Youtuber: "Die CDU agiert von oben herab"

Youtuber: "Die CDU agiert von oben herab"

Youtuber Thomas Hackner kritisiert CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Im Interview erklärt der Gelsenkirchener, warum er eine Petition für Meinungsfreiheit gestartet hat.

Nach ihren Äußerungen über "Meinungsmache" im Internet steht CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer unter Druck. Einer ihrer Kritiker ist der Gelsenkirchener Youtuber Thomas Hackner. Der 29-Jährige wirbt für Meinungsfreiheit und hat deshalb eine Onlinepetition gestartet. Bis Mittwochnachmittag (29.05.2019) unterstützten mehr als 64.000 Personen den Aufruf.

WDR: Sie haben eine Online-Petition gestartet, um damit ihren Unmut gegenüber der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer deutlich zu machen. Was erhoffen Sie sich dadurch?

Thomas Hackner: Ich wünsche mir, dass diese Petition Frau Kramp-Karrenbauer erreicht und wir ein ganz klares Zeichen für Meinungsfreiheit und gegen Zensur setzen. Das ist die größte Hoffnung, die wir haben.

Youtuber HerrNewstime

Thomas Hackner ist Youtuber aus Gelsenkirchen und tritt im Netz unter dem Pseudonym "HerrNewstime" auf. Seinem Videokanal folgen rund 380.000 Nutzer. Zusammen mit einem anderen Youtuber hat er am Montagabend (27.05.2019) die Petition "Keine Zensur unserer Meinungsfreiheit, Frau Kramp-Karrenbauer!" gestartet. Die Unterschriften sollen ausgedruckt und an die CDU-Chefin übergeben werden.

WDR: Dabei hat sie doch schon längst klargestellt, dass sie die Meinungsfreiheit gar nicht einschränken will.

Hackner: Aber in ihrer Relativierung hat sie auch wieder davon gesprochen, dass für das Netz eigene Regeln gelten sollten. Eigentlich hat sie nur das bestätigt, was sie vorher schon gesagt hat.

WDR: Offenkundig besteht eine große Kluft zwischen Parteien wie der CDU und der jungen Generation. Wie kann die wieder geschlossen werden?

Hackner: Die CDU und auch die SPD müssen ihr Onlineverhalten verändern. In den vergangenen Tagen haben sie immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie überhaupt nicht im Stande waren, auf das Internet zu reagieren. So konnte die CDU kein Antwortvideo auf das Video von Rezo veröffentlichen. Dabei wäre das womöglich der beste Weg gewesen, damit umzugehen.

WDR: Und was muss im Alltag geschehen?

Hackner: Die sogenannten Volksparteien müssen Themen finden, die auch die jungen Leute ansprechen. Sie müssen sich mehr um Umweltpolitik kümmern und vielleicht auch die Urheberrechtsreform noch einmal angehen. Genau an diesen beiden Themen sieht man doch, dass wir einfach nicht ernst genommen werden. In der Diskussion um Artikel 13 und die Uploadfilter wurde uns unterstellt, wir seien gekaufte Demonstranten und Bots. Da hat die CDU bei den jungen Wählern wirklich nicht geglänzt.

WDR: Kann es womöglich sein, dass bei beiden Gruppen ein unterschiedliches Demokratieverständnis besteht?

Hackner: Da sind beide Seiten, glaube ich, gar nicht so weit auseinander. Es haben sich halt nur die Kommunikationswege erweitert. Inzwischen kann man auch über das Netz Themen setzen. Das habe die Parteien bislang unterschätzt.

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WDR: Wenn Sie der CDU Nachhilfe in digitaler Kommunikation geben müssten: Wozu würden Sie raten?

Hackner: Die CDU muss authentisch auf die jungen Leute zugehen und beweisen, dass ihr die Zukunftsthemen nicht egal sind. In der Auseinandersetzung mit Rezo hätte sie zum Beispiel die Diskussion ins Netz verlagern müssen. Ein Antwortvideo wäre genau das Richtige gewesen, um zeitgemäß zu reagieren. Grundsätzlich geht es darum, auf Augenhöhe zu agieren.

WDR: Ihnen geht es also darum, Ernst genommen zu werden?

Hackner: Ja! Die CDU wirkt doch immer so, als agiere sie von oben herab. Damit spricht man die jungen Leute aber nicht an.

Das Gespräch führte Dominik Reinle.

Stand: 29.05.2019, 17:20

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