Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: Polizeiarbeit am Rande des Erträglichen

Inside Ermittlungsgruppe Berg 03:52 Min. Verfügbar bis 07.07.2021

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: Polizeiarbeit am Rande des Erträglichen

  • Interview mit Ermittlerin im Missbrauchsfall
  • Auswertung von Beweismitteln
  • Harter Job zum Schutz der Kinder

Noch immer sind 137 Ermittler in der Ermittlungsgruppe "Berg" damit beschäftigt, im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach riesige Datenmengen kinderpornographischen Materials auszuwerten. Eine von ihnen ist die 33-jährige Polizeibeamtin Lisa Wagner, Mutter von zwei Kindern.

WDR: Sie haben in Bergisch Gladbach die Wohnung des ersten Täters durchsucht. Hatten Sie eine Ahnung, was sich daraus alles entwickeln wird?

Polizistin Lisa Wagner

Lisa Wagner

Lisa Wagner: Also bei der Durchsuchung selber hatten meine Kollegin und ich zwar schon ein ungutes Gefühl, aber dass dieses Verfahren solch ein Ausmaß annimmt, das hätten wir nie erwartet. Das ist tatsächlich wie so ein Schneeballsystem, ständig ploppt irgendwo wieder ein neuer Täter auf.

WDR: Sie durchsuchen Terabyte an Videosequenzen, Chatverläufen und Fotos. Wie läuft das konkret ab?

Wagner: Es ist sehr wichtig, dass wir uns wirklich alles anschauen. Selbst hinter Kleinigkeiten verbergen sich manchmal Dinge, die uns weiterhelfen, den Täter am Ende zu identifizieren.

WDR: Was für Kleinigkeiten?

Wagner: Das kann zum Beispiel in einem Chat ein Foto sein, das aus einem Fenster heraus fotografiert wurde. Und dann erkennt man anhand dieses Bildes zum Beispiel irgendein Gebäude und kann Ermittlungen weiterführen.

WDR: Welche Erkenntnisse kann man aus Metadaten gewinnen?

Wagner: Also wenn wir Bilder mit Metadaten haben, dann haben wir Informationen zum Beispiel über das Kameramodell oder einen Zeitstempel. Wir können zum Beispiel gucken, was noch alles mit dieser Kamera aufgenommen wurde.

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WDR: Gehen die Täter davon aus, dass ihnen nichts passiert?

Wagner: Ja, die Täter haben auch offen darüber kommuniziert, dass sie der Meinung sind, nicht interessant genug für die Polizei zu sein. Dass es normal wäre, dass man auch mit den eigenen Kindern ein sexuelles Verhältnis hat.

WDR: Wie verarbeiten Sie das Gesehene?

Wagner: Ich mache das jetzt seit über vier Jahren. Das ist ein Bereich, da kann man nicht sagen‚ das mache ich noch so und so lange. Da kann jeden Tag der Moment kommen, wo ich sage, ich kann‘s nicht mehr und dann habe ich auch die Möglichkeit, sofort aufzuhören.

WDR: Wissen Ihre Kinder, was Sie beruflich machen?

Wagner: Die wissen, dass ich Polizistin bin und dass ich dafür sorge, dass Kinder geschützt werden. Dass ihnen nicht mehr wehgetan wird. Aber mein genaues Sachgebiet kennen meine Kinder nicht.

Das Interview führte Jochen Hilgers, Lokalzeit Köln

Stand: 07.07.2020, 17:20

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