Warum manche nachts in der Stadt Angst haben

Warum manche nachts in der Stadt Angst haben

Was hilft gegen Angst bei Nacht in der Stadt? Videoüberwachung? Mehr Polizei? Ein Gespräch mit Nils Zurawski vom Institut für Kriminologische Sozialforschung Hamburg.

Zurawski beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Überwachung. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Polizei, Gewalt, Sicherheit.

WDR: Warum haben viele Menschen nachts in der Stadt Angst?

Nils Zurawski: Menschen haben Angst vor der Dunkelheit. Zudem sind nachts weniger Menschen unterwegs, die zuschauen. Das erzeugt ein Gefühl von Einsamkeit und Unsicherheit.

Nils Zurawski

Nils Zurawski forscht zum Thema Sicherheit

Es betrifft einige mehr als andere: Ältere Menschen, die ohnehin unsicher auf den Beinen sind oder nicht mehr über die Kraft verfügen sich zu wehren, betrifft es mehr. Während junge Männer zwischen 15 und 25 weniger Angst haben, weil sie meinen, sie sind sowieso die Größten.

Und es betrifft bestimmte Viertel, denen der Ruf vorauseilt, besonders unsicher zu sein. Dabei gibt es aber auch oft Unwissenheit. Fährt man mal in verrrufene Hochhaussiedlungen, denkt man sich: Mann, ist das hier langweilig! Hier ist ja nichts los!

WDR: Verstärkt die Videoüberwachung das Sicherheitsgefühl?

Zurawski: Das soll sie. Aber es gibt auch Hinweise, dass Kameras erst signalisieren, dass es gefährlich ist und damit das Unsicherheitsgefühl verstärken.

Um mich durch Kameras sicherer zu fühlen, muss ich glauben, jemand sieht mich und ich werde beschützt. Aber wird das wirklich von Menschen in Echtzeit gesehen oder ist es nur eine Aufzeichnung?

Außerdem geht man davon aus, dass Kameras die Täter abschrecken. Aber dafür gibt es noch weniger Hinweise, dass das klappt.

WDR: Wie sieht es mit Alkoholverbot in bestimmten Vierteln aus?

Zurawski: Ich halte das für fast nicht praktikabel: Wenn etwas verboten wird, versucht man es zu umgehen. Alkohol ist nun mal der Treibstoff fürs Feiern. Man will ja nur die Exzesse unterbinden, nicht das Feiern an sich.

Aber ein Glasflaschen- und Messer-Verbot ist auf der Hamburger Reeperbahn zum Beispiel sehr sinnvoll. Glasflaschen kann man leicht ersetzen und niemand sollte ein Messer bei sich tragen. Wenn man mal von einem kleinen Taschenmesser absieht.

WDR: Nach Auskunft der Polizei Düsseldorf hat ihre stärkere Präsenz in der Altstadt die Kriminalität sinken lassen. Ein gutes Mittel?

Zurawski: Ja! Mehr sichtbare Polizei, die zum Beispiel in Zweier- oder Viererstreifen unterwegs ist, hilft.

Mehr Polizeieinsatz in unsicheren Innenstädten

Punktuelle Polizeipräsenz hilft, sagt Soziologe Zurawski

Das kann in bestimmten Vierteln Kriminalität verringern: Wo zum Beispiel junge Männer, die zuviel trinken, in Streit geraten. Es ist das probateste Mittel, punktuell an diesen Orten aufzutauchen und zu sagen: Freunde, während ihr feiert, gucken wir drauf. Also haltet euch an die Regeln.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Stand: 17.01.2018, 06:00