Sven Plöger erklärt: die Krux der Wettervorhersage

Im Vordergrund ist der Meteorologe Sven Plöger zu sehen, im Hintergrund eine Wetterkarte von Nordrhein-Westfalen zum aktuellen Unwetter

Sven Plöger erklärt: die Krux der Wettervorhersage

Am Samstag soll es wieder Gewitter und Starkregen geben. Die Menschen in den Hochwassergebieten machen sich Sorgen. Aber wieder ist erst kurzfristig vorherzusagen, welche Orte betroffen sein werden. Es soll aber nicht so schwerwiegend wie letzte Woche werden.

Im Gespräch mit Moderatorin Judith Schulte-Loh erklärt ARD-Meteorologe Sven Plöger bei WDR 5 die Krux der Vorhersage.

Über die Krux der Vorhersage

WDR 5 Morgenecho - Interview 24.07.2021 07:56 Min. Verfügbar bis 24.07.2022 WDR 5


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WDR: Für dieses Wochenende ist erneut Starkregen angesagt. Wo genau, lässt sich aber erst 30 bis 90 Minuten vorhersagen. Warum ist das so?

Porträt Sven Plöger

ARD-Meteorologe und Publizist Sven Plöger

Sven Plöger: Das Problem ist immer: Haben wir es mit Gewittern zu tun, mit Einzelereignissen, die regional stattfinden? Oder haben wir es mit einem großen Regencluster zu tun, in dem mehrere Gewitter zusammenwachsen. Das ist ein bisschen vergleichbar mit dem, was wir bei diesen Unwettern in der letzten Woche gehabt haben. Da lässt sich schon eher einordnen: Wo ist das Regengebiet in seiner Gesamtheit.

Jetzt haben wir eben diese regionalen Vorgänge. Was passiert hier, was passiert da? Als Meteorologe muss man es auf dem Radar verfolgen: Hier ist das Gewitter, dort ist es unterwegs, hier können wir konkrete Vorhersagen machen. Das sind die Unterschiede des sogenannten Nowcasting, des unmittelbaren Vorhersagens, wenn wir schon ein bisschen wissen, wo das Gewitter unterwegs ist.

WDR: Vor der jetzigen Unwetterkatastrophe hat es die meisten Menschen nicht in große Unruhe versetzt, wenn von "Unwetter" die Rede war - weil wir das gar nicht so kannten. Braucht es eine andere Sprache, die deutlicher warnt?

Plöger: Man muss sich überlegen: Wir hatten bei dem letzten Unwetter Pegelstände, die waren teilweise doppelt so hoch, wie jemals zuvor. Zum Beispiel in Ahrbrück an der Ahr. Da lag der bisherige absolute Rekord bei drei Metern. Und plötzlich landen wir dann bei Höhen von sieben oder acht Metern. Das ist wirklich jenseits des Vorstellbaren.

Bei den neuen Gewittern, die uns am Wochenende betreffen, haben wir es wieder mit Einzelereignissen zu tun. Die können 30 bis 40 Liter auf den Quadratmeter bringen. Das ist viel. Daraus ergibt sich regional natürlich auch eine Bedrohung dadurch, dass die Landschaft durch Feuchtigkeit durchsetzt ist. Das bedeutet, dass einzelne Regionen schon sehr stark belastet sind. Das kann dazu führen, dass die Wasserströme die Hänge herunterreißen und es teilweise zu Erdrutschen kommen kann.

An einzelnen Orten kann es passieren, dass durch das Treibgut in den Flüssen kurzfristig die Pegel sehr stark steigen. Aber wir haben es diesmal nicht mit solch einem großen Regengebiet zu tun wie letzte Woche. Wir müssen diese beiden Unwetter-Typen voneinander unterscheiden. Allerdings kann es aufgrund der Vorbedingungen lokal auch bei den Gewittern an diesem Wochenende unangenehm werden.

WDR: Man muss sich also vorbereiten und man kann keine Entwarnung geben, aber es ist wohl nicht vergleichbar mit dem, was wir vor einer Woche hatten.

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Stand: 24.07.2021, 09:56

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