NRW wird sicherer - doch die Angst bleibt

Das Bild zeigt einen Einbrecher beim Versuch durch ein Fenster in ein Haus einzubrechen.

NRW wird sicherer - doch die Angst bleibt

  • Polizei definiert 26 "gefährliche Orte" in NRW
  • Anzahl der Straftaten 2017 rückläufig
  • Gefühlte Sicherheit aber nicht gestiegen

Der Ebertplatz in Köln, die Dortmunder Nordstadt oder der Rheinische Platz in Essen - an vielen Orten in NRW fühlen sich Menschen nicht mehr wohl. Einige dieser Orte werden sogar bei Tag gemieden, weil die Menschen dort Angst vor Kriminalität haben. Allein am Kölner Ebertplatz haben sich im Jahr 2017 nach Polizeiangaben 2.257 Straftaten ereignet.

Polizei definiert "gefährliche Orte"

Die Polizei reagiert auf diese Kriminalitätsschwerpunkte unter anderem damit, indem sie diese Orte zu "gefährlichen Orten" erklärt. Damit dürfen Sicherheitsbehörden dort verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen, also etwa die Personalien aller Personen ohne Angaben von Gründen aufnehmen.

In NRW hat die Polizei Ende 2017 insgesamt 26 Plätze in zehn Städten zu "gefährlichen" beziehungsweise "verrufenen" Orten erklärt - ohne jedoch genau zu veröffentlichen, wo in den Städten sich diese Orte befinden. Allein 15 dieser "gefährlichen Orte" gibt es aktuell in Köln, die restlichen befinden sich in Borken, Dortmund, Düren, Essen, Hagen, Mettmann, Mönchengladbach, Oberhausen und Wuppertal.

Wenn die polizeilichen Maßnahmen wirken, können Orte auch wieder aus dieser Liste herausfallen. Seit 2010 wurden insgesamt 44 Orte in NRW als gefährlich geführt. Experten kritisieren hingegen, dass viele Orte in der Liste fehlten, obwohl es dort auch verrufene Viertel gebe. Das entspreche in Teilen nicht der Wahrnehmung der Bevölkerung.

Dortmunder Nordstadt: Sicherer, aber immer noch problematisch

WDR 2 | 08.05.2018 | 03:03 Min.

Download

Zahl der Straftaten zurückgegangen

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul stellt die Kriminalitätsstatistik für 2017 vor

Reul: "NRW ist sicherer geworden"

Dabei lässt sich dieses (Un-)Sicherheitsgefühl der Bevölkerung oft nicht mit der Kriminalitätsstatistik in Einklang bringen. So ist etwa die Zahl der in NRW registrierten Straftaten 2017 um 6,5 Prozent auf gut 1,37 Millionen zurückgegangen. "Nordrhein-Westfalen ist nachweisbar sicherer geworden", erklärte NRW-Innenminister Reul (CDU) bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik.

Die gefühlte Sicherheit der Menschen auf den Straßen sei aber nicht besser geworden, obwohl deutliche Rückgänge etwa bei Taschendiebstahl, Autoklau und Fahrraddiebstahl verzeichnet worden seien, so Reul.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 - Häufigkeitszahl

"Die Bürger haben mehr Angst, obwohl sie weniger Grund dazu haben", weiß auch Kriminologe Thomas Feltes von der Uni Bochum. Er hat die Kluft zwischen realer und gefühlter Kriminalität schon 2016 gemessen: Von 3.500 repräsentativ befragten Bochumern sah es fast jeder Fünfte (19 Prozent) als wahrscheinlich an, im kommenden Jahr Opfer eines Raubüberfalls zu werden. Tatsächlich lag das Risiko bei 0,3 Prozent. Damit war die subjektive Angst 65 Mal so hoch wie die reale Gefahr.

Stand: 26.09.2018, 06:00

Aktuelle TV-Sendungen