Versicherungs-Affäre - Keine Allianz fürs Leben

Das Logo des Versicherungskonzerns Allianz auf dem

Versicherungs-Affäre - Keine Allianz fürs Leben

Von Holger Beckmann und Massimo Bognanni

  • Betrugsskandal bei der Allianz
  • Mutmaßlich Millionenschaden
  • Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft

Stolz verkündete Deutschlands größter Versicherungskonzern im Sommer 2014 die neuen Maßnahmen gegen Versicherungsbetrüger. Die Allianz beschäftige, stand in der viel beachteten Pressemeldung, neuerdings besondere Betrugsspezialisten.

Die sollten Betrügereien auch über einzelne Versicherungssparten hinaus erkennen – und so unehrlichen Versicherten das Leben schwer machen.

Ausgerechnet einer dieser Betrugsspezialisten ist nun nach Informationen von WDR und Süddeutscher Zeitung selbst ins Visier von Ermittlern geraten. Sein Fachwissen soll er  womöglich jahrelang anders genutzt haben, als es seinem Arbeitgeber lieb sein konnte. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Der Verdacht lautet: Betrug.

Keine Allianz fürs Leben - Betrugsvorwürfe bei der Allianz

WDR 5 Profit - aktuell | 22.05.2018 | 02:01 Min.

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Versicherung bestätigt Betrugsfall

Die Allianz bestätigte den Fall auf Anfrage: "Unsere internen Kontrollsysteme haben Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für uns aufgedeckt. Wir haben daraufhin umgehend alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen und auch die zuständigen Ermittlungsbehörden eingeschaltet, mit denen wir eng kooperieren."

Der ehemalige Mitarbeiter habe mit hoher krimineller Energie und seinem Expertenwissen über Kontrollsysteme Kontrollen umgangen. Die Allianz kündigte ihm und erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte, dass ein früherer Allianz-Mitarbeiter in Untersuchungshaft sitzt. Weitere Details nannte sie nicht.

Vorwurf: Fingierte Rechnungen

Recherchen von WDR und "SZ" zeigen: Der Beschuldigte soll sein Wissen über die Betrugsbekämpfungssoftware zu Geld gemacht haben. Bei Versicherungsfällen, die er bearbeitete, soll er juristische Anfragen erfunden haben – und die entsprechenden Anwälte gleich mit.

Die wohl fingierten Rechnungen waren stets unauffälliger Natur. Mal soll es um 500 Euro gegangen sein, mal waren es 1.200 Euro. Kleckerbeträge, die sich über die Jahre aber zu Millionen summierten.

Der Betrugsspezialist soll sich so einen einstelligen Millionenbetrag erschlichen haben. Das Geld für die Rechnungen soll er auf mehrere Konten geleitet haben, auf die er Zugriff hatte.

Dabei soll er Insidern zufolge äußerst behutsam vorgegangen sein. So soll er nie mehr als 5.000 Euro in Rechnung gestellt haben. In diesem Fall hätte ein weiterer Kollege die Rechnungen nochmals prüfen müssen. So wusste er offenbar, wie man unter dem Radar fliegt. Jahrelang soll er damit durchgekommen sein.

Aufmerksamer Kollege

Dass der mutmaßliche Betrug dennoch aufflog, lag an einem Kollegen, der einen von seinen Fällen mitbearbeitete. Ihm sollen Unregelmäßigkeiten aufgefallen sein, die interne Revision nahm sich der Sache an. Das mutmaßliche Betrugssystem des Betrugsbekämpfers flog auf.

Dass das vermeintliche Betrugssystem  überhaupt solange unentdeckt blieb, soll Insidern zufolge auch mit der Persönlichkeit des Betroffenen zu tun haben. Er war ein anerkannter Experte. Seine Arbeit wurde kaum hinterfragt. Dabei hätte wohl schon eine Google-Suche nach den angeblichen Anwälten so eine Masche entlarven können.

Stand: 22.05.2018, 18:00