Cum-Ex-Steuerskandal: Privatbankiers unter Beschuss

Fassade der Privatbank Warburg

Cum-Ex-Steuerskandal: Privatbankiers unter Beschuss

Von Massimo Bognanni und Georg Mascolo

  • Hamburger Privatbank M.M. Warburg gerät zunehmend unter Druck.
  • Prüfbericht belastet Chefaufseher und Bank schwer.
  • Das Geldhaus weist die Vorwürfe vehement zurück.

Ein von der deutschen Finanzaufsicht Bafin in Auftrag gegebener Prüfbericht über die Hamburger Bankengruppe Warburg enthält nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung schwere Vorwürfe gegen das hanseatische Geldinstitut und dessen Aufsichtsratschef sowie Mitinhaber Christian Olearius.

Warburg und Olearius, er ist einer der führenden Privatbankiers hierzulande, sollen demnach stark in den Cum-Ex-Steuerskandal verwickelt sein. Nach derzeitigen Erkenntnissen und Einschätzungen habe sich Olearius bei Cum-Ex-Aktiengeschäften der "besonders schweren Steuerhinterziehung" strafbar gemacht.

So steht es in einer 101 Seiten langen Zusammenfassung des Prüfreports, die WDR, NDR und SZ vorliegt. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt schon länger gegen Olearius und zahlreiche weitere Manager und Mitarbeiter von Warburg.

Kritischer Untersuchungsbericht

Der bislang unveröffentlichte Untersuchungsbericht für die Bafin ist datiert vom 19. Februar 2019; verfasst hat ihn die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Darin kommt Deloitte zu dem Ergebnis, dass Olearius auch gegen gesetzliche Vorschriften für die Führung von Banken verstoßen habe.

Die Bafin könne deshalb voraussichtlich verlangen, den Aufsichtsratschef aus dem Kontrollgremium von Warburg abzuberufen. Dafür lägen "ausreichende Anhaltspunkte" vor.

Darüber hinaus hält Deloitte bei Warburg zusätzliches Kapital für notwendig, damit die Bankengruppe mögliche Steuernachforderungen in Höhe von bis zu 189 Millionen Euro inklusive Zinsen verkraften könne. "Nach unserem Dafürhalten", schreibt Deloitte, wäre im schlimmsten Fall für Warburg eine "zusätzliche Rückstellung in Höhe von 144,5 Millionen Euro zu bilden".

Ob die Bankenaufsicht aus den Prüfergebnissen Konsequenzen zieht, wollte die Bafin aufgrund ihrer gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht nicht kommentieren.

Warburg klagt gegen die Deutsche Bank

Warburg und der 76-jährige Olearius weisen indes alle Vorwürfe vehement zurück. Man sei mitnichten in den Steuerskandal verwickelt. Warburg sieht die Schuld bei der Deutschen Bank – und klagt vor dem Landgericht Frankfurt.

Zweiter Teil: der Streit zwischen Warburg und Deutscher Bank

Stand: 16.04.2019, 18:00

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