Alle Jahre wieder: Die Invasion der Marienkäfer

Marienkäfer tummeln sich an einem Fenster

Alle Jahre wieder: Die Invasion der Marienkäfer

Von Frank Menke

Sie sitzen auf Hauswänden, Fensterrahmen und Balkongeländern: Marienkäfer in ungeahnter Vielzahl. Das Phänomen gibt es regional auch in NRW schon seit Jahren. Was steckt dahinter?

Manche finden sie einfach putzig, andere sind eher genervt von der aktuellen Invasion der Marienkäfer. Das Phänomen kann man jedes Jahr im Herbst vielerorts auch in NRW beobachten. Die gepunkteten Insekten - meist Siebenpunkte- oder Asiatische Marienkäfer - nehmen teils in großen Schwärmen Kurs auf Hauswände, Fensterbretter und Fensterrahmen oder Balkongeländer. Und sie krabbeln oder fliegen dann auch in Wohnungen und Häuser.

Auf der Suche nach frostfreien Plätzen

Insektenexperte Holger Sticht vom "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" in NRW (BUND) erklärte dem WDR das Phänomen am Freitag so: "Die Tiere versuchen, einen Unterschlupf zu finden. Sie verbringen den Winter weitestgehend inaktiv und sind auf der diffusen Suche nach einem frostsicheren Platz." Dabei verirren sie sich auch schon mal in Wohnungen. Im Grunde aber wollen sie es sich in Hohlräumen wie Mauerritzen oder Dachsparren oder in Laubhaufen im Garten gemütlich machen.

Probleme bereiten die Käfer dort nicht. Man muss sich keine Sorgen darüber machen, dass sie Eier ablegen und man im Frühjahr mit einer Invasion von Jungkäfern in den eigenen vier Wänden konfrontiert ist. "Die Fortpflanzungsperiode ist beendet. Es geht nur darum, die lebensfeindliche Jahreszeit zu überstehen. Die Marienkäfer fressen auch nichts an", sagt BUND-Sprecher Sticht.

Fliegengitter anbringen, Licht aus beim Lüften

Wer sich dennoch vor ihnen schützen will, kann Folgendes tun: Fenster und Balkontüren geschlossen halten, Fliegengitter anbringen oder beim Lüften kein Licht machen. Sind die Käfer in der Wohnung, sollte man sie vorsichtig einfangen und raussetzen. Das gilt auch für die Stinkwanzen, die jetzt ebenfalls vermehrt auf der Suche nach einem Winterunterschlupf sind.

Nicht die Zeitung zur Hand nehmen

Stinkwanze an einer Hauswand

Stinkwanze an einer Hauswand

Stinkwanzen sollte man allerdings nicht in eine Situation bringen, in der sie sich bedroht fühlen. Mit der Zeitung draufzuhauen, ist keine gute Idee. Dann nämlich sondern sie ein unangenehm riechendes Sekret ab. "Man sollte sie auch nicht mit Händen anfassen, denn sie können stechen - das ist aber nicht gefährlich", sagt BUND-Sprecher Sticht. Im Gegensatz zu Marienkäfern nehmen Stinkwanzen auch schon mal Zimmerpflanzen und Obst ins Visier - das verfärbt und verformt sich dann.

Populationen brechen zusammen

Warum es dieses Phänomen gibt, ist selbst für Naturschützer schwer zu erklären. "Das ist regional sehr unterschiedlich. Die trockenen Sommer und die Klimaveränderung könnten einen Beitrag dazu leisten. Wir leben aber eigentlich in einem Zeitalter, in dem wir noch nie so wenige Insekten hatten wie jetzt - gerade bei den Fluginsekten, zu denen diese Käfer- und Wanzenarten gehören", sagt BUND-Sprecher Sticht. Die meisten anderen Insektengruppen nähmen in der Masse stark ab: "Die Populationen brechen in Dimensionen zusammen, dass unsere Ökosysteme in Gefahr sind."

Stand: 23.10.2020, 20:43

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