"Paradise Papers" enthüllen milliardenschwere Steuertricks

"Paradise Papers" enthüllen milliardenschwere Steuertricks

Unfassbar viel Geld haben viele Superreiche versteckt, um kaum Steuern zu zahlen. Das zeigen Geheimdokumente, die Reporter, auch von WDR, NDR und SZ, ausgewertet haben.

Wie nutzen Superreiche, Prominente, Kriminelle und Konzerne Steueroasen, um ihre Steuerlast zu drücken und ihren Besitz zu verstecken? Ein 1,4 Terabyte großer Datensatz gibt Aufschluss über windige Geschäfte russischer Oligarchen, fragwürdige Steuertricks multinationaler Konzerne und über die Offshore-Geschäfte von mehr als 120 Politikern auf der ganzen Welt. Darunter auch ein Dutzend Staats- und Regierungschefs.

Prominente aus Film-, Musik- und Sportwelt beteiligt

Die Paradise Papers enthüllen unter anderem die Geschäfte des amerikanischen Handelsministers Wilbur Ross, außerdem die eines engen Vertrauten des kanadischen Premiers Justin Trudeau. Sie beleuchten die Online-Geschäftspraktiken des deutschen Glücksspielunternehmers Paul Gauselmann. Auch zahlreiche Prominente aus der Film-, Musik- und Sportwelt tauchen mit unterschiedlichen Konstruktionen in den Paradise Papers auf.

Der Rohstoff-Gigant Glencore

Einer der größten Fälle der Paradise Papers ist der Rohstoff-Gigant Glencore, einem der unbekanntesten Großkonzerne der Erde. Glencore verkauft Kupfer und Kobalt, wichtig für Batterien und Akkus in Mobiltelefonen. Die fünf Top-Manager von Glencore zählen zu den reichsten Männern der Schweiz. Arm blieben dagegen viele Regionen, in denen Glencore Geschäfte macht.

Weltweite Recherche unter Beteiligung des WDR

In Deutschland recherchierten Journalisten der Süddeutschen Zeitung, des NDR und des WDR an den Paradise Papers. Der Datensatz war der Süddeutschen Zeitung zugespielt worden. Die Daten stammen zum großen Teil aus der renommierten Offshore-Kanzlei Appleby.

Die Süddeutsche Zeitung teilte sie mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ). An den einjährigen Recherchen waren fast 400 Journalisten von rund 100 Medien beteiligt, darunter die New York Times, der Guardian und Le Monde. Die Rechercheergebnisse werden weltweit seit Sonntag (05.11.2017) 19:00 Uhr veröffentlicht.

Den Schaden tragen die Steuerzahler

Während die im April 2016 veröffentlichten Panama Papers vor allem Steuerhinterziehung, Korruption und andere Verbrechen entblößten, bieten die Paradise Papers einen Einblick in die Arbeit der hochspezialisierten Berater, die komplizierte Konstrukte zur Steuervermeidung aufsetzen – die sind reichen Kunden und Firmen vorbehalten, sind in der Regel legal und führen zum selben Ergebnis: Der Gesellschaft entsteht ein Schaden durch nicht bezahlte Steuern.

Stand: 05.11.2017, 19:00