Prozessbeginn im Fall Kevin T.

Das gesicherte Gebäude des Oberlandesgerichtes, aufgenommen in Düsseldorf durch einen Zaun

Prozessbeginn im Fall Kevin T.

Von Lena Kampf, Damla Hekimoglu und Andreas Braun

Der Neusser Kevin T. wird beschuldigt, einen 18-jährigen Österreicher bei seinen Plänen zu einem Selbstmordanschlag in Deutschland unterstützt zu haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Hintergründe.

Es ist wie so oft das Mobiltelefon des Angeklagten, das den Ermittlern offenbar wichtige Hinweise geliefert hat. Kevin T. soll sich in Chats radikal gezeigt haben, unter anderem Aufrufe, Anschläge in Deutschland zu begehen, befürwortet haben. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die der WDR einsehen konnte.

Er selbst soll demnach in Chats unter dem Pseudonym "Muslim Task Force" aufgetreten sein und die Meinung vertreten haben, dass es gerechtfertigt sei, Menschen wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit zu töten.

Mutmaßliches Ziel: Ramstein

Seit heute Donnerstagmorgen (22.02.2018) muss sich Kevin T. vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten. Er soll den Österreicher Lorenz K. bei dessen Planung eines Sprengstoffanschlages unterstützt haben. Dazu soll der heute 22-jährige ihm in seiner Wohnung in Neuss Unterschlupf gewährt haben und beim Bau eines Sprengsatzes behilflich gewesen sein, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Neusser wegen geplantem IS-Anschlag vor Gericht

WDR 2 | 22.02.2018 | 00:25 Min.

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Das Ziel des Anschlags könnte der US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein gewesen sein, glauben die Behörden. Kevin T.‘s Anwalt hat sich heute nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ob sein Mandant das während des Prozesses tun wird, ist seinen Angaben zur Folge noch offen. Der Staatsanwalt sprach davon, dass Kevin T. bestreitet, an einer Straftat beteiligt gewesen zu sein.

Aachener Jugendliche mitangeklagt

Ebenfalls vor Gericht in Düsseldorf steht Amal E. aus Aachen. Sie soll K. bei seinen Plänen unterstützt haben und sich mit den Zielen des IS identifiziert haben.

Laut Anklageschrift soll ihr direkter Beitrag zwar nicht sehr groß gewesen sein: Sie soll ihr Handy verkauft und Lorenz K. danach 71 Euro gegeben haben. Da der mit dem Geld aber Zutaten zum Bau einer Bombe gekauft haben soll, lautet die Anklage gegen Amal E. unter anderem auf Terrorismusfinanzierung.

"Die Einlassung meiner Mandantin wird geständig sein. Sie wird die Vorwürfe in der Anklage weitestgehend bestätigen", kommentierte ihr Anwalt Johannes Pausch gegenüber dem WDR. Amal E. war zum Tatzeitpunkt erst 15 und ist heute 17 Jahre alt. Die Schülerin soll sich plötzlich religiös gekleidet und zunehmend abgeschottet haben. Nach deutschem Recht ist sie ledig, soll aber Lorenz K. aus Wien nach islamischem Ritus geheiratet haben – ohne das Wissen ihrer Eltern.

Mutmaßliches Bekennervideo gefunden

Noch vor Ende 2016 hätte der Anschlag eigentlich stattfinden sollen, glauben die Ermittler. Die Pläne seien so konkret gewesen, dass Lorenz K. bereits einen IS-Kontaktmann darüber informiert habe – der soll das Vorhaben abgesegnet haben.

Kevin T. soll außerdem ein Bekennervideo nach Vorbild des Attentäters aus Ansbach produziert haben. T. und K. sollen eine Testbombe in einem Park in Neuss zur Explosion gebracht haben.

Außerdem sollen sie eine weitere, für den mutmaßlichen Anschlag bestimmte Bombe, gebaut haben, die in Kevin T.’s Wohnung gelagert wurde. Als Lorenz K. im Dezember 2016 in Aachen vernommen wurde, soll Kevin T. die Bombe, aus seiner Wohnung geschafft haben. Ein Freund soll dann die Überreste der Bombe vernichtet haben.

Für den Prozess in Düsseldorf sind weitere 22 Tage angesetzt, der Österreicher Lorenz K. muss sich in einem getrennten Verfahren in Wien verantworten.

Stand: 22.02.2018, 16:25

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