Interview mit Wirtschaftsweisen: CO2-Steuer ist effektiv aber sozial ausgewogen

Diskussion mit Christoph Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates

Interview mit Wirtschaftsweisen: CO2-Steuer ist effektiv aber sozial ausgewogen

  • Fridays for Future fordert CO2-Steuer
  • Wirtschaftsweiser stimmt zu
  • Im Interview ist er froh über die Bewegung

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, nahm an einer Podiumsdiskussion zur CO2-Steuer beim "Fridays for Future"-Kongress in Dortmund teil. In einem neuen Gutachten für die Regierung sprach er sich bereits für eine CO2-Bepreisung aus.

"Fridays for Future": "Es gibt keine alternativlose Welt"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.08.2019 06:02 Min. Verfügbar bis 02.08.2020 WDR 5

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WDR: Inwiefern hat die "Fridays for Future"-Bewegung bei der Erstellung des Gutachtens eine Rolle gespielt?

Christoph Schmidt: Für uns als Wissenschaftler ist es oft frustrierend, Probleme anzusprechen, Optionen anzubieten, und zu sehen, dass sie im politischen Handeln wenig aufgegriffen werden. Die Aufmerksamkeit, die die Forschung zur Klimapolitik jetzt bekommen hat, hat natürlich auch viel mit dieser Bewegung zu tun. Die Wissenschaft ist sehr froh darüber, dass es aus der Mitte der Gesellschaft Signale gibt, dass das ein ernstzunehmendes Problem ist. Das hilft uns, das Ohr der Politik dafür zu haben.

WDR: Die Schüler sprechen von einem Preis von 180 Euro pro Tonne CO2. Müssen die Bürger bald tatsächlich so tief in die Tasche greifen?

Porträt von Christop Schmidt

Schmidt: Wir wissen noch nicht genau, wie teuer es wird, Emissionen in den Bereichen Gebäude und Verkehr zu vermeiden. Es ist aber sinnvoll, niedrig anzufangen, damit sich die Wirtschaftsakteure dran gewöhnen können, aber dann auch konsequent nach oben zu gehen. Möglicherweise werden wir in solche Sphären kommen, aber vielleicht auch nicht.

WDR: Der Staat möchte sicher vermeiden, dass Streiks für die Umwelt durch Streiks gegen zu hohe Energiekosten ersetzt werden. Der CO2-Preis soll also das Klima schützen, aber auch sozial ausgewogen sein. Wie kriegt man das hin?

Schmidt: Indem ich die Einnahmen, die ich aus der CO2-Bepreisung bekomme, zu einem guten Teil wieder in die Bevölkerung zurückgebe. Wenn ich das pauschal mache, also jeder kriegt das Gleiche, dann würden diejenigen, die mit einem niedrigen Einkommen starten, nach der CO2-Bepreisung plus Rückverteilung in der Tendenz besser dastehen als vorher. Und diejenigen mit dem höheren Einkommen werden etwas stärker belastet. Es ist wichtig, dass nicht die Einkommensschwächeren die Wende in der Klimapolitik bezahlen.

WDR: Was nehmen Sie von diesem Kongress für Ihre Arbeit mit?

Schmidt: Ich nehme sehr starken Rückenwind mit. Zu merken, dass die Politik einem zuhört, mehr als sie es sonst vielleicht getan hat, ist toll. Aber in einen Diskurs zu kommen mit interessierten Bürgern aus der Jugendgeneration ist eine fantastische Sache.

Das Gespräch führte Anastasia Mehrens.

Stand: 03.08.2019, 15:39

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