Bonnerin berichtet von CARE-Hilfseinsatz im Jemen

Jennifer Bose

Bonnerin berichtet von CARE-Hilfseinsatz im Jemen

  • 24 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen
  • Hilfsorganisation CARE war vor Ort
  • In Hafenstadt Aden nicht mehr viel übrig

WDR: Einschusslöcher in Häusern künden in Aden von Kampfhandlungen. Der Krieg und seine Gefahren sind allgegenwärtig – wie haben Sie das erlebt?

Flüchtlingsunterkunft in Jemen

Flüchtlingsunterkunft in Jemen

Jennifer Bose: Ich hatte ständig Angst - beim Einschlafen, wenn ich Schüsse gehört habe oder wenn ich unterwegs war und nicht wusste, wie die Lage sich wendet. Die Gefahr von Anschlägen ist immer präsent, sie ist Alltag dort. Am Tag, als ich die Stadt verlassen habe, sind bei einem Anschlag 60 Menschen umgekommen, direkt um die Ecke von unserem Büro dort. Es ist angsteinflößend, ständig der Gefahr ausgesetzt zu sein und nicht zu wissen, wie der Morgen aussehen wird.

WDR: Kein Strom, kein Wasser, überall riesige Müllberge – auch die Infrastruktur vor Ort ist vom Krieg zerstört. Welche Folgen hat das für die Menschen?

Jennifer Bose: Die Müllberge sind Bakterienschleudern und es ist ganz leicht für ein Kind, das darin spielt, sich anzustecken. Viele leiden an Fieber und Durchfall, aber dort ist das nicht banal, denn es gibt keine Strukturen zur medizinischen Versorgung mehr. Babys können an so etwas sterben, auch Cholera breitet sich aus.

WDR: Der Krieg trifft vor allem auch junge Menschen – was macht das Erlebte mit ihnen?

Taiba ist 17 Jahre alt und hat ein Bein verloren als sie auf eine Miene getreten ist

Die 17-Jährige Taiba

Jennifer Bose: Wie sehr die nächste Generation betroffen ist, habe ich an Taiba gesehen. Sie ist mit 13 Jahren auf eine Mine getreten, hat ein Bein verloren, das andere kann sie nicht bewegen. Seit vier Jahren sitzt sie in einem kleinen, schwülen Raum. In die Schule kann sie nicht, arbeiten wird sie nicht. Ihr einziges Schicksal ist es, zu warten auf ein besseres Morgen, bis zum Ende des Konflikts.

Jemen: "Ein Ende des Konflikts muss gefunden werden"

WDR 5 Morgenecho - Interview 26.02.2019 04:54 Min. Verfügbar bis 25.02.2020 WDR 5

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WDR: Verletzungen, Hunger, bittere Armut – wie gehen Sie persönlich mit diesen Eindrücken um?

Jennifer Bose: Vor allem schmerzt es in meiner Seele, wie schön das Land ist und wie herzlich die Menschen sind und wie ihnen durch den Krieg die Zukunft geraubt wird. Mit jedem Tag ist es ein weiteres Kind, das nicht zur Schule gehen kann und eine weitere Mutter, die nicht weiß, wie sie ihre Kinder über die Runden bringen soll. Es ist wirklich herzzerreißend, wieder hier zu sein und zu wissen, dass die Menschen dort dem Konflikt nicht so einfach entfliehen können.

Das Interview führte Dorothea Schluttig.

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Stand: 10.08.2019, 06:00

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