Der Anschlagsplan, den es nie gab

Der Anschlagsplan, den es nie gab

Von Arne Hell und Lena Kampf

  • Terrorplan für Düsseldorfer Altstadt offenbar erfunden
  • Syrer Saleh A. versprach sich wohl Belohnung
  • Geschickt konstruierte Geschichte überzeugte Ermittler
Saleh A. hinter einer Milchglasscheibe

Einer der kompliziertesten Terrorprozesse Deutschlands geht auf sein Ende zu. Vom angeblichen Anschlagsplan auf Düsseldorf ist nichts mehr übrig geblieben.

Juni 2016: Die Bundesanwaltschaft macht mit einer Verhaftungsaktion gegen drei mutmaßliche IS-Terroristen Schlagzeilen. Sie sollen Teil einer Schläferzelle gewesen sein. Ihr vermeintliches Ziel: Die Düsseldorfer Altstadt. Dort hätten sie mit Maschinengewehren um sich schießen und sich in die Luft sprengen wollen. Um so viele Menschen zu töten wie möglich.

"Geständnis" in Paris

Aufgeflogen war der angebliche Terrorplan, weil sich ein paar Monate vorher der Syrer Saleh A. in einer Polizeistation in Paris gestellt hatte. Er packte aus. Und die Ermittler glaubten ihm schließlich und klagten ihn und zwei seiner angeblichen Komplizen an.

Der Angeklagte Hamza C. im Oberlandesgericht in Düsseldorf

Hamza C. vor Gericht

Von der Anklage ist nicht mehr viel übrig. Die beiden Mitangeklagten Hamza C. und Mahmoud B. sind freigesprochen. Auch die Bundesanwaltschaft war am Ende überzeugt: Die Terrorzelle, zu der sie gehören sollten, gab es nicht.

WDR-Recherchen zeigen, wie geschickt Saleh A. bei der Konstruktion seiner Geschichte vorging. Und wie schwierig es für die Ermittler war, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

Kampf in Syrien

Saleh A.s Geschichte beginnt in Syrien. 2013 kämpft er in den Reihen der Freien Syrischen Armee. Doch die Fronten sind fließend in diesem Krieg. Seine Brigade verbündet sich mit Einheiten der Jabhat Al-Nusra, die im Westen als Terrororganisation eingestuft ist.

Später läuft sein Kampfverband dann über zur Terrormiliz IS. Dort soll er angeblich beauftragt worden sein, den Anschlag in Düsseldorf zu verüben.

All das erzählt Saleh A. 2016 ausführlich den Ermittlern in Paris, später dann nach seiner Auslieferung nach Deutschland auch der Bundesanwaltschaft und den Kriminalbeamten der Düsseldorfer Polizei. Viele Details lassen sich überprüfen. Die Namen der Orte, die Schlachten, die Anführer.

Glaubwürdige Informationen

Nach WDR-Informationen sollen die Angaben auch von Geheimdienstseite bestätigt worden sein. Für die Ermittler ergibt sich daraus: Saleh A. erzählt grundsätzlich die Wahrheit. Und er liefert die Namen und Telefonnummern seiner vermeintlichen Mitverschwörer. Aus Ermittlerkreisen ist dazu zu hören: Es gab unter diesen Umständen keinen Grund, ihm nicht zu glauben.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Saleh A. die Ermittler in die Irre führte

Stand: 21.03.2018, 15:00