftliche Verzweiflung hatte Labour keine realistische Lösung anzubieten".

Kräftig mitgewirkt haben sicherlich auch die UK-Medien. So titelte das britischen Boulevardblatt "The Sun" am Wahltag: "Wenn Boris heute gewinnt, beginnt morgen eine großartige Zukunft."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Stand: 13.12.2019, 14:40

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen