Porno-Nutzung beginnt immer früher

Mädchen blickt auf den Bildschirm eines Laptops

Porno-Nutzung beginnt immer früher

  • "Soziale Netzwerke" verstärken Schutz vor sexuellen Inhalten
  • Studie: Jeder Zweite 14-20-Jährige hat schon Hardcore-Filme gesehen
  • Jungen konsumieren häufiger pornografische Inhalte als Mädchen
Kommentare (6)

Im Kampf gegen Sex im Netz haben die "sozialen Netzwerke" in letzter Zeit stark aufgerüstet: Facebook hat Ende letzten Jahres in seinen Gemeinschaftsstandards "sexuelle Kontaktaufnahme" untersagt. Und beim Blog-Netzwerk Tumblr - einst groß geworden als Plattform für pornografische Inhalte - sind seit Dezember "Erwachseneninhalte" ("adult content") komplett verboten. Entsprechende Bilder werden dort seitdem automatisiert aus allen Benutzer-Accounts entfernt.

Mit 12 Jahren Kontakt zu pornografischen Inhalten

Dennoch bleiben unzählige Internetseiten mit pornografischen Inhalten frei im Netz für jedermann abrufbar. Allein 1,5 Milliarden Antworten liefert die Suchmaschine Google auf den Suchbegriff "Porno". Laut einer 2018 veröffentlichten Studie der Universitäten Münster und Hohenheim hat jeder Zweite der 14- bis 20-jährigen schon einmal Hardcore-Filme gesehen. Den ersten Kontakt mit Internetpornos haben viele Kinder demnach schon mit 12 Jahren.

Nutzung beginnt immer früher

Im Schnitt sind die Jugendlichen 14,2 Jahre alt, wenn sie das erste Mal mit Pornografie in Kontakt kommen. Männliche Jugendliche sind dabei mit durchschnittlich 14,0 Jahren etwas jünger als Mädchen (14,8 Jahre). Die Zahlen der Studie zeigen auch: Der Kontakt findet immer früher statt. So gaben die 14- und 15-jährigen Jungen an, dass sie beim Erstkontakt im Durchschnitt erst 12,7 Jahre alt waren. Bei den 16-17-Jährigen lag das Alter bei 14,1 Jahren, bei den 18-20-Jährigen bei 14,9 Jahren.

Erster Kontakt oft ungewollt

Rund die Hälfte der Begegnungen mit Pornografie im Netz fand ungewollt statt: "Von den Mädchen gaben knapp 60 Prozent an, dass der Kontakt zu pornografischen Inhalten ungewollt war, bei den Jungen waren es nur 37 Prozent", so Jens Vogelgesang von der Uni Hohenheim. Dabei kam der erste Kontakt mit Pornografie deutlich häufiger ungewollt zustande (53 Prozent), wenn Dritte anwesend waren.

Als Ort des ersten Kontakts gaben die Jugendlichen mehrheitlich "zu Hause" an:

Pornografie wird laut der Studie von Mädchen wesentlich seltener als von Jungen konsumiert. Ein Prozent der befragten weiblichen Jugendlichen gab an, Pornografie täglich zu nutzen. Bei Jungen waren es neun Prozent. Und während 43 Prozent der Mädchen angaben, Pornografie seltener als einmal im Monat zu konsumieren, lag der Anteil bei den männlichen Jugendlichen bei 22 Prozent.

Gefahren für Kinder im Netz

WDR 5 Leonardo - Hintergrund | 06.02.2018 | 10:54 Min.

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Kinder stoßen oft ungewollt auf Pornos

WDR 5 Leonardo Top Themen | 26.10.2017 | 06:07 Min.

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Stand: 13.02.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 hø'ø 14.02.2019, 06:34 Uhr

    Wundert sich da irgendjemand? Wenn die Kinder schon in der Grundschule tabulos aufgeklärt werden, werden sie natürlich auch in sehr jungen Jahren schon neugierig. Und wenn die Eltern nicht aufpassen (Internet nur unter Aufsicht, kein Smartphone mit Internetfunktionalität, am Besten ein eigener Proxy mit entsprechender Konfiguration), dann schauen sich die lieben Kinderchen natürlich alles an, was sie kriegen können, und worauf sie neugierig sind.

