Taxibranche: Höhere Preise wegen Uber?

Taxis am Flughafen Köln/Bonn

Taxibranche: Höhere Preise wegen Uber?

  • Taxibranche lehnt neue Regeln für Uber ab
  • Vielen Unternehmen drohe dann das Aus
  • Verkehrsexperte Martin Randelhoff warnt vor höheren Fahrpreisen

WDR: Angenommen, Uber könnte sich in Deutschland etablieren. Für den Kunden wäre das doch kein Nachteil, oder?

Martin Randelhoff: Bisher dient das Taxi unserer Grundversorgung: Es bringt Menschen rund um die Uhr von A nach B. Dabei gilt eine Beförderungspflicht: Taxis müssen jede Fahrt annehmen, egal wie lang, wie lukrativ. Dafür darf in jedem Gebiet nur eine bestimmte Anzahl von Taxis fahren, zu festgelegten Tarifen. Das garantiert dem Taxiunternehmen ein gewisses Mindesteinkommen.

Wenn aber mit der Liberalisierung die Beförderungspflicht wegfällt, könnten sich Taxiunternehmen auf die lukrativen Arbeitszeiten und Strecken beschränken. Dann kann eine Fünf-Kilometer-Strecke plötzlich 40 Euro kosten. Oder Sie warten zwei Stunden auf einen Wagen. Oder Sie bekommen im ländlichen Raum überhaupt kein Taxi mehr.

Martin Randelhoff, Herausgeber Onlinemagazin "Zukunft Mobilität"

Verkehrswirtschaftsexperte Martin Randelhoff betreibt seit 2010 den Blog "Zukunft Mobilität", für den er den Grimme Online Award bekam. Daneben berät Randelhoff Unternehmen, Organisationen und Kommunen.

WDR: Für den Kunden sind Dienste wie Uber aber scheinbar günstiger.

Randelhoff: Nicht unbedingt. Uber lockt die Fahrer damit, dass sie zu bestimmten Zeiten teils zehnfache Aufschläge verlangen können. In New York kostet so beispielsweise in der Silvesternacht eine Fahrt plötzlich 100 Dollar, für die man sonst vielleicht 15 Dollar zahlt. Ob wir noch so begeistert von Uber sind, wenn wir festgestellt haben, dass wir immer erst gucken müssen, ob unsere Fahrt jetzt gerade überhaupt bezahlbar ist? Dadurch verlieren wir als Endkunden die Verlässlichkeit.

WDR: Die Löhne der Taxifahrer liegen traditionell beim Mindestlohn, derzeit 9,19 Euro pro Stunde in NRW. Würden die Fahrer von der Liberalisierung nicht profitieren?

Randelhoff: Vielleicht wäre es die "Befreiung" der Fahrer aus abhängigen Lohnverhältnissen zum Mindestlohn, ja. Vielleicht würden sie aber durch Systeme wie Uber in Beschäftigungsverhältnisse gedrängt, wo sie als Subunternehmer arbeiten, dabei das komplette unternehmerische Risiko tragen - wie Versicherungen, Leasing des Fahrzeugs und so weiter - während der Vermittler bis zu 30 Prozent der Einnahmen kassiert.

WDR: Mittlerweile gibt es verschiedenen Projekte und Apps, die Taxifahrten ökonomischer machen sollen.

Randelhoff: Beim "Ride Sharing" beispielsweise fährt man als Kunde im Taxi mit anderen zusammen, die ein ähnliches Ziel haben. Beispiele aus den USA, wo Ride Sharing bereits angeboten wird, zeigen aber, dass dort sehr oft immer noch Einzelpersonen im Auto sitzen. Einige Anbieter sind sogar schon wieder ausgestiegen. Weil bisher nicht garantiert ist, ob solche Systeme langfristig funktionieren und den Bedarf abdecken, dürfen wir nicht zulassen, dass andere vom Markt verschwinden.

Das Interview führte Nina Magoley.

Stand: 10.04.2019, 13:15

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