Massenpanik in Israel: Bestürzende Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe

Massenpanik in Israel: Bestürzende Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe

Bei einer Massenpanik in Israel sind Dutzende Menschen im Gedränge gestorben. In NRW weckt das Erinnerungen an die Loveparade-Katastrophe.

Am jüdischen Feiertag Lag Baomer starben in Israel mindestens 45 Gläubige. Sie kamen im Gedränge bei einem religiösen Fest um. Mehr als 150 Personen wurden verletzt.

In NRW ruft das Unglück bestürzende Bilder ins Gedächtnis. Von einer Katastrophe, bei der 21 Menschen im Gedränge starben, mehr als 650 verletzt und Tausende traumatisiert wurden.

"Gerade die Menschen hier in Nordrhein-Westfalen haben das Unglück bei der 'Loveparade' in Duisburg vor mehr als zehn Jahren in Erinnerung." Das schreiben Andre Kuper und Norbert Römer in einem Kondolenzschreiben an den israelischen Botschafter. Der NRW-Landtagspräsident und der Vorsitzende der Parlamentariergruppe Israel versichern: "Wir alle hier sind mit unseren Gedanken und Gebeten bei den Opfern und ihren Familien."

Eine absehbare Katastrophe?

"Die israelischen Medien sprechen von einer absehbaren Katastrophe", erläutert Susanne Glass, ARD-Korrespondentin in Tel Aviv. "Sie warnen seit vielen Jahren, dass die Wallfahrtsstätte nicht für einen solchen Menschenanstrum ausgelegt sei."

Zwar sollten wegen der Corona-Pandemie nur 10.000 Menschen Zugang zum Veranstaltungsort haben - Schätzungen zufolge kamen aber rund 100.000 Gläubige zum Berg Meron.

Raphael Evers, der Rabbiner in Düsseldorf ist, hat bereits häufiger am Lag-Baomer-Fest im Norden Israels teilgenommen. "Es ist immer eng dort gewesen. Aber ich hatte nie ein Panikgefühl", sagt er im Gespräch mit dem WDR. Das Fest sei immer bis ins kleinste Detail organisiert, die Polizei- und Rettungskräfte zahlreich gewesen. "Ich hätte nie mit solch einem Unglück mit so vielen Toten gerechnet."

Forscher: "Verkettung verschiedener Faktoren"

Armin Seyfried von der Uni Wuppertal erforscht, welche Ursachen dazu führen, dass es zu Katastrophen wie in Duisburg und Israel kommt. "Der Loveparade-Prozess hat gezeigt, wie komplex die Zusammenhänge bei einer Großveranstaltung sind", sagt er. "Es ist nicht leicht, eine oder zwei Ursachen für so eine Katastrophe zu identifizieren. Man muss eine Verkettung verschiedener Faktoren sehen."

Bei dem Unglück in Israel könnte der Untergrund eine Rolle gespielt haben, meint der Forscher. Seyfried hat Videos von dem Fest am Berg Meron analysiert. Darin könne man sehen, dass einige Menschen auf einer abschüssigen Rampe im Eingangsbereich ausgerutscht sind.

"Wenn Menschen dann fallen, kann eine Stauung entstehen", sagt Seyfried. Diese verschlimmert sich, wenn weitere Menschen nachdrängen. "Dann ist es für die Gefallenen nicht mehr möglich, sich aufzurichten. Man kann sich nicht vorstellen, wie groß diese Kräfte wirken."

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Der rutschige Untergrund hätte allerdings nicht zu einer Katastrophe geführt, wenn weniger Menschen anwesend gewesen wären. Vielmehr sei das Problem, dass zu viele Personen auf zu engen Wegen zusammen kämen. "Auch bei der Loveparade war das Gelände letztendlich ungeeignet für die große Anzahl an Personen."

Vorwürfe gegen Einsatzkräfte

In Israel ist bislang unklar, welche Rolle die 5.000 Polizeikräfte gespielt haben. Augenzeugen erheben Vorwürfe gegen die Beamten, sie hätten Absperrungen aufgestellt, ohne mit den Besuchern des Festes zu kommunizieren. Der zuständige Polizeichef hat bereits die Verantwortung für das Unglück übernommen. Die Ermittlungen zur Ursache beginnen aber erst.

Beim Lag-Baomer-Fest kommen einmal im Jahr vor allem strengreligiöse Juden zum Berg Meron. Sie erinnern an Rabbi Schimon bar Jochai, der am Fuße des Berges begraben ist. Der Rabbiner hatte sich im Jahr 132 bei einem jüdischen Aufstand gegen römische Besatzer aufgelehnt.

Die Lehrerin Liana Kotliar über das jüdische Fest Lag baOmer

WDR 2 Das Mittagsmagazin 30.04.2021 04:14 Min. Verfügbar bis 30.04.2026 WDR 2


Stand: 30.04.2021, 19:08

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