  • 5 BBI 13.02.2019, 23:36 Uhr

    Die Probleme sind, verglichen mit anderen Herausforderungen des Lebens, klein und handhabbar. Die richtige Konsequenz ist, endlich den alten, bewahrpädagogischen Jugendschutz, der "unschuldige Kinderseelen rein halten" will, auf den Kehrichthaufen der Geschichte zu werfen, die restriktive Pornogesetzgebung aufzuheben und Institutionen wie die BPJM abzuschaffen. Und der Student ist erwachsen, dürfte sich also sowieso Pornos ansehen, und hat vor allem eine verdrehte und verklemmte Einstellung, wodurch er sich mit Schuldgefühlen selbst verrückt macht. Diese Einstellung ist ihm ein viel größeres Problem als Pornosucht! Wirklich schlimm sind die Forderungen nach Internetzensur! Es sollte mittlerweile Konsens sein, dass der Staat keine Verfügungsgewalt über den Internetzugang haben darf und Sperrverfügungen, als übler Angriff auf die individuelle Freiheit, Vergangenheit sein und Ländern wie China und Nordkorea vorbehalten sein sollen!

  • 4 Alex 13.02.2019, 23:34 Uhr

    Das sehe ich genau so. Eine Studie. Jeder zweite 14-20 jährige hat schon mal einen harcore Film gehen. Interessant wäre mal das Verhältnis zu früher. Seit Jahren geht das Alter des ersten Males zurück und alle sind immer aufgeklärter (weniger Krankheiten weniger ungewollte frühe Schwangerschaften) mich hat der Kontakt mit pornographie damals nicht geschadet. Ich halte es für völlig normal das jeder 2 das kann ja bedeuten alle 18-20 jährigem schon 1 mal im ganzen Leben einen hardcore Film gesehen haben. Was ist hardcore denn genau? Einfach harter Sex? SM? Das man mal schaut wie härterer Sex ist ist in dem Alter 17-20 völlig normal. Selbst SM - 50 shades of grey lief in den Kinos und ist gesellschaftllch mittlerweile völlig akzeptiert sollte für einen 18-20 jährigem kein Problem sein. Man muss es ja nicht nocmhla gucken und in dem Alter kann man selbst entscheiden was einem gefällt und was nich. Ich dachte wir hätten das in den 60‘ durch und müssen das nicht nochmal erkämpfen.

  • 3 S.M. 13.02.2019, 22:49 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 2 Sabine 13.02.2019, 21:59 Uhr

    Wegen Kindern muss man das Netz zensieren?!?!?! Die Eltern sind doch selbst Schuld, wenn sie 10 Jährigen bereits Smartphones in die Hand drücken. Mit 12 habe ich Sexfilme im Fernsehen geguckt. Das ist völlig normal. Im Netz muss man eben aufpassen wonach man guckt. Verbietet man jetzt auch Alkohol, weil bereits 12 Jährige trinken?! Ich bitte darum! Sonst ist es nur Heuchelei. Youtube hat schon unter diesem Käse gelitten. Jetzt ist alles familienfreundlich und nichts mehr wert.

  • 1 Florian Müller 13.02.2019, 18:40 Uhr

    Ich bin Jahrgang 77, aufgewachsen in bessergestelltem Stadtteil einer Großstadt und auf einem Gymnasium gewesen. Erster Kontakt mit Pornografie in 5ter Klasse, Klassenkamerad hat entsprechende Hefte aus Altpapiercontainer mitgebracht. Nächster kontakt in 6ter Klasse bei Suchspiel mit Funkgeräten im Wald, ein Stapel Pornohefte lag mitten im Wald. Inhalt hat mich damals weder angeekelt noch vertieft interessiert. Meine Schulkarriere und mein Leben haben diese für mich völlig unbedeutenden Vorfälle unbeeinflusst gelassen. Man soll also die Kirche im Dorf lassen. Das gab es schon vor dem Internetzeitalter und unsere Gesellschaft hat dringendere Probleme - zum Beispiel die immer mehr zunehmende Helikopterelternmentalität, durch die die Persönlichkeitsentwicklung der Jugend mehr gefährdet ist als durch Pornografie. Sicher sind zahlreiche dieser Helikoptereltern nach Lektüre dieser Artikels auch schon wieder in großer Panik...

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