Teil 2: Anklage gegen IS-Rückkehrerin

Teil 2: Anklage gegen IS-Rückkehrerin

Von Lena Kampf

  • Prozess gegen IS-Rückkehrerin in München
  • Angeklagte soll bei der Sittenpolizei des IS gearbeitet haben
  • Vorwurf: Tod eines Mädchens "billigend in Kauf genommen"
IS-Kämpfer laufen bewaffnet durch Raqq, Syrien

Weil die Details bisher allein auf der Aussage von Jennifer W. gegenüber der V-Person basieren, gilt die getötete Fünfjährige in der Anklageschrift des Generalbundesanwalts als nicht identifiziert. Es gibt auch keine Leiche in dem Fall. Doch im März meldete sich eine Irakerin bei den deutschen Behörden, die angab, die Mutter des Kindes zu sein.

Nach Informationen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" könnte ihre Aussage Annahmen der Anklage stützen. Die Frau wird von der deutschen Strafverteidigerin Nathalie von Wistinghausen und der internationalen Menschenrechtsanwältin Amal Clooney vertreten und wird im Prozess gegen Jennifer W. als Nebenklägerin auftreten. Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Nachfrage zu "einzelnen Ermittlungsschritten" nicht äußern.

Verteidiger bezweifelt Tat

Rechtsanwalt Ali Aydin, der Verteidiger von Jennifer W., bezweifelt dennoch, dass es die Tat überhaupt gegeben hat. "Es kann sein, dass es ein anderer Sachverhalt ist", sagt er. Aber selbst wenn habe seine Mandantin nach Aktenlage ja berichtet, dass sie versucht habe, das Kind zu retten, indem sie auf ihren Mann einwirkte.

Aus Sicht der Bundesanwaltschaft hat sie den Tod des Kindes allerdings billigend in Kauf genommen. Als "Beschützergarant" des Mädchens habe sie sich durch Unterlassen strafbar gemacht.

Für den Tod des Mädchens soll Taha A. nach Regeln des "Islamischen Staats" bestraft worden sein, die vorschreiben, dass auch Sklaven angemessen behandelt werden müssen, sagte Jennifer W. gegenüber der V-Person.

Job bei der "Hisba"?

Jennifer W. selbst soll als Mitglied der Sittenpolizei dafür gesorgt haben, dass die Vorschriften des IS eingehalten werden. Sie war offenbar sehr stolz auf ihren Job bei der "Hisba", wo sie 50 bis 100 Dollar Monatslohn erhielt. Es sei der beste Job gewesen, soll sie später in einem Chat erzählt haben.

Die "Hisba" war für die Einhaltung des Tabak- und Alkoholverbots, sowie von Kleidervorschriften zuständig und konnte bei Verstößen Strafen und körperliche Züchtigungen, etwa Auspeitschen, verhängen. Jennifer W. soll gesagt haben, sie habe selbst keine Bestrafungen vorgenommen, aber das sei auch nicht notwendig gewesen. Wenn sie in weißem Gewand, bewaffnet mit Gewehr und Pistole durch die Parks marschiert sei, hätten die Frauen dafür gesorgt, richtig bekleidet zu sein. Die Frauen hätten sehr viel Angst vor ihr gehabt.

27-Jährige immer noch IS-Anhängerin?

Jennifer W. ist 2016 über die Türkei zurück nach Deutschland gekommen und stand seitdem unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft hat sie in Deutschland keinesfalls der IS-Ideologie abgeschworen, im Gegenteil sei sie darin tief verwurzelt. Demnach soll sie sich in radikal jihadistischen Internetforen aufgehalten haben und Administratorin einer Gruppe gewesen sein, die Spenden für inhaftiere Glaubensbrüder- und schwestern sammelte.

Die 27-Jährige, die die Schule nach der achten Klasse ohne Abschluss verließ und nie eine Ausbildung abschloss, fühlte sich in Deutschland offenbar nicht wohl. Ein Leben als Muslima sei ihr hier unmöglich, soll sie in einem Chat gesagt haben. Die Zeit beim IS sei trotz fehlendem Essen und Elektrizität das Beste für sie gewesen.

Stand: 26.03.2019, 18:00

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