Neues Netzwerk in NRW: Mit Dialog gegen Fremdenhass

Deutsche und Tuerkinnen im Gespräch

Neues Netzwerk in NRW: Mit Dialog gegen Fremdenhass

  • Neues Netzwerk gegen Fremdenhass
  • Probleme auch in den Schulen
  • Lokale Projektarbeit geplant

Am Donnerstag (18.10.2018) stellt sich in Düsseldorf ein neues Netzwerk von Migrantenorganisationen in NRW vor, der LV NeMO (Landesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen). Für NRW-Landesvorsitzende Joana Gerdt ist das Projekt längst überfällig: Die Feindseligkeit gegenüber Fremden nehme stetig zu.

WDR: Seit wann ist das Klima gegenüber Menschen mit ausländischen Wurzeln rau geworden?

Porträt Joana Gerdt

Joana Gerdt

Joana Gerdt: Spätestens seit der Kölner Silvesternacht zum Jahreswechsel 2015/16 ist die Stimmung feindlicher geworden. Seit diesem Zeitpunkt wird in der Öffentlichkeit über die sogenannte Flüchtlingskrise zunehmend angstbesetzt diskutiert. Diese Haltung hat Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Klima.

WDR: Wie zeigt sich diese Feindseligkeit?

Gerdt: Der Bundesverband der Netzwerke von Migrantenorganisationen führt ein deutschlandweites Projekt in der Flüchtlingsarbeit in 32 Städten durch. Durch Berichte aus den Städten stellen wir fest, dass die Aggressivität gegen Geflüchtete und auch Ehrenamtler, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, deutlich zunimmt.

Wir kriegen auch mit, dass Feindseligkeit und Vorurteile auch an Schulen ein Thema sind. Dass Lehrer Kindern mit Migrationsgeschichte zu verstehen geben, dass sie es sowieso nicht schaffen, eine gute Arbeit zu schreiben oder eine gute Note zu bekommen, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist.

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WDR 5 Mittagsecho | 10.10.2018 | 04:08 Min.

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WDR: Gibt es auch verbale und körperliche Angriffe?

Gerdt: Abwertende Bemerkungen gegenüber Kopftuch-Trägerinnen sind mittlerweile Alltag geworden. Es gibt auch körperliche Übergriffe gegenüber Menschen, die als nicht-deutsch wahrgenommen werden. In bestimmten Stadtteilen in allen Städten geht man abends nicht mehr so ruhig nach draußen.

WDR: Was kann jeder einzelne dagegen tun?

Gerdt: Als Bürger kann man nur aktiv auf andere Menschen zugehen und versuchen, zusammen ein Netzwerk aufbauen, um in den Dialog zu kommen.

WDR: Worin sieht das neue Netzwerk seinen Beitrag?

Gerdt: Es ist unser Ziel, in den Stadtteilen Dialogformate zwischen Deutschen, schon länger hier lebenden Migranten und Geflüchteten zu initiieren. Durch unsere 160 Mitgliedsorganisationen kriegen wir immer sofort mit, wo der Schuh drückt und können sofort reagieren. Unsere Organisationen führen außerdem in allen möglichen Bereichen soziale Arbeit durch: Kultur-, Eltern-, Senioren-, Jugendarbeit. Es muss nicht über Migranten gesprochen werden, sondern mit Migranten.

Das Interview führte Dominik Reinle.

Stand: 18.10.2018, 06:00

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