Proteste in den USA: "Wie in einem Bürgerkrieg"

Proteste in den USA: "Wie in einem Bürgerkrieg"

  • Tod des Afro-Amerikaners George Floyd bei brutalem Polizeieinsatz in den USA
  • Gewalttätige Proteste erschüttern das Land
  • ARD-Korrespondent schildert Eindrücke vor Ort

Jan Philipp Burgard über den Beginn der Proteste in Minneapolis

ARD-USA-Korrespondent Jan Philipp Burgard steht vor einem brennenden Gebäude

ARD-USA-Korrespondent Jan Philipp Burgard

"Was mich besonders schockiert hat, waren vor allem die Brandstiftungen. Es war nicht so, dass eine einzelne Polizeiwache von den Demonstranten in Brand gesteckt worden ist, sondern ein Haus nach dem anderen sozusagen. Und da waren Leute, die sind mit Äxten in der Hand durch die Gegend gelaufen und haben auf alles eingeschlagen, was ihnen in die Quere gekommen ist."

Über die Rolle von Antifa und weißen Rassisten

"Es ist schwer auszumachen, wer hinter der Gewalt steckt. Es gibt ein paar Anhaltspunkte. Wenn Demonstranten mit Walkie-Talkies agieren oder auch ausgebildete Ersthelfer vor Ort sind, dann lässt das auf einen gut organisierten Protest schließen. Manche vor Ort sagten, dass gute Organisation typisch für die Antifa ist. Der Gouverneur von Minnesota hat allerdings auch gesagt, dass er weiße Rassisten für die Antreiber der Gewalt hält."

Über das Vorgehen der Polizei

"Die Polizei war auch nicht zimperlich. In der ersten Nacht hat sie sich sehr zurückgehalten, wollte offenbar eine Gewalteskalation und direkte Konfrontation mit den Demonstranten vermeiden, damit es keine Toten gibt. Später ist sie dazu übergegangen, Tränengas und so weiter einzusetzen. Manchmal habe ich mich so gefühlt wie in einem Bürgerkrieg."

Über Rassismus in den USA

"Ich glaube, George Floyd ist kein Einzelfall. Viele Demonstranten haben uns erzählt, dass sie sich seit vielen Jahren systematisch benachteiligt fühlen. Auch junge Leute um die 20 sagen, sie würden sich immer noch fühlen, als wären sie gerade erst vom Sklavenschiff gekommen."

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Über die Rolle von Corona

"Als Brandbeschleuniger wirkt sich auch die Corona-Krise aus. Wir haben weit über 40 Millionen Arbeitslose in den USA seit Beginn der Krise. Da sind viel Frustration und Existenzängste im Spiel. Das ist ein ganz gefährliches Gemisch, das sich hier gerade zusammenbraut im Land."

"Es ist statistisch erwiesen, dass Afroamerikaner und andere Minderheiten wie Latinos überproportional häufig vom Coronavirus betroffen sind und auch überproportional häufig daran sterben. Zum einen haben sie mehr Vorerkrankungen. Und dann haben sie auch oft einen viel schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem."

Über das Verhalten von Donald Trump

"Trump ist nicht Ursache, sondern Symptom von tief greifenden gesellschaftlichen Verwerfungen. Aber was tatsächlich neu ist: Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger versucht Trump gar nicht erst, die Gesellschaft miteinander zu versöhnen, nicht mal pro forma. Er setzt ganz stark auf die Spaltung der Gesellschaft und gießt rhetorisches Öl ins Feuer, indem er zum Beispiel sagt, er würde bösartige Hunde auf die Demonstranten hetzen."

Aus Protest gegen Rassismus in den USA haben Menschen auf der ganzen Welt bei der Aktion "Blackout Tuesday" (02.06.2020) mitgemacht und in sozialen Netzwerken komplett schwarze Fotos gepostet wie auch die Rockband "The Who".

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Stand: 02.06.2020, 20:05

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