Prozess nach Corona-Infektion in Ischgl

Prozess nach Corona-Infektion in Ischgl

Von David Zajonz

Ein Mann aus Langenfeld hat sich 2020 in Ischgl mit Corona infiziert. Jetzt klagt er gegen die Republik Österreich – wie andere Urlauber auch.

Mit Ischgl verbindet Jürgen Stang einige der schönsten, aber auch die schlimmsten Erinnerungen seines Lebens. Rund fünfzigmal sei er schon dort gewesen, erzählt der 59-Jährige. Seine jetzige Frau Rita hat er in Ischgl kennengelernt, obwohl die beiden in NRW nur wenige Kilometer voneinander entfernt gewohnt hatten. Der Ort sei sein "zweites zu Hause", sagt Ehefrau Rita.

"Hoffentlich überlebst du das"

Im März vergangenen Jahres wird Ischgl für Jürgen Stang aber zum Albtraum. Der Langenfelder infiziert sich dort mit Corona, nach seiner Rückkehr nach Deutschland kommt er ins Krankenhaus. Dort beginnt ein Kampf um Leben und Tod: "Das ist die Hölle!", erinnert sich Jürgen Stang, "Da denken Sie nur: Hoffentlich überlebst du das und hast keine Spätfolgen."

Portrait eines Mannes in Polo Hemd, mit Brille

Jürgen Stang aus Langenfeld klagt gegen Österreich

Nach zwei Wochen Krankenhaus darf er wieder nach Hause. Bis er wieder zur Arbeit gehen kann, vergeht ein halbes Jahr. Inzwischen geht es ihm zwar wieder einigermaßen gut, aber noch immer ist er nicht so fit wie vor der Erkrankung.

Klagen gegen Republik Österreich

Der Mann aus Langenfeld ist wütend auf die österreichischen Behörden. Diese hätten Informationen verschwiegen und erst viel zu spät reagiert. Am 13. März beschloss die österreichische Regierung dann, Ischgl und einige andere Orte zu isolieren. Jürgen Stang und seine Freunde mussten überstürzt abreisen.

Jetzt klagt der 59-Jährige auf Schadenersatz. Dabei gehe es ihm nicht primär ums Geld, sondern um Gerechtigkeit, sagt er. Er habe fast sein Leben verloren, dabei habe er nichts für die Situation gekonnt: "Da sind ja andere für verantwortlich gewesen, die uns in den Ort reingelassen haben, obwohl sie wussten, dass da Corona im Ort ist."

Erster Prozess beginnt

Am heutigen Freitag beginnt in Wien ein erster Prozess. Die Witwe und der Sohn eines an Corona verstorbenen Österreichers fordern 100.000 Euro Schadenersatz. Der österreichische Verbraucherschutzverein unterstützt die Klagen, berichtet von 6000 Tirol-Urlaubern, die sich bei dem Verein gemeldet hätten. Jürgen Stang ist am Montag übernächster Woche dran. Dann wird er noch einmal nach Österreich reisen - nicht in den Ski-Urlaub, sondern zum Gerichtsprozess.

Stand: 17.09.2021, 06:00

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen