Keine Corona-Notfallbehandlung für Impfverweigerer?

Keine Corona-Notfallbehandlung für Impfverweigerer?

Der Medizinethiker Wolfram Henn wendet sich mit drastischen Worten an Corona-Impfverweigerer: Sie sollen schriftlich auf eine Intensivbehandlung verzichten. Uns erklärt er, was Henn mit seinem Aufruf bezweckt.

Der Humangenetiker und Medizinethiker Wolfram Henn ist Mitglied im Deutschen Ethikrat. Er provoziert in einem Gastkommentar für die "Bild"-Zeitung am Samstag (19.12.2020) die Skeptiker einer Corona-Impfung: Sie sollen schriftlich festhalten, dass sie im Notfall keine Behandlung wollen, schreibt er. Wir haben mit ihm gesprochen.

WDR: Sie fordern, Corona-Impfverweigerer sollten ein Dokument bei sich tragen mit dem Inhalt: "Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen." Warum haben Sie das so drastisch formuliert?

Professor Wolfram Henn.

Wolfram Henn: Zunächst will ich provozieren und im guten Sinne zum Nachdenken anregen. Ich habe auch nicht gefordert, dass die Leute auf eine Behandlung verzichten sollen. Sie sollen sich vielmehr hinsetzen und eine Patientenverfügung, die ja jederzeit mündlich widerrufbar ist, aufstellen und damit zu Ende denken, was die Konsequenzen ihres Handelns wären.

Dass am Ende im Notfall niemand auf eine Behandlung verzichten wird, ist doch vollkommen klar. Es geht darum, dass Menschen, die ganz schnell ganz kritisch sind und sagen, wogegen sie sind, doch sagen sollen, wofür sie stattdessen sind. Und wenn sie sich gegen etwas wenden, dann sollen sie die Konsequenzen ihres Handelns wirklich bis zum Ende durchdenken.

WDR: Was sagen Sie Menschen, denen es unheimlich ist, dass die Corona-Impfstoffe so schnell entwickelt wurden?

Henn: Die Schnelligkeit ist nicht auf Kosten der Qualität und Sicherheit gegangen. Die Schnelligkeit war zum einen durch administrative Beschleunigung in den Zulassungsverfahren möglich und zum anderen dadurch, dass mit riesigem - auch staatlich geförderten - Aufwand das Tempo beschleunigt worden ist.

Wenn man 40.000 Testpersonen braucht, dann kann man, wenn kein Zeitdruck besteht, 4.000 pro Jahr impfen. Dann braucht man zehn Jahre. Oder – so ist es hier geschehen – 40.000 innerhalb eines halben Jahres. Da wurde nicht an der Qualität gespart.

WDR: Einige Skeptiker haben Angst, dass ein RNA-Impfstoff – wie der von Biontech und Pfizer– Einfluss auf das eigene Erbgut hat. Was sagen Sie dazu?

Henn: Das ist schlicht sachlich falsch. Dafür gibt es überhaupt gar keinen biologischen Mechanismus. Ich selber werde mich sobald wie möglich impfen lassen. Und ich kenne keinen Genetiker, der das anders sieht.

Wenn ich die Wahl habe zwischen einem RNA-Impfstoff und einem konventionellen Impfstoff – den wird es ja auch bald geben –, dann werde ich persönlich den RNA-Impfstoff nehmen.

Das Interview führte Christina Höwelhans.

Stand: 19.12.2020, 21:56

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