Studien von NRW-Forschern auf zweifelhaften Portalen

Wissenschaftler arbeitet im Labor am Computer

Studien von NRW-Forschern auf zweifelhaften Portalen

Von Felix Mannheim

  • Verlage publizierten auch unseriöse Studien
  • Wissenschaftliche Prüfung fehlte bei Selbstversuchen
  • Renommierte Forscher nutzten Fake-Verlage ebenfalls
  • Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung

Er gilt als Elektro-Auto-Pionier und Wissenschaftler mit exzellentem Ruf – bis in die Politik. Günther Schuh von der RWTH Aachen ist einer der bekanntesten Forscher aus Nordrhein-Westfalen. Doch Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung bringen den Top-Forscher nun in Erklärungsnot. Schuh und seine Mitarbeiter haben Studien auch auf Online-Portalen fragwürdiger Fake-Verlage veröffentlicht.

Verlage wie WASET und OMICS unterlaufen offenbar die grundlegenden Regeln der wissenschaftlichen Qualitätssicherung. Insgesamt haben mehr als 5.000 Wissenschaftler aus Deutschland ihre Arbeitsergebnisse dort veröffentlicht.

In NRW ist ausgerechnet die RWTH Aachen mit rund 50 Beiträgen bei Fake-Verlagen am häufigsten vertreten. Mit mehr als 40.000 Studierenden ist sie die größte Universität für technische Studiengänge in Deutschland, für besondere Exzellenz in der Arbeit bekommt die RWTH seit Jahren besondere Fördermittel von Bund und Ländern in Millionenhöhe.

Auf Fake-Verlage hereingefallen

Im WDR-Interview zeigt sich Günther Schuh von den Recherchen überrascht. Er sagt, ihm seien die Methoden der scheinwissenschaftlichen Verlage nicht bekannt. Sein Team müsse auf Angebote der falschen Verleger hereingefallen sein.

Er versuche grundsätzlich, seine Forschungsergebnisse breit zu streuen. "Und wenn uns jemand dazu eine Bühne bietet, dann nehmen wir die in aller Regel mit", so Schuh. In Zukunft seien solche Veröffentlichungswege an seinen Instituten verboten. Er sagt: "Wir müssen das abstellen, zum eigenen Schutz, aber noch mehr zum Schutz unserer Zunft."

Der Schutz der Zunft – er scheint nötig: Denn das Problem gibt es an vielen Hochschulen und Forschungsinstituten in Nordrhein-Westfalen: Auch die Uniklinik Köln, die Universität Siegen, die TU Dortmund, das Wuppertal Institut oder das Forschungszentrum Jülich nutzten die zweifelhaften Verbreitungswege.

Stand: 19.07.2018, 06:00

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